Urban Action Heroes

Lobeda verändert sich im Zeitraffer an zehn verschiedenen Orten.

von Isabella Weigand

Überall wird gebaut | Foto: Dominik Itzigehl

475 Bewerber aus der ganzen Welt wollten nach Lobeda kommen, 120 haben es geschafft. In einer Zeltstadt auf einer Brachfläche nahe dem Kubus ist Platz für die Teams, die je aus zwölf Menschen von 17 bis 68 Jahren bestehen. Darunter sind neben Architekten auch Lehrer und Soziologen, zum ersten Mal seit Jahren ebenso viele Frauen wie Männer. Sie werden dort Anfang Mai ihre Feldbetten beziehen, die Nacht zum Tag machen, vielleicht am Ende die gesamten 72 Stunden lang kein Auge zugetan haben.

Mit schwieligen Händen und in ihren knallorangen Overalls werden sie am 5. Mai, wenn die Uhr abgelaufen ist, ihre Bauwerke, ihre Kunst an zehn verschiedenen Orten im Stadtteil präsentieren. Sie alle wollen den Wettbewerb gewinnen, der durch das Projekt 72 Hour Urban Action bereits in Stuttgart, Israel, Dänemark und Italien dem konventionellen Städtebau ein Schnippchen geschlagen hat.

Was bleibt?

„Zwei Jahre reichen die Planungen für diesen positiven Ausnahmezustand zurück“, erklärt der Oberbürgermeister Thomas Nitzsche. Wie lange werden die Kunstwerke im öffentlichen Raum stehen bleiben? Das läge in den Händen der zahlreichen Entscheider über die einzelnen Orte, meint der OB. Zunächst sind das neben einer fachlicheren Jury die Anwohner Lobedas, die über das beste Werk abstimmen und einen Preis vergeben können. Bis zum Ende der Sommerferien seien Führungen mit Schauspielern und ein wahrer Veranstaltungsreigen im Stadtteil geplant, bei welchem geschaut werden wird, ob die kreativen Lösungen genutzt werden, erklärt Jonas Zipf, Chef von Jenakultur.

Für diesen unbürokratischen Weg der Stadtentwicklung hätten sich Vereine, Schulen, die FSU und EAH, das Stadtteilbüro und Stadtplaner alle an einen Tisch gesetzt. „Daneben gab es noch eine Vielzahl an weiteren Unterstützern, die das Projekt vom Abwasserschlauch bis zur Lebensplanung vorangebracht haben“, sagt Elisabeth Wackernagel, Stadträtin und Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses.

Anwohner miteinbeziehen

Der Architekt Kerem Halbrecht und die Kuratorin Gilly Karjevsky riefen das Projekt ins Leben, um die nachbarschaftliche Teilhabe zu fördern. So bezogen sie die Bewohner von Lobeda von Anfang an mit ein. Zusammen mit Studierenden der Soziologie an der FSU und der Sozialen Arbeit an der EAH wurden Befragungen durchgeführt.

„Bei Studierenden ist es der finanzielle Aspekt, weshalb sie nach Lobeda ziehen. Die langjährigen Anwohner nehmen ihren Stadtteil dagegen anders wahr und wünschen sich mehr Kultur und Orte der Begegnung“, erklärt die Soziologie-Studierende Annika Schwerdt.

„Reversing the view“, darum ginge es, sagt Halbrecht. Denn warum wurde für dieses Projekt gerade Lobeda ausgewählt? Die Innen- und Außensicht unterscheide sich in dem Plattenbauviertel sehr deutlich, dagegen soll gemeinsam etwas getan werden: „Everybody can participate in developing public space“ in 72 Stunden und bis mindestens zum Ende der Sommerferien.

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