Krimi unterm Korb

Chemnitz erreicht Revanche im Ostderby gegen Jena

Von Florian Sokoll

Thomas Fairley und Ryan De Michael: mit 15 bzw. 14 Punkten und jeweils 8 Rebounds das Rückgrat der Jenaer Mannschaft.                                                             Foto: Florian Sokoll

Im Ostderby der Pro A (ehemals 2. Basketball-Bundesliga) gelang dem BV Chemnitz 99 gegen den Tabellensechsten Science City Jena im Rückspiel in der JenArena vor 1.740 Zuschauern die Revanche. Zwei Punkte Differenz gaben nach 40 emotionsgeladenen Spielminuten den Ausschlag zugunsten des Gastteams aus Sachsen.

Dabei war der Ausgang dieses außerordentlich spannenden Spiels bis zuletzt offen. Nach einer schwachen Aufwärmphase, in der Chemnitz schon nach wenigen Minuten führte, fanden auch die “Hightowers” ins Spiel und dominierten dieses bis in die zweite Halbzeit hinein. Der größeren Ausdauer und Selbstdisziplin der Gäste konnten sie aber letztendlich nicht genug entgegensetzen und so unterlagen sie knapp, aber verdient mit 89:91.

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Denn sie wissen, was sie tun

Wie die Firma MLP versucht, die Studenten auszunehmen

Von Daniel Hofmann

Vor Neppern, Schleppern, Bauernfängern ist man auch an der Uni nicht sicher.                     Foto: Katharina Schmidt

Eine der größten Sorgen des Studenten ist die berufliche Zukunft. Es gibt viele Schritte, die man auf dem Weg zum Traumjob gehen muss. Angefangen bei der Bewerbung bis hin zum finalen Bewerbungsgespräch. Der Uni fehlt es meist an Mitteln, um diesen Bereich der Karriereförderung gezielt zu unterstützen. Unternehmen wie der Finanzdienstleister MLP versuchen diese Lücke zu schließen. Sie bieten Rhetorikkurse und Berufsstarterseminare für interessierte Studenten an – kostenlos. Bleibt die Frage, welche Firma es sich leisten kann, nur im Interesse des Studenten zu handeln.
Der FSU-Student Stefan Schmidt* besuchte die Seminare von MLP und fand sich wenig später mit einem Versicherungsvertrag in den Händen wieder. Angefangen hatte alles mit einem Gespräch auf dem Campus, bei dem er seine Telefonnummer gegen ein kostenloses Berufsstarter-Seminar tauschte. „Sie sagten, sie wären Mitarbeiter der Universität Jena“, berichtet Stefan. Der Wahrheit entsprach das nicht. Eigentlich hatte MLP nicht mal eine Erlaubnis, sich auf dem Uni-Gelände aufzuhalten, um Werbung zu machen. Die Rechtsabteilung der Universität Jena sieht in diesem Fall noch Klärungsbedarf.

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„Helga, mach das Rollo runter“

Wie es als Werber in einer Drückerkolonne ist

Von Nelly Dinter

Heucheln, schleimen, grinsen: Der Beruf des Drückers will gelernt sein.                                Foto: Katharina Schmidt

Alle Mann raus aus dem Auto, ausstreuen und ran an die Haustüren: Klinken putzen für den guten Zweck. Vor dem Klingeln noch schnell die ersten Sätze durchgehen und dann Augen zu und durch: „Schönen guten Tag, wie sind von der Johanniter. Keine Angst, heute nehmen wir keinen mit!“ Gleich in fröhliches Gelächter ausbrechen, damit das gerade aus seinem Alltag geklingelte Gegenüber weiß, dass der flotte Spruch ein Scherz sein sollte. Und bevor die Haustür gleich wieder zufliegt oder der Hausherr einwendet, dass er kein Interesse an einer Spendenmitgliedschaft bei den Johannitern hat, schnell weiterschnattern und sich mit den wichtigsten Argumenten in die Wohnung manövrieren. Wenn der Plan mal wieder nicht aufgeht, durchatmen und es beim Nachbarn versuchen. Und so geht es weiter, im ganzen Haus, auf der ganze Straße, im ganzen Viertel, bis gefühlte 12 Stunden später das Auto wieder Richtung Ferienhaus fährt, in dem alle Werber in diesen Wochen zusammen leben.

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Der große Unbekannte

Ein Jahr Hochschulrat an der FSU – Versuch einer Bilanz

Von Philipp Böhm

In der Öffentlichkeit wurde der Hochschulrat erst ein Mal zusammen gesehen: vor einem Jahr zum Fototermin. Foto: FSU/Scheere

Ein Jahr ist es mittlerweile her, dass an der Universität Jena ein Hochschulrat eingeführt wurde. Er besteht aus zehn Mitgliedern, von denen aber nur drei der FSU angehören. Grund für die Veränderung im Uni-System war das neue Thüringer Hochschulgesetz. Die Idee und der Anspruch dahinter: Externe Fachleute sollten ihre Erfahrungen in die Forschung und Lehre einbringen und Anregungen zur zukünftigen Profilierung der Uni geben. Unter den Mitgliedern, die nicht aus Jena kommen, finden sich neben Professoren und Politikern mit Michael Kaschke, Mitglied des Beirats der Dresdner Bank, und Jürgen Radomski, dem ehemaligen Personalvorstand bei Siemens, auch Vertreter aus Wirtschaftsunternehmen.

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Der gläserne Jenenser

Im Buchhandel werden Adressen von Jenaer Einwohnern verkauft

Von Franz Purucker

Widerspruchsformular mit fertigem Briefkopf auf www.stura.uni-jena.de.                               Foto: Flickr.com/Scoyoblog

Als der Student Mike Niederstraßer in der „Thalia“ zufällig auf das Buch „Jena informiert“ stieß, dachte er zunächst, es sei ein harmloses Werbebuch. Doch als er neben Unternehmenswerbung seine eigene Adresse abgedruckt fand, war er empört. Fast alle Jenaer Bürger sind in „Jena informiert“ abgedruckt – im vorderen Teil alphabetisch nach Nachnamen sortiert, im hinteren Teil nach Straßennamen geordnet. Verzeichnet ist laut Gesetz jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und mit Hauptwohnsitz in Jena gemeldet ist.
Stura-Mitglied Felix Tasch hält das Buch für „einen gefährlichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“. Wer seine Daten in diversen Onlinecommunitys veröffentliche, habe persönlichen Einfluss darauf. Bei diesem Buch wüssten aber viele gar nicht, dass sie darin veröffentlicht seien. Markus Giebe, Vorsitzender des Jenaer Studentenbeirats, forderte die Stadt auf, die Bürger bereits bei der Anmeldung des Hauptwohnsitzes auf die Veröffentlichung ihrer Daten aufmerksam zu machen und auf die Möglichkeit eines Widerrufs hinzuweisen. Die Reaktion der Stadt auf die Forderungen des Studierendenbeirats standen zu Redaktionsschluss noch aus.

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Im Altenheim nichts Neues

Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ im Deutschen Nationaltheater

Von Johannes Weiß

Der Greis ist heiß. Foto: Anke Neugebauer

Eine Überraschung erlebt der nichtsahnende Besucher des Weimarer „Don Pasquale“ bereits dann, wenn die Titelfigur zum ersten Mal den Mund aufmacht. Man singt deutsch. Zugegebenermaßen lässt sich durch den Verzicht auf die sonst übliche Übersetzung in Untertiteln der mitunter turbulente Handlungsverlauf dieser „opera buffa“ Donizettis leichter verfolgen – zumal die Sänger im Allgemeinen gut zu verstehen sind. Dennoch bleiben gewisse Zweifel übrig, ob Operntexte ähnlich wie Gedichte nicht grundsätzlich unübersetzbar seien und ob daher solch schwerwiegende Eingriffe ins Originalwerk überhaupt Sinn ergeben können. Auch in anderer Hinsicht geht die Inszenierung, die am vergangenen Samstag ihre Premiere am Deutschen Nationaltheater Weimar feierte, durchaus frei mit der Vorlage um. Das Regieteam um Roy Rallo legt einen besonderen Akzent auf die Situation des alten Menschen Don Pasquale (Damon Nestor Ploumis), der es seinem Neffen Ernesto (Uwe Stickert) noch mal richtig zeigen will und heimlich Heiratspläne schmiedet.

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Essen für Millionen

Ein Blick in den Kochtopf: Die Abbe-Mensa wird zehn Jahre alt

Von Kristin Haug

72 Kühe pro Semester. Foto: Kristin Haug

8 Uhr: „Wir verarbeiten auch Leichen“, sagt Wolfgang Schubart. Der stellvertretende Küchenleiter der Ernst-Abbe-Mensa erzählt seinen Paradewitz. Er meint natürlich Tierleichen und wenn man über seinen Witz nicht lacht, dann wechselt er schnell das Thema. Schubart sitzt in seinem Büro, weit hinten in der Mensa-Küche, hinter Glaswänden und roten automatischen Schiebetüren, hinter Kellen und Küchengeklirr und einer schwitzenden Heidrun Nowicki. Die teilt gerade das Frühstück aus, klatscht Apfelmus auf Eierkuchen und setzt gekochte Eier in ihre Becher. Die Mensa hat gerade geöffnet und Wolfgang Schubart bestellt am Telefon gefüllte Oliven, Salate und Bananen für die nächsten Tage. Obwohl der Küchenleiter seine weiße Kochmütze trägt, wird er heute nicht kochen, sondern den Arbeitsablauf des Mensa-Teams koordinieren. Eines prophezeit er schon jetzt: „Das Wurstgulasch wird heute der absolute Renner.“
Vor zehn Jahren wurde die Mensa am Abbe-Platz eröffnet. Dreitausend Portionen werden hier von 45 Mitarbeitern täglich ab sieben Uhr zubereitet und verkauft. Zuerst sind Desserts, Salate und Saucen dran, dann Beilagen, zuletzt die Fleisch- und Pfannengerichte. Die Rezepte denkt sich Hans-Jürgen Kirmse aus, der Küchenleiter der Abbe-Mensa. Vier bis fünf verschiedene Gerichte gibt es am Tag. Ein halbes Jahr vorher werden sie geplant und Angebote dafür eingeholt.

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Niemand sagt: “Hallo, ich bin Nazi”

Interview mit dem neuen Referenten gegen rechts Berengar Lehr

Das Gespräch führte Jonas Janssen

Im Dezember 2008 beschloss der Stura die Einrichtung eines Referats gegen Rechtsextremismus. Vergangene Woche wurde Berengar Lehr zum Leiter des Referats gewählt; AKRÜTZEL sprach mit ihm über Rechtsextremismus an der Uni, Initiativen und das Verhalten der Studenten.

Berengar Lehr. Foto: Jonas Janssen

Gab es einen konkreten Anlass das Referat ins Leben zu rufen?

Nein, es war einfach an der Zeit. Das Menschenrechtsreferat, bei dem die Arbeit gegen Rechtsextremismus vorher angesiedelt war, hat nicht beides erledigen können und da kam der Wunsch auf, das Referat zu gründen. Sicher ist seit dem ersten „Fest der Völker“ auch zusätzlich Bewegung in die Stadt gekommen, aber eigentlich wäre es schon viel früher Zeit für ein Referat gegen Rechtsextremismus gewesen.

Und von wem ging die Initiative aus?

Die Idee hatten Sturaktiv und die Jusos, es waren auch schnell viele „Ungebundene“ von der Idee überzeugt.

Über den Namen des Referats wurde im Stura lange diskutiert, wieso?

Die eigentliche Idee war, es „Antifaschistisches Referat“ zu nennen. Da aber eine Gruppe (aus den Reihen des RCDS, Anm. d. Red.) im Stura ein Problem mit dem Wort Antifaschismus hatte, kam es zur Diskussion. Faschismus sei nicht auf Nazis begrenzt und eigentlich nur die Beschreibung einer italienischen Regierungsform, wurde da theoretisiert, außerdem würde es an die DDR mit ihrem staatlich verordneten Antifaschismus erinnern. Es wäre zudem genauso wichtig, sich auch gegen Linksextremisten zu engagieren. Ich halte diese Gleichsetzung von rechts und links, die auch von der Landesregierung gerne verwendet wird, für höllisch gefährlich.

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