Fotoausstellung zeigte „Bewegung von Ost nach OstWest“

Von Isabella Weigand

DDR-Wirklichkeit, wie sie der Rest der Welt nicht kannte. Foto: Harald Hauswald

„Blumen waren immer ausverkauft. Obst war immer ausverkauft. Wir waren recht arm“, bemerkt die achtzigjährige Rentnerin, als sie am Nachmittag bei einem Bummel durch die Goethe-Galerie die ausgestellten Fotografien von Harald Hauswald betrachtet. Wie Helga Hempel blieben noch viele weitere Menschen zwischen dem 8. und 20. Juni vor den Bildern der Ausstellung „Bewegung von Ost nach OstWest“ für einen kurzen Moment stehen und erinnerten sich an den ungewöhnlichen Alltag in der DDR. Die jüngeren Generationen erlebten mit diesen Schwarz-Weiß-Fotos indes einen ganz neuen Eindruck von „Omas Zeiten“: Eine wildtanzende Meute – die Männer vereinzelt mit Irokesenfrisur, knallengen Jeans und Lederjacke ausgestattet – auf einem Punkkonzert in einem Berliner Hinterhof ist wohl sonst nur aus der BRD bekannt.
Harald Hauswalds Fotosammlung umfasst vier Jahrzehnte und schafft durch die Gegenüberstellung die Möglichkeit, damals und heute zu vergleichen. Hauswald erklärt: „Ich wollte die Wirklichkeit zeigen, so wie sie der Rest der Welt nicht kann-
te“. Dazu gehört neben maroden, leerstehenden Wohnkomplexen und der immer präsenten Staatsideologie trotzdem auch eine unabhängige und farbenfrohe Jugendkultur. Mit einem kritischen Auge hielt der Fotograf den alltäglichen Rhythmus von Ostberlin in Schnappschüssen fest und schuf damit instinktiv ein Zeitportrait, das auch die heutige Jugend erreichen dürfte. „Es ist mir wichtig mit meinen Bildern Geschichten zu erzählen“, so Hauswald.
Dafür musste der gebürtige Radebeuler ein für ihn hartes Los in Kauf nehmen: Das Ausreisen aus der DDR war ihm aufgrund der Veröffentlichungen seiner Fotos in „Westmedien“ wie der ARD, nicht gestattet. 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für das soziale Engagement seines fotografischen Werkes. Auch den Bildungsstreik der Studenten in Jena findet Hauswald gut: „Jeder sollte auf die Straße gehen, das wurde in der DDR lange Zeit versäumt“.
Den Mitorganisator der Ausstellung und Schriftsteller Lutz Rathenow lernte er 1978 bei einer geheimen Wohnungslesung in Berlin kennen und schätzen. Gemeinsam stellten sie bereits einige wichtige Bücher über das Leben in der DDR zusammen.