20 Millionen Blase

Grüne Stadtplanung oder ein Beton-Palast? Die Uni Jena fällt Bäume für einen Neubau – Warum?

Text von Philipp Schön
Foto von Universität Jena

Anfang Oktober wurden in der Schlossgasse vor dem UHG zwei Bäume gefällt. Wo es vorher
noch schön grün war, ist es jetzt plötzlich kahl, kühl und trostlos. Der Sicht aus dem UHG
bietet nur noch den Blick über die Baustelle hinweg auf Fritz Mitte. Mit diesem Akt hat die
Uni Fakten für ihr neues Vorzeigeobjekt geschaffen: das FORUM. Die Uni bezeichnet das
Projekt als „Kommunikationszentrum der Zukunft“. Bis 2027 soll das 20 Millionen Euro teure
Bauvorhaben fertig sein. Das Projekt wird von der Carl-Zeiss-Stiftung finanziert, die sich im
Bereich der Forschung an Universitäten engagiert.

Im künftigen FORUM sollen Forschende unterschiedlicher Disziplinen miteinander ins
Gespräch kommen. Das Kommunikations- und Begegnungszentrum soll ein Ort werden, der
Wissenschaft in all ihren Facetten vereint. Geplant ist eine Nutzung für wissenschaftliche
Tagungen, Forschungsgruppentreffen, Workshops und Preisverleihungen. Außerdem sind
ein Konferenzbereich und Appartements für internationale Gäste vorgesehen.
Muss man für dieses Vorhaben wirklich Bäume fällen? Wir befinden uns immerhin in Zeiten
der grünen Stadtplanung. Auf Anfrage des Akrützels heißt es von der Uni, der Schutz von
Bäumen habe für die Universität einen hohen Stellenwert. Der Standort sei favorisiert
worden, da er zwischen dem UHG und dem neuen Campus Inselplatz liege und so eine
räumliche und symbolische Verbindung schaffe. Geplant sind sechs Nachpflanzungen. Eine
Birke mit stark geschädigter Krone und eine Elsbeere mit ungünstigem Standort mussten
aber im Sinne einer nachhaltigen Platzgestaltung weichen. Auch am Löbdergraben mussten
für das Bauprojekt zwei Bäume gefällt werden, so Katja Bär von der
Hochschulkommunikation.

Niemand, dem der Schutz von Bäumen wirklich wichtig ist, wird für vier gefällte Bäume als
Wiedergutmachung auf sechs Nachpflanzungen verweisen. Bäume zu fällen ist keine
nachhaltige Platzgestaltung! Ungünstig ist nicht der Standort der Elsbeere, sondern der
Standort für das neue FORUM.
Außerdem sollte ein neu gebautes FORUM die Anliegen aller Angehörigen der Uni
berücksichtigen. Zu diesen zählen nicht nur Forschende und Lehrende, sondern auch
Studierende. Eine direkte Lehrnutzung ist im FORUM nicht vorgesehen. Diese ist lediglich auf
dem neuen Campus Inselplatz geplant. Ebenfalls unberücksichtigt sind im FORUM Räume für
studentische Initiativen. Man wolle aber künftig weitere Räume für studentische Initiativen
schaffen, sobald die organisatorischen Voraussetzungen gegeben sind, so Bär.

Hätte es für die geplanten Veranstaltungen überhaupt neue Räume gebraucht, wo es doch
bestehende Räume gibt? Von Seiten der Uni heißt es, eigene Flächen für Veranstaltungen
seien nur begrenzt vorhanden. Häufig müsse man auf angemietete Flächen ausweichen.
Außerdem gebe es bisher keinen Ort, an dem Austausch und Kooperation über
Fakultätsgrenzen hinweg möglich seien, heißt es in der Antwort der
Hochschulkommunikation an das Akrützel.

Was spricht dagegen, bestehende Räume, wie z. B. Hörsäle oder Seminarräume, für solche
Veranstaltungen zu nutzen? In allen Räumen der Uni kann und sollte ein Austausch über
Fakultätsgrenzen hinweg möglich sein. Neben separaten Tagungen und Workshops sollte es
im universitären Alltag mehr Austausch über Fachgrenzen hinweg geben. Z. B. durch mehr
Lehrveranstaltungen, die für Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen geöffnet sind.
Anstatt sich von diesem Kastendenken zu lösen und bestehende Räume zu öffnen, wird mit
dem FORUM eine neue Blase erschaffen: Der überfachliche Austausch findet dann in der
Blase des FORUMs statt. Die Uni leistet sich ein Elitenprojekt, während an anderen Stellen
mit Auswirkungen auf Studierende gespart wird. Eine räumliche Verbindung zwischen UHG
und Inselplatz kann das FORUM erbauen – aber nicht die inhaltliche Verbindung zwischen
den Fachrichtungen, die es wirklich braucht.

Dieser Text erschien in der Ausgabe Nr. 452, Oktober 2025


Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen