Ein Lob dem Kleinvieh

Den Stura zu verspotten ist leicht, Anlässe gab es in den vergangenen Jahren genug. Doch in den letzten beiden Semestern hat sich das geändert. Ein Kommentar.

Von Bernadette Mittermeier

Über den Stura zu berichten, fühlt sich ungefähr so frustrierend an, wie über die SPD zu schreiben: die gleichen endlosen Debatten, fruchtlosen Reformversuche und enttäuschenden Wahlergebnisse. Als Journalist schreibt man in dieser Situation oft keine Berichte mehr, sondern Todesanzeigen.
Lange ging es dem Stura besser, als ihm gut tat – überschüssige Gelder wurden in Langzeit-Projekten angelegt, die sich Jahre später als schwarze Löcher für die sinkenden Einnahmen des Stura entpuppten. Dazu kam die Arroganz einiger Mitglieder, die ihre Unfähigkeit sich verständlich auszudrücken für ihre größte Tugend hielten, und so den Graben zwischen der Studierendenschaft und ihrer Vertretung vertieften.
Das Jahr 2015 begann in dieser Hinsicht als weiterer Tiefpunkt in einer langen Reihe von Tiefpunkten der wenig ruhmreichen Geschichte der studentischen Vertretung. Der Stura hatte es nicht geschafft, einen Haushalt zu beschließen, die Anwesenheit beschränkte sich auf einige wenige Märtyrer unter den gewählten Mitgliedern und die Debatten im Gremium lieferten mehr Stoff für Glossen als für ernsthafte Berichterstattung.
Es schien, als habe sich der Stura so sehr verrannt, dass nur seine Gläubiger sein Ableben bedauern würden. Doch mit dem jetzigen Gremium änderte sich die Lage.
Wer ein paar Sturasitzungen in der Erwartung schwänzte, eh nichts zu verpassen, wurde bei seiner Wiederkehr positiv überrascht. Das neue Gremium hatte es nach langer Zeit geschafft, sich auf einen neuen Haushalt zu einigen. Vielleicht lag es an den Neuwahlen und dem Wechsel einiger Mitglieder, vielleicht war das Desaster im Semester zuvor auch Motivation genug, es jetzt endlich richtig zu machen. Die aktuellen Stura-Mitglieder haben jedenfalls in den letzten zwei Semestern bewiesen, dass sie in der Lage sind, Pragmatismus über kleinliche Querelen zu stellen, und ihren Job als Stellvertreter der Studierendenschaft ernst genommen.
Unter normalen Umständen gibt es keinen Anlass, ein Gremium zu loben, nur weil es seine Minimalaufgaben erfüllt. Es lobt ja auch niemand den Stura der EAH, der dies jedes Jahr schafft.
Beim FSU-Stura sieht die Lage anders aus. Wer sich durch 25 Jahre Akrützel blättert, wird seinen Glauben daran verlieren, dass Studenten überhaupt fähig sind, über ihre eigenen Gelder zu entscheiden. Das aktuelle Gremium tut sein Bestes, um das Vertrauen in seine Funktionsfähigkeit zurückzugewinnen.
Dass es das unbemerkt von der Öffentlichkeit tut, liegt auch daran, dass über kleine Erfolge kaum berichtet wird, weil sie eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Solange sie dies aber noch nicht sind, gibt es allen Grund sich über eine gelungene Stura-Amtszeit zu freuen.

Foto: Daniel Hofmann

*