Hinter den Theaterkulissen

Danielle Martens studiert Professionelles Schreiben im Master. Das Akrützel hat ihr Fragen zur Entstehung des Stücks “Hass / Μίσος / Ură ” gestellt.

Interview von Ida Müermann
Foto von Candy Welz

Wie lief die Zusammenarbeit und Entwicklung?

Wir Studierende arbeiteten zunächst vor allem mit der Regisseurin Daniele Szeredy und dem Dramaturg Josef Bäcker. Von Mai bis Juli 2025 traf sich der Jahrgang monatlich mit ihnen: Sie gaben Input, wir recherchierten und brachten Ideen ein. Ich las z.B. HASS von Seyda Kurt, führte ein Interview mit der Organisation Lobeda Solidarisch und recherchierte vor Ort. Andere arbeiteten mit Statistiken und Archivmaterial.
Wir bekamen einen groben dramaturgischen Fahrplan, teilten Szenen auf und entwickelten Texte. Im Herbst sichteten wir das Material gemeinsam. Daniele erstellte ein Skelett, an dem wir intensiv weiterarbeiteten. Es entstand eine Probenfassung mit viel Freiraum für die Spielenden. Ideen unsererseits waren immer willkommen. Bei Proben und Bühnenbild waren wir nicht beteiligt, durften aber Feedback geben. Auch bei der Konzeptionsvorstellung wirkten wir mit.

La Haine ist inzwischen über 30 Jahre alt. Was hat euch dazu bewegt, den Film als Inspiration zu verwenden?

Dass La Haine Ausgangspunkt wurde, war eine Entscheidung des Theaterhauses. Ich denke, das 30-jährige Jubiläum und der Kultstatus des Films hatten darauf Einfluss.

Warum war es euch wichtig, die Motive konkret in die Jenaer Peripherie zu übertragen?

Die Übertragung nach Jena war eine Entscheidung des Theaterhauses. Wir Studierende haben recherchiert, was realistisch ist, wenn wir von Jena sprechen. Lobeda ist nicht die Banlieue, die Unterschiede sind klar. Wichtiger war die Frage nach Gemeinsamkeiten: Gibt es ein Gefühl der Abgrenzung zur Stadtmitte? Ein übergestülptes Image? Jugendliche, die ähnlich fühlen wie in La Haine?

Wie kam es zur Dreisprachigkeit?

Durch den Theateraustausch mit Griechenland war klar, dass eine griechisch sprechende Person auf der Bühne stehen wird. Dramaturgie und Regie entschieden schließlich, alle in ihren Muttersprachen sprechen zu lassen – mit dem Gefühl, dass sich die Figuren trotzdem verstehen.

Wie kam es zu dem Mix aus Video, Audio und Gesang?

Da das Bühnenbild reduziert ist, helfen die Videos bei der Verortung in Jena und bringen Farbe ins Schwarz-Weiß. Mit den Audiobeiträge wollten wir Menschen aus Lobeda zu Wort kommen lassen und Realität einbringen. Sorbas, der Musiker, ist großer La Haine-Fan und kannte den Dramaturgen. Die Regie arbeitet gern mit Musik für Übergänge. Außerdem wollte man ein „Konzertfeeling“ erzeugen.

Welche Chancen und Probleme seht ihr in der Vielseitigkeit?

Die größte Chance ist, dass man das Stück mehrmals sehen und immer Neues entdecken kann. Selbst ich hatte beim zweiten Mal Spaß, mich anders zu fokussieren.
Problematisch wird es, wenn es überladen wirkt. Schwierig ist, dass man neben allem auch die Übertitel lesen muss – da kann man nicht alles gleichzeitig erfassen.

Die Rezension zum Stück kannst du hier lesen.

Dieser Text erschien in der Ausgabe Nr. 456, Februar 2026


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