Alles beim Alten

In der siebten Folge des Jena-Krimis begleiten wir zum letzten Mal das bekannte Ermittlerduo, in der achten Folge wechselt es. Was bleibt vom Theresa-Imperium? 

Text von Karolin Wittschirk
Foto von Ziegler Film

Als Studentin lernt man früh zwei Dinge: Schlaf ist immer optional und man hängt emotional an Serien – vor allem an denen, die man eigentlich „nur nebenbei“ schauen wollte. Und man will ganz sicher nicht, dass sie sich verändern.
Genau so geht es mir mit dem Jena-Krimi. Die berühmt-berüchtigte Rechtsmedizinerin Theresa Wolff, gespielt von Nina Gummich, wird nämlich ersetzt. Ebenso steigt ihr Serienpartner Aurel Manthei, der Hauptkommissar Bruno Lewandowski verkörpert, aus. Das Ermittlerduo wechselt, die Reihe bekommt einen neuen Titel und heißt nun schlicht „Der Thüringenkrimi“. Die Umbrüche bezüglich der Serien sind deutlich bemerkbar, auch wenn manches gleich bleibt.

Im Zentrum der siebten und vorerst letzten Folge um Theresa Wolff als Hauptfigur steht der Tod des Sohnes einer Polizistin und Kollegin von Lewandowski. Zunächst wirkt alles wie ein Drogenfall. Theresa Wolff bewegt sich in einem Umfeld aus Kontrollzwang, Verdrängung und familiärer Selbsttäuschung: Die Mutter glaubt, ihr 21-jähriger Sohn mache brav seine Ausbildung, lebe nach wie vor mit Kuscheltieren im Zimmer und habe keine Freunde. In Wahrheit hat er ein zweites Handy, seine Ausbildung seit längerem abgebrochen und wurde Dealer.

Theresa als einzigartige Figur

Theresa ist auch hier wieder eine Figur für sich. Charakterstark, stur, eigenwillig – jemanden Vergleichbares gibt es im deutschen Krimi-Fernsehen nicht. Ihre Charakterentwicklung ist dabei spannend. War sie erst die empathielose, nur rational denkende und fehlerfreie Rechtsmedizinerin, die keine Emotionen zeigte, entwickelt sie sich nun zum Gegenteil. 

Empathie zeigt sie vor allem im Umgang mit dem psychisch instabilen Verdächtigen Erik Bolter, der sich bewusst bei einer Befragung den Kopf am Tisch aufschlägt. Als Bolter festgenommen wird, kümmert sie sich um dessen Kaninchen, nimmt es überall mit hin. Das das als Tierquälerei gedeutet werden kann, hatte der ZDF wohl nicht auf dem Schirm – keine Glanzleistung. 

Überzeugend hingegen waren die Emotionen, von der Mutter des Toten, aber auch von Wolff. Sie begeht nämlich einen großen Fehler bei der Obduktion. Und mal wieder kommt ihr Drang, selbst ermitteln zu wollen, nicht zu kurz.  Sie bringt sich in Lebensgefahr, die Folge endet mit ihr im Krankenhaus.

Ed Sheeran spielt Nebenrolle im neuen Krimi

Mit der siebten Folge ist das Theresa-Imperium Geschichte. In der achten Folge verschwindet ihre Figur kommentarlos, ohne rührselige Abschiedsstory. Stattdessen tritt Mala Murphy (Emily Cox) als neue Rechtsmedizinerin des nun neuen Thüringenkrimis auf, die gemeinsam mit Dr. Zeidler (Peter Schneider) einen komplexen Fall um zwei Frauenleichen und Identitätsdiebstahl übernimmt. Auch bei der Polizei gibt es einen Wechsel: Golo Euler spielt Kriminalhauptkommissar Moritz Herbst, der von Erfurt nach Jena versetzt wird. Herbst ist teamorientierter, kommunikativer und weniger mürrisch als sein Vorgänger Lewandowski. Die Serie setzt nun stärker auf Zusammenarbeit, frühere Nebenfiguren rücken in den Vordergrund. 

Die neue Rechtsmedizinerin kommt aus Irland und hat angeblich Kontakt zu Ed Sheeran, der dann auch noch die Musik des Abspanns singt. Gab es da etwa eine Kooperation mit dem ZDF? Die neue Hauptfigur ist noch befremdlich und wirkt nicht authentisch.

Ursprünglich war mit Folge 7 „Nebel“ vorgesehen, dass Gummich die Figur der Theresa Wolff endgültig zurücklässt und die Reihe auf die neuen Hauptfiguren umgestellt wird. Allerdings hat sich die Situation inzwischen geändert: Nina Gummich ist wieder als Theresa Wolff vor der Kamera. Grund dafür seien Produktionsumstände und, dass ihre Nachfolgerin Emily Cox zeitweise in Elternzeit ist – und deshalb Gummich für eine weitere Folge zurückkehrt. Ob sie dann doch wieder dauerhaft im neuen Format bleibt oder nur für diese eine Folge, hat die ZDF-Produktion bislang offen gelassen. 

Dass sich Besetzungen ändern ist nichts Neues. Scheinbar hat das ZDF-Team jedoch festgestellt, dass Theresa Wolff nicht austauschbar ist und holt sie zurück.

Dieser Text erschien in der Ausgabe 455, Januar 2026.


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