Eine Erkenntnis der Semesterferien: Selbst in der fränkischen Provinz muten Plakate nunmehr sonderbar professionell an und das soll heißen Canva-esque. Denn dank dieser und vergleichbaren Anwendungen wird eine immer breitere Personenzahl befähigt, in nur wenigen Minuten ein grundsolides Plakat zu erstellen und so eine unspezifische Öffentlichkeit über was auch immer in Kenntnis zu setzen.
Jedoch enthält ein Plakat neben der inhaltistischen immer auch eine ästhetische Botschaft. Es vermittelt, verquickt mit antizipierten Gewünschtheitsvorstellungen, was für schön bzw. adäquat befunden wird (eingeschränkt von der Fertigkeit, diese normativen Imaginationen aufs Papier zu bringen). Gewiss ermöglichen Helfer-Apps und ‘KI’ solche vermeintlich rein handwerklichen Limitationen der eigenen Kreativität zu überwinden und demokratisieren so die effiziente Transmission von Informationen und Ästhetischem. Doch ist es nicht exakt das zeitaufwendige Ringen mit den eigenen begrenzten Fertigkeiten und ästhetischen Idealen, das die ungemeine Diversität anzutreffender Plakatästhetiken überhaupt erst möglich macht? Natürlich gelingt nicht jedes Plakat; nichtsdestotrotz entfacht die Aura auch dieser Kunstwerke einen Bann, und soll das auch in Zukunft tun: Ob in Stadt oder Provinz bewahrt dem armen Flaneur seine Galerie und euch euren ästhetischen Esprit!
von Lukas Baderschneider, Ausgabe 461.
