Gemeinsam fürs Klima

Die Jenaer Ortsgruppe der Initiative Students for Future hat es sich zum Ziel gesetzt, die Hochschulen klimafreundlicher zu machen. Wie will sie das schaffen und was können die Studierenden tun, um sie zu unterstützen?

von Lotta Sedlacek

Foto: Dominik Itzigehl

In den letzten Monaten haben sich in Deutschland immer mehr Menschen zusammengefunden, um Aufmerksamkeit auf die Klimakrise zu lenken und Menschen zum Handeln zu bewegen. Inspiriert von Fridays for Future, wurde unter anderem die bundesweite Studierendenbewegung Students for Future gegründet.
Etwa 120 ihrer Aktivistinnen und Aktivisten aus über 30 Hochschulen trafen sich im September zu einem „Klimaratschlag“ in Jena. Dabei wurde auch eine Jenaer Ortsgruppe gegründet, die sich offiziell Students+ for Future Jena nennt, um möglichst inklusiv zu sein und auch Nicht-Studierende einzuschließen. Beschlossen wurde beim Klimaratschlag die Ausrichtung einer bundesweiten Aktionswoche an Fachhochschulen und Universitäten. Diese Public Climate School soll vom 25. bis 29. November stattfinden und den Klimawandel und seine Konsequenzen sowie notwendige Schritte an den Hochschulen thematisieren.

Public Climate School

Die Public Climate School ist offen für alle, die teilnehmen wollen – auch außerhalb der Uni. Dabei wird es eine Mischung aus festgesetztem Programm und spontanen Aktionen geben. So sollen Menschen auch kurzfristig Veranstaltungen anbieten können; außer Lehrpersonen können dies auch Politgruppen oder Privatpersonen sein, damit das Thema aus möglichst vielen unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird.
Ein gemeinsamer Veranstaltungskalender für EAH und FSU ist im Internet zu finden. Viele Programmideen stehen schon: Es wird thematisch angepasste Diskussionen, Seminare, Vorlesungen und Aktionen geben, so zum Beispiel am Donnerstag einen Vortrag von Harald Lesch, der bundesweit übertragen wird. Auch möchte die Gruppe einen Programmpunkt anbieten, bei dem die Thematik der Nicht-Heterogenität der Bewegung angesprochen und eigene Schwachpunkte diskutiert werden können.
Die Idee ist, sowohl das Thema als auch die Kritik an die Uni zu holen. Die Freiwilligkeit der Teilnahme an den Aktionen steht für die Gruppe im Vordergrund. So sollte niemand
gezwungen werden, daran teilzunehmen, indem beispielsweise der komplette Lehrbetrieb durch Blockaden lahmgelegt wird. Dennoch sollen möglichst viele Menschen durch „Störungen“ aufmerksam gemacht und mit ins Boot geholt werden – auch Menschen, die der Klimadebatte kritisch gegenüberstehen.
„An die Studierenden wurde ein konkreter Aufruf zur Teilnahme an der Public Climate School formuliert. Den haben wir an die FSRe verschickt, damit diese sie an die Studierenden weiterleiten können“, erklärt Luise S. von der Jenaer Ortsgruppe. Die Gruppe hat außerdem einen Aufruf an die Lehrenden verfasst. Darin wird dazu aufgefordert, in regulären Veranstaltungen klimarelevante Themen zu besprechen, interdisziplinäre Veranstaltungen zu gestalten oder reguläre Vorlesungen, Seminare und Praktika freizugeben, damit die Studierenden zu den Veranstaltungen der Public Climate School gehen können. Vom Präsidium wurde dafür strukturelle Unterstützung zugesichert.
Bei Ideen für die Public Climate School bitte unter: publicclimateschool-jena@posteo.de melden.

Vollversammlung an der FSU

Einer der wichtigsten Programmpunkte der Klimaaktionswoche wird die studentische Vollversammlung an der FSU sein, die am Dienstag, dem 26.11., stattfindet und bei der über die Klimaschutzforderungen an die Universitätsleitung abgestimmt werden soll. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, eine Vollversammlung einzuberufen: Entweder der Stura beschließt die Einberufung selbst oder die Studierendenschaft muss beim Stura eine bestimmte Anzahl an Unterschriften einreichen – in Jena mussten es ca. 180 Unterschriften von Studierenden der FSU sein. „Offiziell ausgezählt wurden mehr als 400 Unterschriften“, erzählt Luise.
Am 4.11. fand zudem ein Vernetzungstreffen mit FSRen und Hochschulgruppen statt, bei dem die zuvor ausgearbeiteten Klimaschutzforderungen diskutiert wurden, über die in der Vollversammlung abgestimmt werden soll. Die Forderungen sind im Internet einsehbar und beinhalten unter anderem einen emissionsneutralen Universitätsbetrieb, Nachhaltigkeit in Bildung und Forschung und ein
ökologischeres Mensaangebot.
Damit die Beschlüsse der Vollversammlung bindend sind, müssen mindestens vier Prozent der Studierenden anwesend sein, das entspricht ca. 720 Personen. „Es sollen möglichst viele eingetragene Studierende der FSU – nicht der EAH – teilnehmen. Es gibt auch Kontrollen an den Eingängen“, meint Luise. Der Stura hat bereits die Hörsäle 1 bis 3 am Campus zugesichert, die zusammen 1400 Plätze bieten, und es ist eine Liveübertragung der Versammlung geplant. An der EAH hat bereits im Juni eine Vollversammlung stattgefunden, bei der eine Reihe von Klimaschutzforderungen aufgestellt wurde – unter anderem die Ausrufung des Klimanotstandes für Jena, die der Stadtrat schließlich am 4.9. beschlossen hat.
Bei Ideen bitte bis 19.11. unter: students4vollversammlung@mail.de melden.

Kommende Aktionen

Der nächste wichtige Schritt ist nun die Mobilisierung der Studierenden. Der Stura hat dafür Unterstützungsmaterial zugesichert; es wird Flyer, Plakate und Sticker geben. „Darüber hinaus werden die Forderungen an die Unileitung bald hochgeladen, sodass jede Person, ausgehend von einem QR-Code auf den Flyern, Zugang zu diesen haben wird und Veränderungsvorschläge einbringen kann“, erklärt Luise. Als zentrale Kanäle, über die alle wichtigen Infos gebündelt an die Öffentlichkeit gelangen, dienen Facebook, Instagram und Twitter. Zudem gibt es eine Telegram- und eine WhatsApp-Gruppe und einen E-Mail-Verteiler, wo man bei Interesse beitreten kann. Die wöchentlichen Treffen sind öffentlich.
Die Gruppe hofft, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Sie ruft auch dazu auf, am 29.11., dem Freitag der Klimaaktionswoche, am nächsten bundesweiten Klimastreik teilzunehmen, und auch am anschließenden Aktionswochenende von „Ende Gelände“ in der Lausitz. Damit die Bedeutung des Klimaschutzes immer mehr Menschen erreicht.

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