Geraer Neonazi in Spanien gefasst

Für ein paar Monate war Christian Klar selbst mal Ausländer. Er flüchtete nach Spanien, um seinem Strafprozess zu entkommen. Dort wurde er nun gefasst. 

Text von Lucy Tusche
Illustration von Rosa Wentsch

Eigentlich hätte sich der Neonazi Christian Klar vor dem Amtsgericht Gera für seine Straftaten verantworten müssen. Doch mit der Anklage konfrontiert, flüchtete Klar Anfang des Jahres ins Ausland. Der Rechtsextremist ist unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung, Verwendung von verfassungswidrigen Kennzeichen, Volksverhetzung  und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz angeklagt. Seit Februar fahndete die Staatsanwaltschaft Gera mit einem europäischen Haftbefehl nach Klar. 

Nach Informationen des Aktionsbündnisses Gera Gegen Rechts soll sich der Neonazi nach Südafrika oder Spanien abgesetzt haben. Letzteres bestätigte sich nun – die spanische Polizei nahm Klar Ende Mai in der Nähe der Küstenstadt Alicante fest. Nach zwei Tagen in Haft wurde er unter Auflagen entlassen, wie die Staatsanwaltschaft Gera mitteilte. Diese hatte bei den spanischen Behörden Klars Auslieferung beantragt. Über das Auslieferungsgesuch wird nun in Spanien entschieden. 

Christian Klar ist bereits mehrfach vorbestraft. Zuletzt wurde er im September 2025 zu einer Geldstrafe verurteilt, da er den ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow als „Ratte” bezeichnet hatte.
Bereits als Jugendlicher war der 46-Jährige in der neonazistischen Szene aktiv. Er besuchte Veranstaltungen des Thüringer Heimatschutz, einer militanten Neonazigruppierung, der auch das spätere NSU-Kerntrio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt angehörten. 
Später schloss sich Klar für kurze Zeit der AfD an, danach der rechtsextremen Partei Die Heimat (ehemals NPD).

Vernetzt und gewaltbereit

Seit 2021 und bis zu seiner Flucht organisierte Klar mit seiner Gruppe Miteinanderstadt Gera wöchentliche Demonstrationen. Auch wenn die Zahl der Teilnehmer:innen mit dem Ende der Pandemie abgenommen hat, versammeln sich immer noch jeden Montag Rechtsextremist:innen, Reichsbürger:innen und AfD-Anhänger:innen in Gera. Ebenso hartnäckig hält sich der antifaschistische Gegenprotest. 

Wie gewaltbereit Christian Klar ist, war schon lange vor dem Erlass des europäischen Haftbefehls deutlich. Das Lokalmedium Gerda, das die rechtsextreme Szene in Gera beobachtet, berichtet von einer Äußerung Klars bei einer Demonstration, die der Neonazi zum Tag der Deutschen Einheit 2024 organisierte. Dort drohte Klar mit Blick auf die antifaschistischen Gegendemonstrant:innen, man wolle für nächstes Jahr „Monstertrucks bestellen und einfach drüberfahren über das Viehzeug”. Auch seine neonazistische Orientierung versteckt Klar nicht. Redebeiträge beendet er gerne mit den Worten „Alles für Deutschland”, einer Parole der SA. 

Patrouillen mit Baseballschläger

Im Oktober 2024 kündigt Klar an, „Sicherheitsspaziergänge” in Gera durchzuführen (das Akrützel berichtete in Ausgabe 442). Deren Charakter erinnerte stark an eine Bürgerwehr. Klar richtete eine Notrufnummer und einen Bereitschaftsdienst ein. Laut dem Neonazi würde dieser mit „Baseballschlägern” bewaffnet ausrücken, wenn sich Geraer Bürger:innen von migrantisierten Menschen bedroht fühlten. Über seinen ersten „Sicherheitsspaziergang” berichtet Klar: „Wir waren zweimal zehn Leute mit einem Hund, haben anderthalb Stunden in der Stadt verbracht und sind Patrouillen gelaufen”.

Seit seiner Flucht nach Spanien hatte Klar sich regelmäßig in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet. Im Mai veröffentlichte er auf Instagram einen offensichtlich KI-generierten Beitrag, der ihn zusammen mit zwei schwarzen Männern vor einem Haufen Bananen zeigt. Klar schreibt, er sei zurück in Botswana und mit „offenen Armen” empfangen worden. „Ich habe diese mega Bananen vermisst”, fügt er hinzu. Erfolgreich waren diese rassistischen Ablenkungsmanöver offensichtlich nicht. 

Dieser Text erschien in der Ausgabe 459, Juni 2026.


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