Ichweißwiedudichfühlst

Die australische Band Parcels groovte in die letzten Tage der Kulturarena 2019 und ließ dabei Daft Punk außer acht.

von Isabella Weigand

Alle schienen sie aus einer jeweils anderen Zeit gefallen zu sein, äußerlich in den 70ern, jung, schlacksig, sehr aufrecht. Musikalisch surfen sie auf einer Welle, zu viert in der ersten Reihe mit zwei Synthesizern und dem Schlagzeuger in exponierter Position. Es wird gewippt und sich gewiegt, sich selbst in Trance gespielt und auch ein bisschen abgearbeitet. Viele Wiederholungen, eingängige Melodien, Ozeanwellen, sich langsam aufbauend und sacht in sich zusammenfallend, ein Abendhimmel in lässigem Orange und Zartrosa. Die Australier lieferten eine solide und professionelle Bühnenshow ab, die sie bereits auf Deutschlands großen und kleinen Festivals präsentiert haben, ohne große Überraschungen zwar, aber stimmungsvoll.

Minutenlange seichtspannende Intros und gewollt überraschende Übergänge kennzeichnen den Abend, aber auch eine große Positivity, plötzlich aufsteigend und treibend bleibend „Youdidnthavetogo“ all around. Wie die Songtitel geht alles, ja, wirklich alles irgendwie ineinander über und hängt zusammen. Denn diese bestehen nicht aus einzelnen Worten, sondern aus Phrasen, die zu einem Wort zusammengeschoben sind. Die Texte entfalten ihre Tiefgründigkeit in den Wogen ihrer Wiederholungen, tragen das Publikum wie bei dem Song „IknowhowIfeel“ auf einer Welle des 70er Jahre Grooves. Die Kulturarena-Besucher lassen sich nur zögerlich mitnehmen. Die Ränge blieben besetzt. Wenige sprachen bei ihrem bisher größtem Hit “Lightenup” überschwänglich auf, um zu tanzen. Den Titel “Overnight”, produziert von Daft Punk und klingend nach Daft Punk und ein bisschen nach Jungle und Say Yes Dog, ließen sie an diesem Abend aus.

Auch diese entspannt abgehobene Indie-Band lebt in Berlin und schwimmt auf der Welle der musikalischen Kultiviertheit, die nicht jeden sofort mitreißt.

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