Der FC Carl Zeiss Jena kämpft am letzten Spieltag um die Meisterschaft – ausgerechnet im Derby gegen Erfurt. Am Ende reicht der Sieg trotzdem nicht.
Text und Bild von Dario Holz
Es hätte eine dieser Geschichten werden können, die man seinen Enkeln noch erzählt. Der FCC wird am letzten Spieltag Meister der Regionalliga und feiert sein Comeback im Profifußball. Und das ausgerechnet mit einem Sieg im Derby gegen den Erzrivalen aus Erfurt. Doch es sollte anders kommen: Statt großer Extasen gab es nach dem Spiel vor allem Bedrückung – und das, obwohl der FCC am vergangenen Spieltag als Sieger vom Platz ging.
Das Derby stand schon vorher unter keinem guten Stern: Benjamin Koppe, Dezernent für Sicherheit der Stadt Jena, verkündete schon Wochen vor dem Spiel, man werde aufgrund von Sicherheitsbedenken nur halb so viele Gästefans ins Stadion lassen, wie ursprünglich angedacht. Das sorgte in beiden Fanlagern für viel Kritik, die Vereine gingen auch mit der Stadt ins Gespräch, um ein höheres Gästekontingent zu verhandeln, blieben aber erfolglos. Aus Protest beschlossen die Erfurter dann, dem Derby vollständig fernzubleiben. Der Gästeblock blieb also, abseits eines großen Mittelfinger-Banners, leer.
Die fehlenden Fans sollten der Stimmung im Stadion aber keinen Abbruch tun: Jena schoss in der ersten Halbzeit zwei Tore, die Laune war bestens. Das lag auch daran, dass Lok Leipzig im Parallelspiel gegen Magdeburg in Rückstand geriet und Jena so nicht nur Derbysieger, sondern auch Regionalliga-Meister werden würde.
In der zweiten Halbzeit kippte nach und nach die Stimmung. Auf dem eigenen Rasen verwaltete Jena unspektakulär die Führung, der Blick war also gespannt auf die Leipziger gerichtet. Diese schossen plötzlich ein Tor nach dem anderen und mit jeder Minute wuchs die Gewissheit, dass das mit der Meisterschaft nichts mehr werden wird.
Beim Verlassen des Stadions spürte man nur wenig Freude über diesen Derbysieg – der Traum der Meisterschaft, welcher erst so kurz vor Saisonende überhaupt aufkam, blieb ein Traum.
Dieser Text erschien in der Ausgabe Nr. 458, Mai 2026

