Mitarbeiterin des Monats

Beatles-Fan, Dichterin, Skifahrerin und sympathische Cafeteria-Dame: Angela Scholz erheitert jeden Tag aufs Neue geräderte Studenten mit Ihrer warmherzigen Art. Sie ist unsere Mitarbeiterin des Monats!

Von Paul Schäfer

Wir leben in einer postfaktischen Zeit, einem Zeitalter des Umbruchs, des Wandels und der Ungewissheit. Viele Studenten wissen nicht, was sie mit ihrem gesellschaftswissenschaftlichen Studium anfangen sollen, ob sie noch einen Master hinten dran hängen müssen und ob es in die ThULB auch noch nach den Umbauarbeiten reinregnen wird. In heiklen Epochen wie dieser sehnen sich die Millennials nach erbauenden Konstanten, die dir einen warmen Kaffee verkaufen und mit einem flotten Spruch den Ärger deiner desolaten Hausarbeit weglächeln. Wir haben eine Frau getroffen, die über diese Gabe verfügt und jedem ThULB-Besucher auffällt: Angela Scholz.

Top 3 der flotten Sprüche von Frau Scholz:
1. Eine Brezel, einmal Student, einmal 50 Cent!
2. Ich hab die Nase full, ich nehm mir’n Red Bull!
3. Wer nicht einmal hat am Tag gelacht, der hat den Tag zur Nacht gemacht!

 

Die 54-jährige gelernte Friseurin arbeitet seit 18 Jahren für das Jenaer Studierendenwerk und tut dies für ihr Leben gern: „Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß, weil ich viel mit jungen Leuten zu tun habe. Es ist schön, mitzuerleben, wie sich einige Studierende selbst nach ihrem Abschluss noch persönlich bei mir verabschieden. Da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat.“ Frau Scholz wirkt entspannt und aufgeschlossen, als wir miteinander reden. Fast schon mütterlich entfernt sie mir eine Fussel aus dem Bart, als ich sie fragte, welche Musik sie gern hört. „Ich bin ein großer Fan der Beatles. Aber eigentlich bin ich eher eine Leseratte und dichte für mein Leben gern.“ Dass sie gern dichtet, können Besucher der Cafeteria täglich miterleben.

Ihre langjährige Berufstätigkeit mit jungen Menschen ermöglicht ihr einen differenzierten Blick auf die Studentenschaft, welche sich Ihrer Meinung nach über die Jahre positiv entwickelt hat. „Die Studenten sind sehr zuvorkommend und wissen, was sie wollen. Sie sind selbstständiger und selbstbewusster gegenüber früher und machen sich viele Gedanken, was sie später machen werden.“
Sie macht einen fröhlichen, fast schon jugendlichen Eindruck. Wie schafft man es, jeden Tag so gut drauf zu sein, gestressten Studierenden mit einem Lachen am frühen Morgen zu begegnen, jeden Tag den Schalter umzulegen? „Einmal aufgestanden, dann hat der Tag eh angefangen!“ meint sie dazu trocken. Fünf verschiedene Wecker, die jeden Morgen abwechselnd klingeln kennt sie nicht – Vorbild für jeden Studenten.

Die erste Handlung die sie jeden Tag macht, wenn sie nach der Arbeit nach Hause kommt, ist Zeitunglesen. Neben der OTZ liest sie auch sehr gern das Akrützel: „Viele Beiträge sind gut, manche Beiträge sind nicht so gut. Es hilft mir dabei, den Anschluss an jugendliche Themen rund um die Universität nicht zu verlieren.“ Wenn sie heutzutage noch einmal die Möglichkeit hätte, studieren zu können, würde sie sich für Deutsch und Geschichte entscheiden.

Sidefact:
Top 3 der am häufigsten gekauften Artikel in der ThULB-Cafeteria
1. Gute-Laune-Riegel
2. Club Mate
3. Salat

 

Ihre Ferien verbringt sie gerne bei Freunden in Österreich, wo sie sich mit ihrer und anderen Familien in großer Runde zusammentut. Zur Weihnachtszeit freut sie sich dieses Jahr darauf, mit ihrem Mann, ihrem Sohn und dessen langjähriger Freundin ein schönes Fest sowie einen guten Jahreswechsel zu feiern. Doch ebenso freut sie sich, täglich auf Arbeit zu gehen und ihre Kolleginnen zu sehen: „Die hätten das ebenso verdient gehabt, dass man ein Portrait über sie schreibt.“ stapelt Angela Scholz tief.

Understatement, Empathie und Fröhlichkeit sind nur drei soziale Kompetenzen, die man von der sympathischen Cafeteria-Dame lernen kann. Auch zum Thema Smartphone-Nutzung hat sie eine sehr gefestigte Meinung: „Wenn meine Kinder zum Mittagessen kommen, haben sie Handyverbot. Heutzutage sitzt die Jugend nur am Tisch und spielt auf den Geräten herum, da kommt doch kein Gespräch mehr zustande. Die Leute reden viel zu wenig miteinander und können sich ja gar nicht mehr in die Augen schauen.“ Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg, das betont sie im Laufe des Gesprächs häufig.

Als ich am Ende des Gesprächs aufstehen möchte, um ihre Hand zu schütteln, meint sie: „Ach, da brauchen sie nicht extra aufstehen!“ Wie gesagt: Understatement hat die Frau ja.

 

Foto: Paul Schäfer

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