Ab 2027 gibt es vom Thüringer Land noch weniger Geld für Hochschulen. Die FSU erwartet eine massive Lücke im Haushalt und plant weitreichende Umstrukturierungen.
Text von Lucy Tusche
Illustration von Antonia Braun
Was in den nächsten Wochen zwischen den Thüringer Hochschulen und dem Thüringer Land ausgehandelt wird, bestimmt die finanzielle Zukunft der FSU in den folgenden acht Jahren. Gut schaut es nicht aus, das macht Steffen Teichert, Thüringer Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur, beim Town Hall Meeting im April deutlich. Zu diesem hatte Präsident Marx Studierende und Beschäftigte der Uni Jena eingeladen, um mit ihm über die Zukunft der FSU zu diskutieren.
Alle vier Jahre treffen der Freistaat Thüringen und die Thüringer Hochschulen eine Rahmenvereinbarung, in der die finanziellen Mittel festgelegt werden, die den Hochschulen in diesem Zeitraum zur Verfügung stehen. Dieses Budget steigt normalerweise jährlich um vier Prozent an. So sollen die Hochschulen den steigenden Bedarf durch Energie- und Personalkosten und die Inflation decken können. Bereits im Jahr 2026 kam es zu Einsparungen: Die Landesmittel wurden nur noch um 3,5 Prozent erhöht. In den nächsten Wochen wird die Rahmenvereinbarung VI für die Finanzierung der Hochschulen ab 2027 bis voraussichtlich 2034 verhandelt. Eine erste Fassung soll Ende Juli in den Landtag gehen. Der Zeitraum der Vereinbarung wird laut Teichert bewusst von vier auf acht Jahre verlängert. Das solle den Hochschulen ausreichend Zeit geben, um sich an die neue finanzielle Situation anzupassen.
Thüringen spart an den Hochschulen
Denn laut Staatssekretär Teichert müssen die Thüringer Hochschulen mit einer deutlich geringeren oder ganz ausbleibenden Erhöhung des Budgets rechnen. Er begründet dies mit dem ausgeschöpften Landeshaushalt, der sich im Moment zu einem Anteil von fünf bis sieben Prozent über Schulden deckt.
Die FSU ist schon heute unterfinanziert. 2023 kündigte das Präsidium aufgrund des universitären Haushaltsdefizits weitreichende Sparmaßnahmen zu Lasten des Personals an. Um die erwartete jährliche Lücke im Haushalt von 12 bis 15 Millionen Euro aufzufüllen, wurde damals unter anderem eine sechsmonatige Stellenbesetzungssperre und der Abbau von mehr als 100 Vollzeitäquivalenten bis 2030 beschlossen. Die Folge der Sparmaßnahmen sind überlastete Mitarbeiter:innen und Beeinträchtigungen in der Lehre.
Was würden die erneuten Budgetkürzungen für Studierende und Mitarbeiter:innen der FSU bedeuten? Präsident Marx betont, dass die Einsparungen nicht zu Lasten der Studierenden fallen sollen. Denn die wolle man unbedingt an der FSU halten. Die Qualität des Studierendenservice müsse gesichert werden. Außerdem bekenne man sich zur FSU als Volluniversität und wolle die Fächervielfalt „sinnvoll” erhalten.
Fächervielfalt in Gefahr
Doch was bedeutet ein „sinnvoller” Erhalt des Lehrangebotes? Laut Staatssekretär Teichert müssen sich die Thüringer Hochschulen auf das Wesentliche konzentrieren und sich von dem weniger Notwendigen trennen: „Muss man wirklich die gleichen 27 Spezialisierungen an drei Hochschulen haben?”, fragt der Staatssekretär. Auf Nachfrage des Akrützel, ob die Kürzungen damit zu Lasten kleinerer Studiengänge und der vielen Spezialisierungsmöglichkeiten an der FSU fallen, antwortet Präsident Marx ausweichend, er habe selbst ein Faible für kleinere Studiengänge. Dann betont er die Möglichkeiten der Studierenden, den Entscheidungsprozess mitzugestalten. So soll zum Beispiel der Senat, in dem auch vier Studierendenvertreter:innen sitzen, in den Aushandlungsprozess einbezogen werden.
Allerdings sind diese Mitbestimmungsmöglichkeiten zum einen begrenzt, zum anderen werden sie von Studierenden nicht ausreichend genutzt. Bei den nächsten Gremienwahlen, die vom 10. bis 22. Juni 2026 stattfinden, können Studierende entscheiden, wer ihre Interessen in den nächsten Jahren vertritt, auch in Bezug auf die Umstrukturierung der FSU. Allerdings stellen sich kaum Studierende für die Ämter auf und die Wahlbeteiligung ist niedrig.
Wie genau die Kosteneinsparungen an der Uni Jena umgesetzt werden, wird an diesem Abend nicht klar. Teichert betont, dass die Landesregierung um die wichtige Funktion der Thüringer Hochschulen wisse. Eine „Forderungsmentalität” von Seiten der Universität sei allerdings nicht hilfreich. Stattdessen wolle man angesichts der angespannten Situation des Haushaltes auf die eigene Kraft und das Ideenpotenzial der FSU setzen – hier wird Sparpolitik als Chance verpackt.
Dieser Text erschien in der Ausgabe Nr. 458, Mai 2026

