Seit Wochen häufen sich die Berichte über Horror-Clowns: Täter in grotesker Clownsmaskerade, die Fußgänger nicht nur erschrecken, sondern auch angreifen. Zur Problematik.

Von Paul Schäfer

Die Grusel- oder Killer-Clowns werden vom Dachverband der Clowns in Medizin und Pflege in Deutschland als „wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen nur auf diese armselige Art ausleben wollen“ eingestuft und als gefährlich bewertet. Sie sind weder lustig noch komisch, sondern ein abstruser Abklatsch gut gelaunter Stimmungskanonen. Im Gegensatz zu Kindergeburtstags- oder Klinik-Clowns schenken sie keine bunten und fröhlichen Momente, sondern verbreiten Angst und Schrecken durch ihre bizarren Fratzen und ihr hysterisches Auftreten. 2014 erschien das Youtube-Video Killer Clown Scare Prank!, welches als erstes seiner Art in die bittere Geschichte der Prank-Videos eingehen sollte. In dem dreiminütigen Clip erschrickt ein Killer-Clown Passanten, indem er einen am Boden liegenden Menschen „tötet“ oder mit einem großen Holzhammer auf unschuldige Fußgänger losgeht. Innerhalb von nur zwei Wochen konnte das Video 13 Millionen Aufrufe verzeichnen. Seitdem hat dieser Hype etliche Nachahmer gefunden, die in weiteren Youtube-Compilations ihre Follower erheitern wollen.

Doch warum Clowns? Warum keine Osterhasen, Power Rangers oder Teletubbies? Es scheint ein kulturelles Problem zu sein: Keine andere Gattung infantiler Unterhaltungskünstler wurde in Buch, Film und Fernsehen derart oft als böse und dunkel dargestellt wie der Clown. Schon in den 1940er Jahren wurde der Joker – der Widersacher Batmans – als clownähnliches Wesen purer Boshaftigkeit in die Comicwelt und damit in die Köpfe von Kindern und Jugendlichen eingebrannt. In zahlreichen Filmen wie Killer Clowns from Outter Space (1988) oder Clownhouse (1989) wurde die Rolle des furchterregenden Spaßmachers fortgeführt. Der Clown Pennywise aus dem Film Es (1990) aus der gleichnamigen Buchvorlage von Stephen King geht schlussendlich als Endgegner-Clown und Supercreep in die Annalen bizarrer Clowns ein. Der real existierende amerikanische Serienkiller John Wayne Gacy, besser bekannt als Pogo der Clown, tötete in einem selbstgenähten Clownskostüm mindestens 33 Jungen und schürte durch seine dauerhafte Medienpräsenz in den 1970er Jahren damals weitere Ängste gegenüber Clowns.

Für die krankhafte Angst vor Clowns gibt es sogar einen medizinischen Fachbegriff: Coulrophobie. Diese Angst lässt sich verstärkt bei Kindern feststellen und konnte erstmals in den späten 1980er Jahren nachgewiesen werden, als Forscher der englischen University of Sheffield große Bilder von Clowns an die weißen Wände von Krankenhäusern hängten und die Reaktionen der Kinder beobachteten. Keines der Kinder fand die Bilder lustig, einige fürchteten sich oder fühlten sich unbehaglich. Bei Erwachsenen begründete sich die Angst im geschminkten Gesicht der Clowns, dem Kostüm und dem freundlichen Erscheinungsbild, das das Erkennen tatsächlicher Emotionen erschwert.

Das Phänomen der Beklemmung gegenüber Clowns zieht sich bis in die heutige Zeit und der Hype der Horror-Clowns kann „richtigen“ Clowns mittel- bis langfristig die Ausübung ihres Berufs erschweren. „Große Feiglinge sind das“, kommentiert Dorothea Kromphardt, die seit über 15 Jahren als Klinikclown Knuddel in der Kinderklinik der FSU Jena arbeitet. „Sie missbrauchen die liebevolle Figur des Clowns für ihre Zwecke, um andere Menschen zu erschrecken. Das ist ein Verbrechen. Sie schaden unserem Berufsbild immens und das, um sich gegenüber anderen größer zu fühlen.“ Der Ur-Clown sei ein freiheitsliebender und gewaltfrei agierender, kindlicher Geselle. Er sei ein Künstler im Scheitern und damit ein Vorbild für uns. Er verhalte sich so, dass wir uns vor Missglücken nicht fürchten müssen. Die Horrorclowns hingegen seien einfach nur boshaft.

Noch ist nicht abzusehen, inwiefern die Killer-Clowns das Berufsbild des Clowns nachhaltig schädigen können. Sollte sich der Trend in den nächsten Jahren allerdings fortsetzen, werden es Berufsclowns nicht leicht haben, ihren gelebten Schlamassel über die angeheizten Ängste gegenüber ihren Nachahmern etablieren zu können.

Das Bundesland mit der höchsten Horror-Clown-Dichte ist Nordrhein-Westfalen. Dort gab es allein im Oktober knapp 400 gemeldete Horror-Clown Attacken. In Thüringen waren es nach Angaben der Landespolizei

direktion lediglich vier Vorfälle in den letzten Wochen, davon zwei in Jena. Hier wurden allerdings weder Schäden noch Verletzungen gemeldet. Die Polizei rät dazu, Horror-Clowns aus dem Weg zu gehen, Falschmeldungen in sozialen Medien zu vermeiden und Selbstjustiz zu unterlassen. Nach der Halloween-Nacht ebbten die gemeldeten Vorfälle deutschlandweit rapide ab. Ob die Horror-Clowns nun in der Versenkung verschwinden, wird sich zeigen. Wenn allerdings Donald Trump am 20. Januar 2017 in den Vereinigten Staaten von Amerika verei
digt wird, ist die mediale Omnipräsenz eines solchen schaurigen Hanswurst wieder da.

Foto: Facebook, The Simpsons