Der akademische Männerclub

Professorinnen sind noch immer eine Seltenheit an der Uni Jena – die Gründe dafür sind vielfältig

Von Ulrike Schiefelbein und Sarah Striedl




Seltener Anblick in der Professorenschaft
Foto: Marco Fieber

Nicht nur zur Fußball-WM herrscht an der Uni Jena ein Testosteron-Überschuss. Wer an der Physikalisch-Astronomischen oder der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät studiert, wird keine einzige Professorin zu Gesicht bekommen – und das obwohl an letzterer beispielsweise etwa genau so viele Studentinnen wie Studenten immatrikuliert sind.

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Pro/Contra: Frauenquote

Zwei Meinungen zu einer Frauenquote an der Universität

Von Laura Wesseler/Franziska Puhlmann

Her mit der Quotenfrau!/div>

Die Uni – ein Hort der Gleichberechtigung. Fernab der Männerbünde von Politik und Wirtschaft und bereit für jede hochqualifizierte Frau, die willens ist, den langen Kampf durch den Dschungel des Hochschulbetriebs zu wagen. So weit zur Theorie. Schließlich sind wenigstens 50 Prozent der Hochschulabsolventen Frauen, auch bei den Doktoranden und Doktorandinnen sieht das Verhältnis mittlerweile ähnlich gut aus. Danach trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen, pardon, der Mann von der Frau und eine erschreckende Bilanz offenbart sich. An der Uni Jena machen die Professorinnen nur 10 Prozent der gesamten Professorenschaft aus. Bei diesem Missverhältnis stehen einem nicht nur die Haare zu Berge, man hat auch den Eindruck, dass Frau, egal wie sehr sie sich auch bemühen mag, ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter kommt.
Folgerichtig brauchen wir eine Frauenquote. Es muss ein Mindestanteil von Professorinnen an der Hochschule festgelegt werden, damit der Frauenanteil auf den höheren Stufen der Karriereleiter nicht mehr so drastisch absackt. Dadurch könnten endlich altvordere Strukturen aufgebrochen sowie eine gewisse Normalität der Vereinbarung von Beruf und Familie geschaffen werden. Frauen erbringen in Wissenschaft und Lehre die gleiche Qualität wie Männer. Allerdings müssen die alten Herren an den Universitäten anscheinend dazu gezwungen werden, gleich viele Frauen wie Männer einzustellen. Natürlich können Frauen schwanger werden und die lange Phase der Habilitation fällt zufällig genau in den Zeitraum der potentiellen Familienplanung. Dies darf aber kein Argument gegen die Einstellung von Frauen sein, sondern für die Schaffung neuer Strukturen, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten. In Schweden oder den USA sind Frauenquoten an Universitäten zu Recht eine Selbstverständlichkeit. Den Mut, ein Mindestmaß von 40 Prozent Frauenanteil bei den Professorenstellen festzulegen, hat an den ehrwürdigen Universitäten Deutschlands jedoch niemand.
Kritiker sprechen gerne von der „Quotenfrau“. Der Begriff setzt voraus, dass eine Frau nur in ihre Position gelangt ist, weil dies durch die Quote festgelegt wurde. Ein ähnlicher Vorwurf entstünde aber auch bei weniger rigiden Alternativen wie der finanziellen Bezuschussung eines Fachbereichs pro eingestellte Frau. Hier gäbe es schließlich den Verdacht, die Frau sei nur wegen des Geldes eingestellt worden. Es führt also kein Weg an der Quote vorbei. An den Hochschulen muss endlich verstanden werden, dass sich „die Sache mit den Frauen“ eben nicht von selbst regelt. Wie wunderbar dieses Prinzip funktioniert, zeigt sich in der Wirtschaft, da sieht es in den Führungsetagen nämlich noch düsterer aus.­

Rückschritt für die Gleichberechtigung

Jahrmarktstimmung in der Forschung. Zu gewinnen ist die Berufung als Professorin. Das Los zum Glück: eine pauschale Frauenquote? Was für ein Abenteuer!
Lässt man sich aber einmal auf dieses Gedankenspiel ein, so stellt sich schnell die Frage, wie eine solche Lösung denn funktionieren soll.
Denn die Quote trägt ja in keiner Weise den Gegebenheiten an den Hochschulen Rechnung; zu unterschiedlich ist die Situation in den Fachdisziplinen. Während einige Fakultäten in puncto Professorinnenanteil gut dastehen, ist dieser in anderen Gebieten praktisch nicht vorhanden. Bei einem solch unterschiedlichen Nachholbedarf scheint es beinahe unmöglich, in allen Fakultäten gleiche Voraussetzungen herzustellen, um die Wirkung einer derart starren Regelung sicherzustellen.
Auch verzerrt sie den Maßstab akademischer Karrieren, denn im Fokus steht nunmehr das Geschlecht des Bewerbers statt dessen Qualifikation. Das ist gefährlich. Es ist gefährlich für wissenschaftliche Exzellenz und damit für den Fortschritt in der Forschung und Lehre. Wissenschaft benötigt Talent und kein Mitleid! Aber viel bedeutender ist, neben diesem drohenden Prestigeverlust, dass die Regelung schon den Kern des Problems nicht erfasst.
In vielen Disziplinen fehlt schlichtweg der weibliche Nachwuchs. Was nützt eine starre Quote, wenn es zu wenige Frauen gibt, die überhaupt eine Karriere in der Forschung anstreben? Wozu bitte eine Quote, wenn niemand da ist, den man zur Professorin berufen könnte? Im besten Fall erreicht sie wohl die Berufung der Frauen, die dies ansonsten aufgrund mangelnder Qualifikation nicht geschafft hätten.
Am gravierendsten ist die Problematik einer Quotenregelung aber für die Professorinnen selbst. Nicht zu unterschätzen ist nämlich, dass hochqualifizierte Frauen dem pauschalen Verdacht ausgesetzt werden, „Alibi-Professorinnen“ zu sein. Akademikerinnen droht, trotz jahrelanger erfolgreicher Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung automatisch den Stempel „Quotenfrau“ aufgedrückt zu bekommen. Das ist ein Resultat, das bitter ist und eine gewisse Ironie in sich trägt.
Unter diesen Bedingungen will doch keine ehrgeizige und selbstbewusste Frau Professorin werden. Die Frauenquote scheint daher eher eine Abschreckung der potentiellen Professorinnen zu sein, als dass sie als Werbekonzept gelingt.
So entlarvt sie sich als eine völlig überflüssige Mogelpackung, die die Situation nur noch verschärft. Also keine Chance für Personalpolitik nach dem Prinzip „Jubel, Trubel, Heiterkeit“!

Der lange Atem des Protests

Der Bildungsstreik geht weiter – trotz geringer Beteiligung

Von Charlyn Koch




Foto: Marco Fieber

„Kein Gott, kein Staat, kein Rektorat!“, hallte es am Mittwoch, den 9. Juni, durch Jenas Straßen, passenderweise genau zwischen dem Unihauptgebäude, diversen Polizeiwagen und der theologischen Fakultät – der Bildungsstreik hatte wieder begonnen. Etwa 500 Studenten begaben sich auf die Straße, um für ihr Recht auf „selbstbestimmtes Leben und Lernen“ zu demonstrieren. Die Forderungen waren ähnlich geblieben, konzentrierten sich dieses Mal aber vor allem auf die Master-Plätze und die Erhöhung der Bafög-Leistungen: „Wir lassen nicht locker“, hieß es in der Bildungsstreikbroschüre des Sturas. Trotz deutlich gesunkener Teilnehmerzahlen trat der Zug der Protestierenden doch teilweise lautstark und entschlossen in Erscheinung. Die Unileitung hatte dafür, wie zu erwarten war, wenig Verständnis.

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Tiefergelegte Synapsen

Ritalin & Co. als Gehirndoping für Uni-Prüfungen

Von Stefan Montag



Die neue Lernhilfe: Ritalin, Betablocker oder Levadopa?

Foto: Katharina Schmidt

Vor der Prüfung schnell ein paar Pillen einwerfen und schon läuft es rund. Die eigene Leistung frisieren und den großen Wurf landen. Ist es tatsächlich so einfach? Um sogenannte „Smart Pills“ wie Ritalin hat sich ein regelrechter Hype entwickelt. Inzwischen ist aber Ernüchterung eingekehrt.
Alle vermeintlich leistungssteigernden Medikamente wurden eigentlich für ganz andere Aufgaben entwickelt: das berüchtigte Ritalin für Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Beta­blocker gegen Herzinfarkte, Levadopa gegen Parkinson und so weiter. Speziell bei Ritalin können noch kaum Aussagen über mögliche Langzeitfolgen gemacht werden – besonders nicht bei Gesunden.

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Von zwitschernden Gigolos

Uni-Professoren und ihre Internet-Auftritte

Von Anna Zimmermann



Traditionelle Trachten sind voll out. Der moderne Prof von Welt gibt sich lieber ausgeflippt und trendy.

Foto: Peyri Herrera / flickr.com

Ein bisschen Selbstdarstellung gehört einfach dazu. Man stolziert herausgeputzt durch die Thulb, rekelt sich im kürzesten Rock mit der angesagtesten Sonnenbrille auf dem Campus und de­signt seine Facebook- und StudiVZ-Profile in liebevoller Kleinarbeit. Mindestens eine Internetseite, die der Selbstdarstellung dient, hat wohl jeder. Sie soll die eigene Persönlichkeit wiedergeben, individuell und hip sein und zeigen, an welchen exotischen Orten man in den letzten Semesterferien am Strand gelegen hat. Diesem Phänomen scheinen auch Dozenten erlegen zu sein.

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Angstraum Gera

Neonazis planen das nächste „Rock für Deutschland“ im Juli

Von Philipp Böhm



Der Auftritt der „Lunikoff-Verschwörung“ beim letzten „Rock für Deutschland“

Foto: Infothek Dessau

Über die Politik von Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter kann man sich streiten. Tatsache ist, dass er gegen Neonazis in Thüringen stets deutlich Position bezog. Das missfiel wohl einigen von ihnen: „Wanted: dead or alive“, wurde vor einigen Tagen an Schröters Hauswand gesprüht, darunter prangte sein Gesicht. Dieser Einschüchterungsversuch ist nur ein Teil einer ganzen Reihe von Nazi-Schmierereien, die sich vermehrt auch an Jenaer Schulen finden. Ein Zeichen dafür, dass die rechtsradikale Szene in der Saalestadt trotz Räumung des braunen Hauses noch immer aktiv ist.

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