Lasst den Schülern die Proteste

Kaum hat die umweltpolitische Bühne mit der Schülerbewegung Fridays for Future einen neuen Mitspieler erhalten, werden die Rollen neu verteilt – ein Kommentar.

von Daniel Neumann

Studierende, lange Zeit als Stereotyp des streikenden Weltverbesserers gehandelt, sind nun in der misslichen Lage, dass sich der demonstrierende Schüler als vielfach medienwirksamer erweist. Heißt das, dass studentische Demonstranten ihre Transparente künftig im Schrank lassen können?
Die aktive Beteiligung an der Klimadebatte gilt derzeit als moralischer Imperativ. Nicht zu handeln steht folglich für niemanden zur Diskussion. Dennoch steht die Frage im Raum, ob die Kräfte der Studierenden nicht außerhalb der Demonstrationen wirkmächtiger zum Einsatz kommen könnten. Proteste der nur lose an Anwesenheitspflichten Gebundenen rufen schlicht nicht die gleiche Art von Empörung hervor wie die Schüler im Spagat zwischen getarntem Faulenzertum und echtem Revolutionismus, zwischen Schulpflicht und Streikrecht. Der Mehrwert studentischer Beteiligung auf den Straßen ist folglich vernachlässigbar klein. Darüber hinaus besteht die Gefahr, die weltrettenden Schulschwänzer aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Eine bessere PR für die Fragen der flächendeckend unbefriedigenden Umweltpolitik als diejenige einer reinen Schülerbewegung ist kaum denkbar.

Natürlich heißt das nicht, dass die früheren Aufrührer und Weltverbesserer hinter den Kulissen nicht dennoch gebraucht würden. Ihre Unterstützung war beim Entwurf der Forderungspapiere essentiell und es schließen sich weitere Aufgaben an, die der Beihilfe der Erwachsenen bedürfen: Es gilt, entsprechende Forschungen anzustoßen, Lobbyarbeit zu initiieren, Vereine und Gruppen zu mobilisieren und nicht zuletzt die jungen Rebellen vor der Übervorteilung durch die Politiker zu schützen.

Also, liebe Studierende, lasst den Schülern die Proteste, die reißen das schon! Widmet euch stattdessen lieber den Bereichen, in denen eure Hilfe wirklich etwas bringt.

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