Weitere Ex-Mitarbeiter:innen berichten von verheerenden und katastrophalen Erfahrungen mit Rewe-Inhaber Tino Stützer.
Text von Philipp Schön
Foto von Baumi
In der letzten Ausgabe packten drei Ex-Mitarbeiter:innen über Jenas Einzelhandelsmogul aus. Daraufhin meldeten sich weitere Personen, die berichten, in teils extremem Ausmaß von den schlechten Arbeitsbedingungen betroffen zu sein. Das öffentliche, durchgehend positive Bild von Stützer bekommt weitere Risse.
Unbezahlte Mehrarbeit
Tim* berichtet von der simulierten Arbeitszeiterfassung: Das Motto war „Planzeit = Arbeitszeit“. Wer nach Plan bis 14 Uhr Dienst hatte, aber bis 15 Uhr blieb – z. B. um seine Kollegen bei hoher Arbeitsbelastung zu entlasten – bekam die zusätzliche Stunde meist nicht bezahlt, so Tim. War die Mehrarbeit nicht mit dem Vorgesetzten abgesprochen, soll Stützer den Marktleiter angewiesen haben, per PC die Zeiterfassung von der tatsächlichen Arbeitszeit auf die Planzeit zu korrigieren. Unbezahlte Mehrarbeit wurde somit zum Regelfall, berichtet Tim.
Mitarbeiter:innen bei Rewe haben laut Tim keinen Zugriff auf das Arbeitszeitprotokoll. Sie sehen also weder ihre tatsächliche Arbeitszeit, noch ihre Überstunden. Das Protokoll kann nur beim Vorgesetzten angefragt werden, berichtet Tim. Stützer habe eine Herausgabe aber häufig abgelehnt und darauf verwiesen, dass ein Ausdruck Kosten verursache. In Märkten anderer Inhaber sei die Herausgabe aber kein Problem und die Kosten entsprechend gering, so Tim.
Angst und leere Versprechen
Simone* ist seit 2015 bei Stützer angestellt und kann von diversen schlimmen Erfahrungen berichten. „Ich hatte jeden Tag Angst auf der Arbeit, etwas falsch zu machen. Manche Tage waren katastrophal. Mitarbeiter:innen wurden vor der Kundschaft angeschrien: ‚Was machst Du den ganzen Tag, wofür bezahle ich dich!?‘. Vielfach rastete er total aus und schmiss Gegenstände wie seinen Schlüsselbund oder Wasserflaschen um sich. Selbst die Kundschaft schaute nicht schlecht und musste sogar manchmal in Deckung gehen.“
Außerdem soll Stützer seine Mitarbeiter:innen mit Dienstwagen auf Benzinkosten sitzen gelassen haben. Simone erzählt, dass Stützer nur 350 Euro im Monat für Sprit erstattete. „Das reichte noch nicht mal für alle dienstlichen Fahrten.” Häufig bekommen Angestellte im Rahmen des sogenannten Dienstwagenprivilegs alle Benzinkosten erstattet – sogar auch für private Fahrten – wenn sie den Bruttolistenpreis des Autos privat versteuern. „Stützer hat das nicht interessiert“, so Simone.
Stützer soll seinen Angestellten eine Vielzahl an Aufgaben aufgehalst haben, die im Rahmen der Arbeitszeit nicht zu schaffen gewesen seien. Also wurde oft unbezahlt weitergearbeitet (Planzeit = Arbeitszeit). Fachliche Vorgesetzte berichten teils von Überstunden im vierstelligen Bereich. Auch das Abfeiern von Überstunden habe Stützer mit Verweis auf Personalmangel konsequent abgelehnt, so Simone. Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, soll Stützer der Belegschaft 500 Euro Urlaubsgeld, sowie Weihnachtsgeld und eine Gesundheitsprämie von je 1.000 Euro versprochen haben. „Ich erinnere mich noch genau an den Aushang im Pausenraum, den wir alle freudestrahlend fotografiert haben; aber von dem Geld haben wir bis heute nicht einen Cent gesehen“, berichtet Simone. „Stützer behandelt seine Mitarbeiter:innen wie irgendeine Nummer. Auf Dauer macht die Arbeit bei ihm psychisch krank“, so das abschließende Fazit von Simone.
Tino Stützer haben wir um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Unsere Anfrage an ihn blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.
Weitere Zuschriften:
„Im Großen und Ganzen kann man über Herrn Stützer sagen, dass er ein Chef ist, der seine Mitarbeiter psychisch krank macht und kein Interesse zeigt. Er ist einfach aggressiv gegenüber den Mitarbeitern.”
„Man wurde schon vollgemault, wenn er geklingelt hat und man nicht rechtzeitig an der Tür war. Jeden Montag in der Abteilungsleitersitzung wurde rumgeschnautzt.”
„Stützer erkannte weder den Mehrwert an, wenn man um 5:30 Uhr morgens zur Arbeit kam, noch die Überstunden, die manchmal fast eine Stunde nach 22:15 Uhr dauerten. Er ist ein furchtbarer Chef mit einem unerträglichen Charakter.”
Dieser Text schien in der Ausgabe 455, Januar 2026.

