Die Horda Azzuro, die größte Fangruppe des FCC, wird 25 Jahre alt. Zum Jubiläum gibt es eine Ausstellung, die auf ein Vierteljahrhundert Fankultur zurückblickt.
Text und Bilder von Dario Holz
Dort, wo einst ein Möbelladen und eine gescheiterte Diskothek ihr Domizil hatten, findet man heute eine Zeitreise durch die Geschichte von Zaunfahnen, Spruchbändern, Choreos, Graffitis, Feinden und Freunden. Auf 800 Quadratmetern haben die Mitglieder der Horda Azzuro alles ausgestellt, was sich in den Tiefen der eigenen Kellerräume über 25 Jahre angesammelt hat: Stadionhefte, Choreo-Skizzen, eigene und fremde Klamotten, sowie längst vergessene Geschichten.
Die Ausstellung gibt Einblicke in eine Subkultur, die man oft nur von außen beobachtet. Sie erzählt von den Anfängen, von Problemen mit der Polizei und anderen Fangruppen, von Idealen und Überzeugungen. Die Mitglieder der Horda, die die Ausstellung in zwei Monaten ehrenamtlicher Arbeit aufgebaut haben, wollen zeigen, wer sie eigentlich sind, wofür sie kämpfen – im und außerhalb des Stadions. Oft geht es dabei gar nicht um den Sport, sondern um größere Themen: Die Verdrängung von Subkultur in Jena; den Ausbau des polizeilichen Gewaltmonopols in Deutschland; Krieg und Flucht in der Welt; um Tod und Verlust.
Aber keine Sorge, das Ganze ist kein politischer Lehrvortrag. Zwischen den unterhaltsamen, aber ausführlichen Texten gibt es auch viel fürs Auge: Hunderte Fotos von eindrucksvollen Choreographien, kleine Filme, Banner, einen großen Bereich mit Graffitis. Wie facettenreich diese Subkultur ist, wird hier eindrucksvoll deutlich.
Das erkennt man auch an den Besuchenden: Kinder im FCC-Trikot laufen staunend durch die Gänge, ein älterer Herr steht misstrauisch vor einem polizeikritischen Spruchband. Auch Fangruppen anderer Vereine seien schon vorbeigekommen, um sich das erste Ultra-Museum in Deutschland anzusehen. Über 1.000 Besuchende taten es ihnen gleich.
Möglichst alle anzusprechen, das war das Ziel der Ausstellung – egal, ob sie selbst in der Südkurve stehen oder die Horda Azzuro kritisch sehen. Die Horda möchte sich hier auch denjenigen erklären, die sonst wenig von ihr halten und Einblicke geben, die vielen verwehrt bleiben würden. Das ist nicht nur für Fußballfans interessant, Jenas größte Subkultur ist ein Thema für die ganze Stadt.


