Ich bin begeisterte Saunagängerin und einiges gewohnt. Doch das, was ich an diesem Freitag im Februar in der Saunalandschaft im Jenaer GalaxSea erlebt habe, hat mich gezeichnet.
Text von Lucy Tusche
Foto von Dario Holz
Es ist ein kalter Februarabend, kurz nach sieben Uhr. Die monatliche Saunanacht im GalaxSea beginnt. Ich will bei einem Wellnessabend regenerieren und entschlacken. Nur mit Saunahut und Bademantel bekleidet, betrete ich die Saunalandschaft. Drunter trage ich selbstverständlich nichts, denn Textilsaunen verabscheue ich. Ich bin froh, dass man das im GalaxSea genauso sieht.
Für den Aufguss hat das GalaxSea einen waschechten Saunaweltmeister engagiert, Visar Bytyqi ist sein Name. Und der macht einen Showaufguss, der es in sich hat. Vor dem Ort des Geschehens, der finnischen Sauna, steht ein Mischpult, mit dem der Meister Licht und Beat für seine Show abstimmt. In der 90 Grad heißen Schwitzhütte ist es dunkel. Etwa 30 Saunaliebhaber:innen haben sich übereinander und nebeneinander auf die Holzbänke gestapelt. Ich platziere mich gerade zwischen zwei älteren Damen, da kommen ein paar nackte Nachzügler herein. Sie wollen auf die oberste Saunabank. Wer jetzt noch nach ganz oben will, muss klettern. Und wer jetzt ganz unten sitzt, muss hoffen, bei den waghalsigen Kletteraktionen keinen Schwängel ins Gesicht zu bekommen.
Schwarzlicht und Ochsenhörner
„Mystic Dream“ ist der Name des Aufgusses. Visar Bytyqi, der Saunaweltmeister, tritt ein und die Show beginnt. Epische Musik ertönt aus einem riesigen Lautsprecher und mehrere Scheinwerfer projizieren Schwarzlicht auf den muskulösen Mitte 40-Jährigen. Er hält zwei riesige ausgehöhlte Ochsenhörner in den Händen und kniet, den Kopf gesenkt, am Boden. Lichtblitze erhellen sein Gesicht, als er sich aufrichtet und aus den Hörnern wie aus Kelchen das Aufgussgebräu auf die heißen Kohlen des Saunaofens kippt. Herrlicher Lavendelduft steigt mir in die Nase. Alsgleich beginnt der Meister, die Handtücher über den Kopf zu schwingen und den aromatischen Dampf den Saunafreund:innen ins Gesicht zu wedeln. Das weiße Handtuch leuchtet im Schwarzlicht und meine Augen folgen gebannt dem Spektakel. Das Publikum ist in Ekstase, es johlt und klatscht und schwitzt. Der Saunaweltmeister lässt sein Handtuch um den Finger kreisen, wirft es von links nach rechts, von oben nach unten und wedelt uns den herrlichen Duft ins Gesicht. Am Ende wirft er sich dramatisch zu Boden.
Ich dränge mich zwischen 30 nackten Körpern hindurch und aus der Tür hinaus. Mir ist ein bisschen schwindelig. Was ich in den letzten Minuten erlebt habe, war kein gewöhnlicher Saunaaufguss. Es war ein immersives Erlebnis, eine Sinneserweiterung, eine Reise in eine andere Dimension.
Rubbeln in der Dampfsauna
Ich beschließe, die Reise in der Dampfsauna fortzusetzen. Als sich der Dampf langsam lichtet, sehe ich nackte Menschen, die sich gegenseitig mit Mandelpeeling einreiben. Der Anblick ist schon etwas ungewohnt. Ich muss das erstmal wirken lassen und setze mich mit meiner Begleitung, ebenfalls ein Saunaliebhaber, auf die gefliesten Bänke nieder. Ich bin gerade dabei, meinen Körper mit dem wohltuenden Peeling einzureiben, dann geht alles ganz schnell. Ich sehe, wie meine Saunabegleitung von einem sehr korpulenten älteren Herrn mit Mandelpeeling eingerieben wird. Der nackte Herr meint es richtig ernst, und peelt mit kräftigen Bewegungen seinen ganzen Rücken ab. Er bietet mir seinen Rubbelservice ebenfalls an, doch ich lehne dankend ab. Ich muss die Szene erstmal verarbeiten und gehe raus aus der Dampfsauna und rein ins Außenbecken. Meine Begleitung war von der plötzlichen Wellnesseinheit genauso überrascht wie ich. Schön war es aber irgendwie schon, erzählt er.
Ich lasse mich im warmen Wasser auf dem Rücken treiben und blicke in den klaren Nachthimmel. „Der Abend hat was mit mir gemacht“, sagt meine Begleitung. Und ich kann ihm nur zustimmen. So eine Saunanacht, die macht was mit einem.
Dieser Text erschien in der Ausgabe Nr. 456, Februar 2026

