Neue Hitlerjugend?

Im Landkreis Greiz trifft sich der rechtsextreme Nachwuchs – und imitiert dabei Praktiken der Hitlerjugend. 

Text von Dario Holz

Pfingsten im Vogtland: Auf dem Marktplatz in Dörtendorf nahe Greiz wird eine Szene aus dem Dreißigjährigen Krieg nachgespielt, junge Männer brüllen durchs Dorf, klettern auf einen Heuwagen, jagen sich gegenseitig. Viele von ihnen tragen gefleckte Armee-Kleidung oder dunkelgrüne Pullover mit einem Ährenkranz, der eine römische Drei umschließt – das Zeichen der rechtsextremen Partei Dritter Weg. Sie marschieren durch die umliegenden Ortschaften, machen Sporteinheiten am Wegesrand, besuchen ein Gefallenen-Denkmal. 

Über 100 Jugendliche aus Deutschland und Nachbarländern sind hier zum ersten “nationalrevolutionären Jugendwochenende” zusammengekommen, das die Jugendorganisation des Dritten Weg veranstaltete. Die Partei entstand 2013 aus NPD-Mitgliedern und anderen Rechtsextremen und entwickelte sich seitdem zu einem Sammelbecken für gewaltbereite Verschwörungstheoretiker, Antisemiten und Geschichts-Revisionisten. 

Das Treffen bei Greiz ist wesentlicher Bestandteil der Partei: Hier wird NS-Ideologie gepredigt, an “Kriegshelden” erinnert und Sport gemacht. Bilder zeigen die Gruppe bei einem Vortrag des Parteichefs Matthias Fischer, der auch zum Unterstützer-Netzwerk des NSU gehörte. Später folgen Boxkämpfe, ein Bogenschieß-Wettbewerb, ein Graffiti-Workshop. Ein Video zeigt einen MMA-Kampf – einer der Beteiligten hat den Bundesadler tätowiert, daneben den Schriftzug “Wir kämpfen für das, was wir lieben”. 

Ihre Veranstaltung vermarktet der Dritte Weg online als Alternative zu “von Migranten vereinnahmten Jugendzentren”, veröffentlicht ausführliche Blogartikel und Videos, lässt das Ganze wie ein harmloses Zeltlager von Sportbegeisterten aussehen. Alles in der Hoffnung, noch mehr Jugendliche zu rekrutieren.

Diese Kombination aus Sport und Ideologie ist in rechten Kreisen weit verbreitet und erinnert stark an die Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend – hier wurden Jugendliche militärisch auf den Zweiten Weltkrieg vorbereitet und politisch indoktriniert. Dieser Tradition folgt der Dritte Weg offensichtlich, auch inhaltlich.

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