Die Buchung des Hochschulsports steht wieder an. Trotz über 300 Kursen gibt es selten Platz für alle. Ich beobachte die sportlichen Körper in der Uni voller Angst. Wer wird mir meinen Platz in Lindy Hop wegschnappen? Wen werde ich durch meine Tippgeschwindigkeit übertrumpfen können? Und wird mir das Rad der Fortuna dieses Mal einen Platz in Indoor Cycling bescheren?Survival of the fittest bedeutet in diesem Fall, am schnellsten seine IBAN in die Tastatur einzuhämmern und die Unisportwerbseite Wochen im Voraus als Lesezeichen abgespeichert zu haben. Es ist ein Klick, der über meine Zukunft entscheidet. Wenn ich früh morgens schlaftrunken nach dem Laptop greife und die F5 Taste malträtiere, bis das Anmeldeformular erscheint, fühle ich mich als Teil von etwas Größerem. Das Touchpad ist schon ganz nass vom Angstschweiß. Mit zitternden Fingern tippe ich meine Daten ein – glücklich, wer mit einem kurzen Namen gesegnet ist – und siehe da, die Bestätigungsmail flattert ins Postfach. Das Semester ist gerettet.
Nach diesem Erfolgserlebnis schlafe ich erstmal weiter. Beim Unisport erwarten mich Menschen, die das Gleiche wie ich durchgemacht haben. Nach all der Konkurrenz sind wir doch im Leid geeint und triumphieren gemeinsam beim Sporteln. Wenn das nicht zusammenschweißt. Alle anderen, die es nicht in den Kurs geschafft haben, würden das nicht verstehen. Egal ob Ersti oder Langzeitstudierende, im Kurs sind wir alle gleich.
von Antonia Braun
erschienen in der Ausgabe 452
