Die Gewalt in dir

Theater Zink probt sein neues Stück „Bevor es still wird“

von Theresa Angelis

Können manchmal ganz schön anstrengend sein. Die Proben bei Theater Zink.
FOTO:Felix Reinhardt

Aaaarh, Urrrrhhh, Aaaargh, pressen pressen pressen. An diesem Donnerstag im Oktober verwandelt sich der Seminarraum 10 der Arbeiter- und Bauernfakultät in einen Kreißsaal. Das Schreien des Neugeborenen hallt durch die Gänge, die junge Mutter ist schweißgebadet. Aber nicht in Wirklichkeit, denn hier wärmt sich gerade das Theater Zink auf. Die Schauspieler üben ihr neues Stück „Bevor es still wird“, das am 30. Oktober Premiere hat.

Darin wagen sie einen Blick hinter die Fassaden der Menschen und knüpfen deren Einzelschicksale aneinander. Ein Junge wird von einem Polizisten fast impotent geschlagen, wird später aber selbst aggressiv und bringt seinen besten Freund um, weil dieser eine Affäre mit seiner Frau beginnt. Zwei Brüder ermorden ihren Vater und fliehen, bis einer von beiden sein Leben lässt. Ein junges Mädchen wird von ihrem Freund erstochen. So erlebt jede Person ihre eigene „Geschichte der Gewalt“, sagt Regisseurin Angela Mund. Ziel der Theatergruppe ist es dabei, den Zuschauer zum Perspektivwechsel zu ermuntern, die Gewalt der Protagonisten verständlich zu machen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, weil jeder einmal Täter sein kann. Für die intensive Auseinandersetzung mit den Charakteren des Stücks hat jeder der Darsteller zu seiner Figur die Biographie geschrieben. Das verleiht ihr mehr Authentizität.

Theater heißt
Schmerzen zu ertragen

Die Theatergruppe hat sich vor acht Jahren gegründet und ist damit die älteste unabhängige studentische Theatergruppe Jenas. Seit zwei Jahren führt Angela Mund Regie bei Zink. Sie ist offen und witzig, hat kurze rote Haare und eine weite Stoffhose an, ganz so wie man sich eine Theaterfrau vorstellt. Bei Zink muss sie nicht nur inszenieren, sondern auch organisieren. „Wenn ich die anderen ermahnen muss, pünktlich zu den Proben zu erscheinen, konzentriert zu arbeiten und die Texte zu lernen, fühle ich mich manchmal wie ein Diktator.“ Natürlich ist sie das nicht, aber dennoch sagt sie Sätze wie „Theater heißt Schmerzen ertragen“. Und so leitet sie auch die Proben und lässt ihre Schauspieler auf und nieder springen, über den Boden räkeln und die Gesichter verzerren.
So zusammengewürfelt die 15 Mitglieder sind, so vielfältig sind ihre Beweggründe Theater zu spielen. Für manche ist es das Bühnenerlebnis, der Stolz, gemeinsam ein Stück auf die Beine zu stellen, Szenen und Dialoge zu entwickeln. Anderen gefällt es, wesensfremde Charakterzüge zu spielen und in ihnen unähnliche Figuren zu schlüpfen. Auf der Bühne steht nicht mehr die eigene Persönlichkeit im Mittelpunkt, man verlässt seine eigene Identität und lernt sich dadurch besser kennen.


„Bevor es still wird“ wird am 30. Oktober um 19.30 Uhr in der Philomensa gezeigt. Weitere Aufführungen finden am 1., 6., und 7. November statt.

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