Massiv passiv

Obwohl ich schon seit dem Kindergarten weiß, wie man sich die Schuhe bindet, stolpere ich in letzter Zeit des Öfteren. Ich strauchele über ein ZDF-Format, das die Frage für diskutierenswert hält, ob es denn inzwischen „zu viel Regenbogen“ sei. Ich falle über eine Spiegel-Kolumne, die Proteste gegen eine rechtsextreme Partei als demokratieschädigend bezeichnet. Ich stoße mich an Talkshows, in denen Frauen mit Expertise gegen Männer mit Meinungen diskutieren müssen. Im Namen der Ausgewogenheit finden auffallend oft rechte Themen und Gäste Platz in der Berichterstattung.

Natürlich sollten Journalist:innen nicht immer über das schreiben, was sie selbst interessant finden. Aber ein Journalismus, der einfach abbildet, was andere als wichtig bezeichnen, ist nicht nur unkritisch, sondern auch noch einfallslos. Ganz zu schweigen von gefährlich, da sich diese Anderen allzu oft als rechter Rand entpuppen. Diesem so die Arbeit abzunehmen, seine Begriffe und Narrative gesellschaftlich zu etablieren, ist, als würde man ihm Laufschuhe anlegen, wenn man ihm die Schnürsenkel zusammenknoten müsste. 

von Anna Ittner, Ausgabe 461


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