Bleibt lieber weg von Männern

Gestern, heute und künftig scheint es für Frauen ein durchaus sinnvoller Entschluss
zu sein, ohne Mann als Partner zu bleiben. Die Fälle von Vergewaltigung und
sexueller Nötigung sind laut Kriminalstatistik um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr
gestiegen. In einem ZDF-Interview wurde der Kriminalbeamte Dirk Peglow von
Moderatorin Dunja Hayali gefragt, welchen Rat er Frauen angesichts der mal wieder
gestiegenen Zahlen von Gewalt gegen Frauen geben würde. Er antwortet: „Wenn
man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann
eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von psychischer oder physischer
Gewalt zu werden“.

Der Ausschnitt des Interviews hat mittlerweile bei Instagram über sechs Millionen
Aufrufe. Warum reagieren Frauen in den Kommentaren mit: „Peglow hat gebrüllt wie
eine Löwin“ und jubeln ihm zu?
Die Aussage Peglows wirkt ungewöhnlich offen und ehrlich. Sie stellt vielleicht eine
der klarsten dar, die Frauen im Zusammenhang mit diesem Thema je von offizieller,
männlicher Seite, gehört haben. Frauen erleben oft, dass ihre eigenen Erfahrungen
infrage gestellt, verharmlost oder als Einzelfälle deklariert werden. Eine
faktenbasierte, öffentliche Benennung der Realität durch einen Mann, liefert kurz
Hoffnung, dass Männer sie irgendwann begreifen, darf jedoch nicht als Erfolg
gefeiert und mit anschließender Genugtuung belohnt werden. Stattdessen
korrumpiert nämlich ein Großteil von Männern den Beitrag und viele prangern in den
Kommentaren den wachsenden Hass ihrem Geschlecht gegenüber an und äußern
Gewaltfantasien zu Hayali und Peglow und sind damit bereits Teil des Problems.

von Karolin Wittschirk
erschienen in der Ausgabe 457


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