Med-Club sucht neue Generation

Die Klagen über fehlenden studentischen Raum sind groß, dennoch steht der Med-Club fünf Tage die Woche leer. Das muss aber nicht so sein, meinen die Betreiber.

von Tim Große

Pfeffi für 1 Euro: Johann (l.) und Marko vom Med-Club geben einen aus. Foto: Tim Große

Während sich im kleinen thüringischen Ilmenau gleich fünf Studierendenclubs um den Campus tummeln, befindet sich in einem Keller am Johannesplatz einer der letzten klassisch ehrenamtlich arbeitenden Clubs in Jena. 1972 als Mediziner-Stammtisch gegründet, sind die meisten Mitglieder heute zwar dem studentischen Milieu entwachsen, doch der Gedanke dahinter bleibt derselbe: ungezwungene Atmosphäre, günstige Preise und ein gewisser organisatorischer Dilettantismus. „Ich habe den Med-Club damals auf Facebook gesehen und dachte, es sei ein Job“, sagt Vorstandsmitglied Marko Drüge. Der 29-Jährige ist seit 2015 dabei und mittlerweile Physiklehrer in Eisenberg.

Ein richtiger Job ist es schon deshalb nicht, weil niemand bezahlt wird. Was den Club von anderen studentisch geprägten Lokalen wie dem Café Wagner und Rosenkeller unterscheidet, die teilweise über angestellte Barkräfte verfügen. Die Ehrenamtlichkeit ermögliche zum einen relativ günstige Preise (Den halben Liter Bier gibt es für drei Euro, Pfeffi für einen Euro.) und zum anderen eine große Freiheit in der Organisation von Veranstaltungen. Momentan öffnet der Med-Club dennoch meist nur am Freitag und Samstag. „Wir brauchen einfach Leute, die unter der Woche Lust auf Bardienst oder eine Veranstaltung haben“, sagt Drüge. Die fehlen momentan, da fast alle Vereinsmitglieder einem Job nachgehen.

Mit etwas zeitlichem Vorlauf sei es ohne Probleme möglich, im etwa 30 Gäste fassenden Raum kleine Konzerte, Lesungen oder Partys zu veranstalten. Für studentische Initiativen wird auf die Erhebung einer Raummiete verzichtet. Noch besser sei aber eine längerfristige Mitarbeit im Verein. Nach einer kurzen Zeit als Probeläufer erhält man dann auch einen eigenen Clubschlüssel und kann die Räume jederzeit nutzen. Die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf decken sämtliche Kosten des Vereins, von der Kellermiete bis zum Stromverbrauch. Das Studierendenwerk (STW) Thüringen, welches unter anderem die mietfreie Überlassung des Café Wagner ermöglicht, komme als Förderer kaum noch infrage. So wird die Kulturförderung seit 2022 in einem halbjährlichen projektgebundenen Wettbewerbssystem ausgeschüttet, bei dem ungewiss sei, ob Projekte überhaupt bewilligt werden.

Kulturförderung an den Studierenden vorbei?

Die Unabhängigkeit vom STW hat zum einen den Vorteil, dass die Räume von der öffentlich-rechtlichen Baupolitik verschont bleiben, die daraus zu bestehen scheint, alles auf einen sterilen Seminarraum-Standard zu sanieren. Auf der anderen Seite sei die Frage erlaubt, ob das Studierendenwerk hier Kulturförderung an den Interessen der studentischen Initiativen vorbei betreibe.

Auf Nachfrage teilt STW-Geschäftsführer Torsten Schubert mit, die Umstellung auf den Ausschreibungswettbewerb sei erfolgt, um die Kulturförderung transparenter und bekannter zu machen. Seitdem übernehme eine Jury aus Studierenden der acht Thüringer Hochschulen und STW-Mitarbeitern die Entscheidung über die Anträge. Bei der letzten Ausschüttung im Dezember wurden zwei Jenaer Projekte unterstützt: das 15. Jenaer Lyrikgespräch (300 Euro) und ein Aktzeichenzirkel (865 Euro).

Die Etablierung von Clubräumen wie in Ilmenau sei laut Schubert in Jenaer Wohnheimen kaum umsetzbar, da diese in Kontrast zu den Ruhezeiten und Auflagen zum Brand- und Lärmschutz stünden. Es gäbe in den Jenaer Anlagen zwar vier Gemeinschaftsräume und im Neubau an der Clara-Zetkin-Straße eine anmietbare Eventküche, die Neuetablierung von Clubräumen im eigentlichen Sinne, wie dem ehemaligen Quantenkeller im Wohnheim am Friesweg, sei aber heute nahezu undenkbar.

Auch um den Lichtblick am Jenaer Studentenclub-Himmel, Emils Ecke in Lobeda, machen die Lärmbeschwerden keinen Bogen. So sind die angeschlagenen Kernöffnungszeiten der Bar, freitags von 16 bis 22 Uhr, kein Ausdruck von pflichterfüllender Partyverweigerung, sondern an die Zeit angepasst, indem Bewohner des angrenzenden Studierendenwohnheims nicht über Lärm klagen können.

Dennoch sieht man in Emils Ecke, dass das Konzept Studierendenclub nach wie vor funktionieren kann. In der 2021 in der Lobedaer Emil-Wölk-Straße neu eröffneten Location tummelt sich eine Mischung aus Anwohnern, Nicht-Akademikern und internationalen Studierenden, wie sie nur selten zu finden ist. Und von den Kernöffnungszeiten sollte man sich nicht abschrecken lassen, bei guter Stimmung bleibt der Laden auch mal länger auf.

Ein ehrenamtlicher Club kann funktionieren, wenn Studierende auch während eines eng getakteten Bachelor-Studiengangs noch die Zeit finden, Räume mit Kultur zu füllen. Oder mit günstigem Bier. Im Med-Club ist noch Platz.


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