Gegen Gewalt an Frauen

Kundgebung gegen Gewalt und Femizide – An den Feiertagen über Weihnachten steigen die Fallzahlen.

Text von Ida Müermann

“Weiblich sozialisierte Menschen leiden in unterschiedlichsten Formen durch patriarchale Unterdrückung.” sagt Alessandra. Sie ist Mitglied des Netzwerk gegen Feminizide Thüringen, das die Demonstration zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen in Jena organisiert hat. 

Das Programm der Kundgebung umfasste Redebeiträge und künstlerische Elemente wie die Performance „Un violador en mi camino“, gesungene Beiträge und einen Poetry-Text. Ein zentraler Bestandteil war das Anzünden von Kerzen zum Gedenken an Frauen und TINA*-Personen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt wurden. Damit sollte ein sichtbares Zeichen der Erinnerung gesetzt werden. Gleichzeitig wollten die Organisator:innen den Abend nicht ausschließlich dem Gedenken widmen, sondern auch Perspektiven auf Handlungsmöglichkeiten und Widerstand gegen Gewalt sichtbar machen. 

„Mir persönlich ist die starke Verbundenheit der Teilnehmenden im Gedächtnis geblieben“, sagt Alessandra. „Wir haben dieses sowie letztes Jahr eine gute Resonanz bekommen.“ Im Vergleich zum Vorjahr fehle allerdings ein separater Raum für intensivere Gespräche. Dennoch zeigten die Besucher:innenzahlen und die Beteiligung unterschiedlicher Gruppen, dass das Thema in Jena auf große Aufmerksamkeit stößt.

“Wir haben den Holzmarkt als Widerstandsplatz eingenommen.” 

Ein zentrales Anliegen ist die Umbenennung des Holzmarktes zum Platz der Mutigen, der zum Symbol im Kampf gegen geschlechtsspezifische Ungleichheit werden soll, teilt Netzwerkmitglied Ela mit. Zudem wurde unter anderem die vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention, ein völkerrechtlicher Vertrag des Europarats zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt, gefordert. Lokale Anliegen waren die ausreichende Finanzierung bereits beschlossener Maßnahmen, verbesserter Schutz für Betroffene sowie ein diskriminierungsfreier Zugang zu Schutz und Beratung für Frauen und TINA*-Personen. An der Vorbereitung und Durchführung der Proteste gegen Gewalt an Frauen und Femizide waren zahlreiche lokale Gruppen beteiligt, darunter der feministische Chor Chor:age, das Frauenzentrum Towanda, die Transsolivernetzung und weitere Initiativen. Der Schwerpunkt der Gruppen liegt auf feministischen Themen und der direkten Arbeit mit den Betroffenen. 

Gewalt an Weihnachten

Auch wenn der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen jetzt schon einige Wochen zurückliegt, ist die Dringlichkeit des Themas hoch. Rund um Weihnachten und die Feiertage verzeichnen Beratungsstellen und Schutzeinrichtungen regelmäßig einen Anstieg häuslicher Gewalt. Gründe dafür liegen häufig in zusätzlichem Stress, finanziellen Belastungen und engerem Zusammenleben in dieser Zeit, wodurch bestehende Konflikte schneller eskalieren können. Viele Betroffene zögern zudem, während der Feiertage Hilfe zu suchen, was die Lage verschärft. Einrichtungen wie das Frauenhaus und lokale Unterstützungsstellen berichten über eine erhöhte Nachfrage nach Beratung und Schutzplätzen nach den Feiertagen.

Hier in Jena ist das Frauenzentrum TOWANDA seit 1990 ein zentraler Anlaufpunkt für Frauen und TINA*-Personen in Jena. Das Zentrum bietet vielfältige Begegnungsräume und Unterstützungsangebote: Beratungen zu Belastungssituationen, Selbsthilfegruppen, Lern- und Alltagsbegleitung und Kinderbetreuung. Projektgruppen wie das Frauen-Café, die „Oase der Ruhe“ oder der queerfeministische Gesprächsabend schaffen kontinuierliche Strukturen, in denen sich Frauen gegenseitig stärken und vernetzen können. TOWANDA versteht seine Arbeit feministisch und verfolgt das Ziel, ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben für Frauen und TINA* Personen zu fördern. Das Frauenzentrum ist unter 03641 443968 zu erreichen. Akut Betroffene können sich unter 116 016 an das Hilfetelefon für Gewalt gegen Frauen wenden.

Dieser Text erschien in der Ausgabe Nr. 454, Dezember 2025


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