Flucht, Ankunft, Alltag

Ein Bewohner der Obdachlosenunterkunft berichtet über seinen Weg von Syrien nach Deutschland und sein Leben in Jena, geprägt von Hoffnung auf eine stabile Zukunft.

Text von Philipp Schön
Foto von David Boué

Belal ist 2013 aus Syrien geflohen und seit Sommer 2025 in Jena. In Syrien hat er Jura studiert, sein Abschluss wird in Deutschland nicht anerkannt. Außerdem ist Belal gelernter Koch. Nach seiner Flucht aus Syrien lebte er zwei Jahre in der Türkei und arbeitete dort in einer Bäckerei. Mit einem kleinen Boot schaffte er es mit etwa 40 anderen Flüchtlingen zusammen nach Griechenland. Über Mazedonien und Ungarn kam er schließlich nach Deutschland. Teile der Strecke legte Belal mit dem Zug zurück. „Zwischendurch musste ich auch immer wieder lange Strecken zu Fuß gehen.”

In Deutschland angekommen, verbrachte er fast zehn Jahre in Werne an der Lippe (Nähe Dortmund). Dort arbeitete er als Koch in verschiedenen Küchen – lange Zeit bei der Firma Strobels, die das Catering für die Fußballspiele des BVB macht. In der Küche und durch seine frühere Partnerin hat Belal sehr gut Deutsch gelernt, sodass er sich fließend mit mir unterhalten kann. 

Als Belals Vater in Syrien starb, war für ihn klar, dass er erstmal nicht wieder in seine Heimat zurück möchte. Er entschied sich, nochmal umzuziehen, um in Deutschland andere Menschen kennenzulernen. „Ich bin extra nach Jena gekommen, weil ich über die Stadt viel Gutes gehört habe. Auch, dass sie als Paradies bezeichnet wird.”

Zwei Monate ohne Obdach

In Jena hat er keine Wohnung gefunden und anfangs zwei Monate unter der alten Burgauer Brücke geschlafen. Er nutzte das Wasser der Saale, um sich zu waschen. „Ich habe es mir mit einem Feuer etwas warm gemacht, aber die Polizei kam und hat es mir wegen der Brandgefahr verboten“, erzählt er mir. Viele Menschen haben ihm aber auch geholfen: „Sie brachten mir Geld und Essen und ich spürte ganz viel Sympathie“. Schließlich hat ein Sozialarbeiter Belal aufgesucht und ihm einen Platz in der Obdachlosenunterkunft angeboten. Belal schlief fünf Nächte in der Außengarage, nun teilt er sich ein Zimmer mit vier anderen Bewohnern.

In Jena hat Belal im Café Stilbruch gearbeitet und ist nun wieder auf Jobsuche. Er hofft, dass das Jobcenter sich bald mit einem passenden Vorschlag bei ihm meldet. Bis dahin nutzt er die Zeit, um sich fit zu halten. Belal ist viel mit seinem Fahrrad unterwegs und fährt oft zum Burgaupark, wo er sich gerne tagsüber aufhält. 

Er mag seine Arbeit als Koch sehr und hofft, mit einem neuen Job schon bald eine Wohnung zu finden. Für Belal ist klar, dass er erstmal in Jena bleiben möchte: „Ich liebe die Stadt und die Menschen. Ich habe hier viel Sympathie und Hilfsbereitschaft erfahren.”

Dieser Text erschien in der Ausgabe Nr. 457, Mai 2026


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