Sammelklage: Akrützel; Christopher Nolan, UNO

Bisher galt euch das Akrützel als freundlich und moderat. Jetzt ist endlich Schluss mit der falschen Versöhnlichkeit! Ab heute wird scharf geschossen – gegen Kunst, die nervt.

Text von Dario Holz, Markus Manz und Oleksandra Samokhina
Illustration von Oleksandra Samokhina

Akrützel (Dario Holz)

Es beginnt schon mit dem Cover: Ein oft nichtssagender Titel auf einer großen, lieblosen Farbfläche. Das suggeriert vor allem eines: Hier hat man sich keine Mühe gegeben. Ich blättere um, lese ein gänzlich aus unverständlichen Insidern bestehendes Editorial und blicke auf zwei triste schwarz-weiß Bilder, die meine Stimmung an diesem Punkt ganz gut zusammenfassen. An guten Tagen lese ich trotzdem weiter und überfliege einen Großteil der Texte, die sich entweder dem Duktus einer Masterarbeit verpflichtet fühlen oder Themen behandeln, bei denen zwar der Autor der Meinung ist, sie seien relevant, damit aber oft allein steht. Noch schlimmer ist nur die dämliche “Wenn zwei sich streiten”-Rubrik, bei der pseudointellektuell über Nichtigkeiten diskutiert wird. Aber jeder Text ist mir lieber als die kreativlosen Peinlichkeiten, die immer dann zum Vorschein kommen, wenn spontan noch Seiten gefüllt werden müssen: Kreuzworträtsel, Plakate, Produkttests. Nach 20 qualvollen Seiten bin ich irgendwann am Ende der Ausgabe angelangt und blicke auf die traurigen Überreste einer einst so humorvollen Rückseite. Wo frühereinst das bBkrützel und JenSeits satirische Glanzleistungen verbrachte, ist nun eine belanglose Kolumne zu finden, die nur dem Narzissmus des Chefredakteurs zu dienen scheint. Schade, dass die Alternativen in Jena noch schlechter sind.

Christopher Nolan (Markus Manz)

Unausgeglichene Männer, die losziehen, ihre Persönlichkeit auf einem erlesenen Filmgeschmack aufzubauen, müssen dabei unweigerlich auf den Namen Christopher Nolan stoßen. Christopher Nolan ist für diejenigen gedacht, die sich gerne mal so richtig gratisschlau fühlen wollen. Seine Filme sind eigentlich relativ simple Heldenreisen, aber weil währenddessen auch mal eine Tafel mit Formeln vollgeschrieben wird, jemand ein paar Fremdsprachen mächtig ist oder irgendwo ein Rubiks Cube in der Ecke liegt, handeln Filmdudes sie als feinstes Intellektuellenkino. 
Der Mann beweist aber nicht nur Talent beim Finden gewiefter Assoziationspaare (Wissenschaft = schlau). Er kann auch durch die Zeit reisen. Seien es die Universalgenies, grimmige Fledermausmänner oder amerikanische Farmer, die ihre Pflicht fürs Vaterland tun. Angestaubte Tropes, die das heutige Charakterkino eigentlich nur noch ironisch oder zur Dekonstruktion anfasst, feiern bei Nolan eine irritierend ernst gemeinte Auferstehung. Fast schlimmer als seine Humorlosigkeit und die Allergie gegen die Ambivalenz von Uraltthemen, sind aber noch die unerträgliche Tendenz zu Drama und Kitsch. Wenn sich z. B. Matthew McConaughey minutenlang zu einem generischen Hans-Zimmer-Track ausweint, ist das keine Sternstunde der Schauspielkunst, sondern einfach nur großer Cringe. Ende der Klage.

UNO (Oleksandra Samokhina)

In meinen vielen Spieleabendjahren habe ich mich durch einige Abenteuermissionen und Strategiechallenges durchspielen können. Hat man erstmal eine gewisse Spaßerwartung aufgebaut, kommt man nicht selten an einen Punkt der Verzweiflung. Die mitgebrachten Spiele werden angepriesen, ein Spiel zu finden, das allen ohne breite Erklärungen zusagt, ist jedoch wie immer schwierig. Letztendlich spricht jemand die befürchteten Worte aus: „Dann lasst doch UNO spielen!“ Mein Lieblingsspiel UNO steht für mich für “Ueberforderung nach Orkangewusel”. Bevor das eigentliche Spiel überhaupt startet, befindet man sich in einem Hausregel-Kampf, den man eigentlich nur verlieren kann. Wenn nach der Regelklärung überhaupt noch Zeit fürs Spielen bleibt, bewirft man sich mit Rot, Grün, Gelb und Blau, drei Mal wird die Richtung gewechselt und fünf Blockierkarten werden abgeworfen. Feindschaften entstehen und wenn man erst mal in den Flow gekommen ist, wird dieser von neuen Regeleinwürfen und langlebigen Diskussionen unterbrochen, bis niemand mehr weiß, worum es eigentlich ging. Sounds like a good time. Zwar sorgen die bunten Farben und die hämischen +4-Ziehkarten für ein bisschen Dopamin, aber die Kopfschmerzen, die dieses Spiel nach sich zieht, sind es wirklich nicht wert. In diesem Sinne spreche ich mich für ein UNO-Verbot bei Spieleabenden aus

Dieser Text erschien in der Ausgabe Nr. 456, Februar 2026


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