Spontandemo nach Wohnungsdurchsuchung bei Jugendpfarrer Lothar König in Jena

von Johanne Bischoff



Foto: Jan-Henrik Wiebe

Am 10. August fanden sich rund 300 Menschen vor der Jungen Gemeinde-Stadtmitte (JG) Jena ein. Sie sprachen sich in Form einer spontanen Demonstration gegen die fragwürdigen Methoden der sächsischen Justiz aus. Anlass war die Durchsuchung der Dienstwohnung von Lothar König, dem evangelischen Pfarrer der JG.
Polizeibeamte des Freistaates waren am Morgen des 10. August in der Hoffnung, Beweise gegen König sicherstellen zu können, in dessen Wohnung eingedrungen. Das Thüringer Innenministerium gab dem MDR gegenüber an, vorab nicht informiert gewesen zu sein.
Die Staatsanwaltschaft des Nachbarlandes wirft dem Pfarrer sowohl aufwieglerischen Landfriedensbruch als auch den Aufruf zu Gewalt gegen Polizisten vor. Diese Anschuldigungen beziehen sich auf die Anti-Nazi-Demonstrationen vom 19. Februar dieses Jahres. König hat nach eigenen Angaben nur das getan, was er immer getan habe, nämlich Jugendliche zu begleiten, um schlimmere Auseinandersetzungen oder gar Übergriffe auf Personen zu verhindern.
Die Polizei habe heute einen Computer und Unterlagen beschlagnahmt. Außerdem seien Gegenstände aus einem Zimmer sichergestellt worden, das nicht von Lothar König, sondern seiner Tochter Katharina genutzt wurde, die für die Partei Die Linke im Thüringer Landtag sitzt. Der „Lauti“ der JG wurde ebenfalls nach Dresden überführt. Ob sich ein halbes Jahr nach der vermeintlichen Tat noch Spuren darin finden lassen, ist fraglich.
Anja Siegesmund, Landtagsabgeordnete der Grünen, versprach in ihrem Redebeitrag auf der Spontandemo in Jena, dass die Abgeordneten der Sache nachgehen wollen. Dem MDR gegenüber bezeichnete sie das Verhalten der sächsichen Polizei als „unterirdisch“. Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter betonte: „Ich stehe hinter Lothar König. Es geht nicht um ihn alleine. Es geht hier um alle, die sich gegen braunes Gedankengut engagieren.“
Für die Solidarität bedankte sich König aus seinem Wanderurlaub in Italien.

Johanne Bischoff

Fotos von Daniel Hofmann und Jan-Henrik Wiebe