Friedrich tanzt, Campus rappenvoll

von Julian Hoffmann

Die Frieta war die mit Abstand größte Studentenparty, die es in Jena wohl je gegeben hat. In sozialen Netzwerken machten viele Gerüchte die Runde. Hier das wichtigste über die Wiwi-Party.

Typisch Studenten – die Woche gerade erst halb vorbei und erstmal Party. Typisch Wirtschaftswissenschaftler – größer, teurer, besser. Friedrich tanzt, so hieß die Party, und mit ihm tanzten knapp zweitausend Studenten. Obwohl alles typisch studentisch anmutet, war die „Frieta“ im vergangenen Monat, die wohl untypischste Studentenparty, die in Jena je veranstaltet worden ist. Zwei Dancefloors, zwei Bars, zwei Kinoräume, mehrere Filme und jede Menge Musik, buntes Licht und Spaß.

Die schiere Größe hätte einen erfahrenen Partygänger schon genug zum Staunen gebracht, wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass gerade diese Party mit ihrem Umfang erstmalig direkt im Campusgebäude stattfand. Beziehungsweise „stattfinden durfte“, wie der Vorsitzende des FSR Wirtschaftswissenschaften Florian Rappen es ausdrückt. Seit gut anderthalb Jahren wollte der FSR Wirtschaftswissenschaften eine Party im Campusgebäude veranstalten, zweimal wurde er von Seiten der Uni zurückgewiesen. Zuerst habe die Raumverwaltung ohne Begründung eine kategorische Ablehnung erteilt, bei einer erneuten Anfrage seien Mängel im Sicherheitskonzept festgestellt worden. Im Januar dieses Jahres drohte ein Party-Konzept, schon wieder abgelehnt zu werden. Grund dafür war, dass der FSR die Notbeleuchtung im Campusgebäude abstellen wollte, eine Vorrichtung, die dafür sorgt, dass einige Leuchtstoffröhren in den Lampen entlang der Decke zu jeder Uhrzeit leuchten, ohne ausgestellt werden zu können. Einer Party mit eigener Lichttechnik in dunkler Umgebung hätten diese Notleuchten gestört.

So stand die seit langem geplante Feier mal wieder vorm Aus. Doch dann der Durchbruch: Der Uni-Präsident Walter Rosenthal habe sich hinter das Vorhaben gestellt, zusammen mit dem Kanzler ein Schlichtungsgespräch zwischen den Konfliktparteien FSR Wirtschaftswissenschaften und Raumverwaltung in die Wege geleitet und eine Ansage Richtung Baudezernat und Raumverwaltung gemacht, die Notbeleuchtung umzubauen, erinnert sich Florian. Die Notleuchten wurden daraufhin so geändert, dass sie während der Party ausgemacht werden konnten und nur während eines Stromausfalls, wenn also die Scheinwerfer versagt hätten, automatisch wieder anspringen.

Endlich konnte der FSR so richtig mit der Planung loslegen. Es mussten Getränke her, Technik, DJs, Bauzäune, Sicherheitspersonal und vieles mehr. Die Kalkulation beinhalte 190 Punkte, sagt Florian. Mit 31.000 bis 33.000 Euro sei im Vorfeld insgesamt gerechnet worden, also eine Spanne, in der auch viele Kommentare auf Jodel immer wieder die Kosten bezifferten.

„Wir haben wochenlang zu dritt den ganzen Tag in einem Raum gesessen und die Veranstaltung organisiert“, erzählt Florian und meint damit das Organisatorenteam aus den beiden Mitstreiterinnen Vanessa Reinhardt und Sophia Bier, denen er spürbar dankbar ist. „Auf meine Leute kann ich mich immer hundertprozentig verlassen“ schwärmt der Vorsitzende des FSR, auch wenn trotzdem bei allen Beteiligten irgendwann „eine Art Lagerkollaps eingesetzt hat“.

Und schließlich nach vier Wochen intensiver Planungsphase war er da, der Abend. Genau 1980 Studenten tanzten sich im Erdgeschoss des Campusgebäudes die Seele aus dem Leib, sangen im Hörsaal die Songs zu High School Musical mit – oder standen stundenlang Schlange an der Bar. „Natürlich hat nicht alles geklappt“, gesteht Florian ein, „und das will ich auch gar nicht schönreden“. Dazu gehörten etwa die langen Wartezeiten an der Bar von teils einer halben Stunde, nur um Pfand abzugeben, oder dass einige Getränke warm waren. Das seien Punkte, die man für das nächste Mal verbessern wolle.

Nur ein Stempelsystem werde es auch in Zukunft nicht geben. Denn wenn jeder die Party verlassen könne, um später wieder Zutritt zu erlangen, könnten die Schallschutzbedingungen rund um den Campus nicht mehr eingehalten werden, erklärt Florian. Solche Zukunftspläne sind zweifelsfrei auch als eine Ankündigung zu verstehen, solch eine Party nochmal stattfinden lassen zu wollen.

Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten war die Atmosphäre am Abend jedoch heiter, die meisten dürften den Kauf ihrer Karte nicht bereut haben. Ein dazu ambivalentes Bild geben Kommentare auf Jodel. Wahlkampf soll die Party etwa gewesen sein.

Dieser Vorwurf stimmt. FSR-Partys werden gerade in Wahlkampfzeiten gerne veranstaltet. Fachschaftsräte steigern somit die Chancen ihrer Wiederwahl und Kandidaten für den Stura können auf diesem Weg ebenfalls recht einfach Erfolge vorweisen. Davon ist auch die Fachschaft Wirtschaftswissenschaften nicht ausgenommen.

Ein anderer Kritikpunkt bezog sich auf die Finanzen. Zwar hat die Party, weil zu wenig Bier getrunken worden sei, am Ende doch nur 25.000 Euro aufs Papier gebracht, die Frage ob es gerechtfertigt sei, dafür Semesterbeiträge von Studenten auszugeben, steht jedoch nach wie vor in Diskussion. Florian kann diese „Scheindiskussion nicht verstehen. Es sind knapp zweitausend Studenten gekommen, also müssen wir anscheinend einen Nerv damit getroffen haben“.

Außerdem wird das Geld, das den studentischen Gremien über die Semesterbeiträge zur Verfügung steht, nur benutzt, um in Vorkasse zu gehen. Letztendlich werden Partys aber über die Eintrittskarten und den Getränkeverkauf finanziert. Nur Minusgeschäfte müssen über Studentenbeiträge ausgeglichen werden. Florian rechnet mit einer Nullbilanz, das Kleingeld muss aber noch ausgezählt werden. Daher könnten im schlimmsten Fall bis zu 800 Euro Verluste eingefahren worden sein, schätzt er. Das wäre dann etwa so viel, wie andere FSR-Partys auch bilanzieren.

Allerdings ist Florian nicht gerade für finanzielle Transparenz bekannt. Von vielen Seiten gab es immer wieder das Gerücht, dass die Party 10.000 Euro Verlust eingefahren habe. Das konnte aber in der Recherche für diesen Artikel nicht bestätigt werden.

Abschließend witzelt Florian, dass immerhin dieses Mal die Party bei der Gema angemeldet worden sei und daher keine Klagen und Nachzahlungen zu erwarten seien. Damit spielt er selbstironisch auf vergangene Wiwi-Partys an, bei denen das versäumt wurde.

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