Jena gegen Altglienicke

Harte Zeiten für den FCC: egal, wie gut es sportlich läuft, bei Lok Leipzig läuft es immer ein bisschen besser. Wer wirklich die bessere Mannschaft ist, wird sich kommende Woche im Duell zwischen beiden zeigen. Bis dahin muss in Jena aber noch einiges geschehen, das machte die Niederlage gegen Schlusslicht Eilenburg deutlich. Heute, gegen den Angstgegner VSG Altglienicke, muss das besser laufen.
Wir berichten live aus dem Ernst-Abbe-Sportfeld.

Ticker von Dario Holz

20:50

Und so endet auch das dieses Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften sieglos für Jena, die die Punkte dringend nötig hätten. Am Wochenende geht es dann gegen den Tabellenführer aus Leipzig, ein Sieg scheint in weiter Ferne.

Damit verabschiede ich mich aus dem Stadion und verscuche nun, noch Essenreste aus der VIP-Loge zu klauen. Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.

20:45

Auch Jahrhunderte nach Schillers Tod ist Jenas Sturm und Drang Phase noch immer nicht beendet aber an den goldenen Handschuhen des Torhüters scheint einfach kein Ball vorbeigehen zu wollen. An ein Tor glaubt hier mittlerweile niemand mehr.

20:40

Fairerweise liegt die akute Torflaute im Ernst-Abbe-Sportfeld (Wer ist das eigentlich?) aber vor allem am Altglienicker Torwart Kuis Klatte, der jeden Ball abfängt. Laut Insider-Berichten hat dieser morgen einen Bürgeramts-Termin und lässt seinen Namen zu “Kuis Klette” ändern. Passt auch viel besser!

20:35

Es wird langsam ernst, viel Zeit ist nicht mehr, um die Negativ-Serie gegen Altglienicke zu treffen. Und auch beim Fußball verhält es sich so, wie bei Hausarbeiten an der Uni: Erst wenigen Stunden vor Abgabe kommt was brauchbares zu Stande: Jena ist mittlerweile zum Dauer-Camper im gegnerischen Strafraum geworden und versucht alles, um heute als Sieger vom Platz zu gehen. Aber wie so oft, auch hier passt die Hausarbeiten-Analogie, leidet die Qualität, wenn man erst kurz vor knapp schon völlig übermüdet anfängt.

20:30

Während ich ein paar Schoko-Ostereier aus dem Lidl esse, singt die Südkurve “Schießt den Ball in das verdammte Tor”. Der FCC freut sich über diese Idee und versucht sie auch prompt umzusetzen. Gelingt natürlich nicht.

20:25

Die Sicht vom Pressebalkon wird übrigens durch ein störendes Geländer stark eingeschränkt, dessen Querstrebe direkt auf Augenhöhe die Sicht versperrt. Man muss entweder über, oder unter der Strebe aufs Feld blicken; ständig Heben und Senken sich die Pressevertreter-Köpfe, es erinnert an einen Hühnerstall.

Jena im Gruppenausflug zum gegnerischen Tor, von Altglienicke wollte sich keiner der Reise anschließen. In bester Laune laufen die Blau-gelb-weißen in Richtung Berliner Schlussmann und diskutieren, wer denn nun das Tor schießen darf. Wie so oft spielt der Schiedsrichter aber den Spielverderber und entscheidet auf Abseits. Die Fans, die sie auch schon auf die bevorstehende Bierdusche auf der Nordtribüne gefreut haben, zeigen sich enttäuscht von dieser Entscheidung.

Aber wir sind ja alle erwachsen: Die Kritik Richtung Schiedsrichtergespann fällt also in einem sehr humanen und respektvollen Ton aus.

20:15

Der Gedanke, ich könne bald beim FCC spielen, scheint den Mannschaften unten auf dem Rasen neue Motivation gegeben zu haben. Beide Seiten kämpfen nun um meine Gunst und spielen einen aussichtsreichen Angriff nach dem Nächsten.
Mein Handy benachrichtigt mich “Sie haben 2GB Ihres mobilen Datenvolumens verbraucht.”

20:05

Die Teams sind vollzählig aus der Kabine zurück, nur Jenas Hintermannschaft scheint die Grundprinzipien der Defensivarbeit noch in den Katakomben vergessen zu haben. Wie auch in den vergangenen Woche scheint die Abwehr das Problem des FCC zu sein: Ich möchte mich hier nicht selbst in den Ring werfen aber ich verfüge über unzählige Einsatzminuten als Verteidiger in der dritten Uniliga und würde auch in der Regionalliga aushelfen, wenn denn das Geld stimmt.

19:45

Die erste Halbzeit ist geschafft, die Zeiss-Elf hat sich am Ende nochmal richtig Mühe gegeben. Jetzt ab in die Kabine, schnell ein Bierchen für die Motivation und eine Bratwurst für den Hunger, dann gehts weiter. Ob der Ernährungsplan der Sportler auch so aussieht, kann ich nicht mit voller Gewissheit sagen, ausschließen möchte ich es aber auch nicht.

19:40

Und wieder Odahu (hab den Namen mitlerweile in der Zwischenablage meines Laptops gespeichert) kurz vor dem gegnerischen Tor. Und schon wieder verhindert der Berliner Schlussmann Schlimmeres. In Altglienicke wird man sich morgen kollektiv seinen Namen auf die Brust tätowieren.

19:35

Odahu hat noch nicht aufgegeben und versucht sich nun, nach die Disziplin “Dribbeln” erfolglos blieb, an Kopfbällen. Das funktioniert so gut, dass ich schon fast einen Jubelschrei von mir gegeben hätte. Aber der Ball landet nicht im, sondern neben dem Tor. Altglienicke versucht, das kurze Euphorie-High gleich wieder zu zerstören und spielt einen tiefen Ball in die lückenreiche thüringische Abwehr. Abseits, entscheidet der Schiedsrichter. Hab noch immer keine Ahnung, wie diese Regel funktioniert.

19:30

Nur wenige Minuten später Aufregung im Stadion: Beim Vollsprint aufs gegnerische Tor bleibt Odahu an den lagen Armen des Berliner Torhüters hängen und muss seine Reise Richtung 1:0 vorzeitig beenden. Für die hunderte Meter entfernt stehende Nordkurve ein glasklares Foul, für den Schiedsrichter nur spontanes Versagen der Beinmuskulatur. Wie so oft wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen.

19:25

Nils Butzen versucht sich bereits zum fünften Mal an einem Freistoß und sie da, Übung zahlt sich aus, der Ball kommt tatsächlich im Straftraum an und wird gekonnt über die Queerlatte geköpft.

19:20

Wer sich beim Lesen gerade fragt, wo zur Hölle Altglienicke denn liege, dem sei hier geholfen. Es handelt sich um einen Berliner Bezirk – von “Big City Club” kann hier aber nicht die Rede sein, denn trotz rund vier Millionen Einwohner scheint es niemand aus Berlin so sehr für den Verein zu interessieren, als das man auch zum Außwärtsspiel nach Jena fahren würde. Der Gästeblock ist leer.

19:10

Sportlich sind die ersten Minuten unspektakulär. Jena macht Druck, aber ohne nennenswerte Erfolge. So geht es mir auch, wenn ich versuche, meine Redakteur:innen zur fristgerechten Abgabe ihrer Texte zu bringen.

19:05

Für den FCC ist Altglienicke ungefähr das, was für mich mein Studium ist: Man kann sich nicht so richtig leiden, muss sich aber trotzdem immer wieder sehen. Das macht selten bis nie Spaß und endet eigentlich immer in Enttäuschung.
Etwas konkreter: Jena konnte noch nie (sic!) ein Spiel gegen die VSG gewinnen. Wenn heute also nur ein Punkt geholt wird, ist das ein voller Erfolg.

19:00

Der Spielball wurde in peinlicher Langsamkeit auf einem ferngesteuerten Spielzeug-LKW in Richtung Mittelpunkt gebracht. Volkan Uluc belabert noch ein letztes Mal den Linienrichter, bevor das nach Anpfiff strafbar wird und dann geht es mit Anstoß für Jena los!

18:55

Es geht langsam los, die Hymne wird gesungen. Komisch, wenn man das ganze einsam vom Pressebalkon betrachtet und nicht zwei schon vor Anpfiff betrunkene Holzländer neben sich stehen hat, die im tiefsten Thüringisch irgendetwas von zweiter Liga faseln und dir freundschaftlich, aber doch ein bisschen zu fest in den Bauch boxen, weil du deinen Schal nicht oben hast.

18:45 Uhr

Auf dem Rasen werden noch letzte, ambitionierte Flanken geschlagen, die so im Spiel nie ankommen würden, bevor es gleich ein letztes Mal für die Mannschaften in die Katakomben geht. Ich hab es mir auf der Pressetribüne gemütlich gemacht und nutzte mein kostbares mobiles Datenvolumen für diesen Ticker, denn ich kenne das Wlan-Passwort nicht. Das sind die Seiten des Journalismus, über die mal wieder niemand spricht…

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