„Ein zartes Pflänzchen“

Dietrich Schulze im Gespräch über die Zivilklausel

Das Gespräch führte Kay Abendroth




Schulze ist Beiratsmitglied der Naturwissenschaftler-Initiative „Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit“. Ab 1966 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und von 1984 bis 2006 Betriebsratsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe, heute Teil des Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Er hat die „Initiative gegen Militärforschung an Universitäten“ mitgegründet. Mit Akrützel sprach er über die Verantwortung des Einzelnen, das Prinzip „dual-use“ und die internationale Entwicklung.

Foto: Privat

Was bringt eine Zivilklausel überhaupt?

Ohne eine solche Klausel können immer alle sagen: „Freiheit der Forschung und Lehre! Klar, dass wir auch Militärforschung betreiben können.“ Wenn durch Selbstverpflichtung eine Zivilklausel existiert, werden Forschung und Lehre für militärische Zwecke unterbunden. Darauf können sich dann alle berufen. Sie ist ein Mittel gegen die zunehmende Militarisierung der Hochschulen und ein würdiger Beitrag gerade dieses Landes – 66 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg.

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Spurensuche

Politisch motivierte Kunstaktion mit Folgen

Von Janina Rottmann




Der Name „Industrielle Reserve-Armee“ ist von einer lokalen Zeitarbeitsfirma und marxistischen Lehren inspiriert.

Foto: Katharina Schmidt

Seit drei Wochen streifen Unsichtbare durch Jena. Auf ihrem Weg durch die Innenstadt passieren sie mit großen Schritten einen Friseur, eine Zeitarbeitsfirma und machen Halt vor den hölzernen Toren der Universität. Am Ende ihres Weges erreichen sie die Agentur für Arbeit. Der Regen hat mittlerweile zwar viele ihrer Fußspuren verwaschen und auch ihre in Beton gegossenen Schuhe, die sie feinsäuberlich an jenen Orten hinterließen, wurden bereits entfernt. Dennoch sorgt ihre Reise im Moment noch für einiges Aufsehen.
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Im Hintergrund verschwinden

Als Komparsin beim Filmdreh von Juli Zehs „Schilf“

Von Anna Zimmermann




Physiker spielen ist gar nicht so einfach. Die Darsteller hatten große Probleme sich die komplizierten Formeln zu merken.

Foto: flickr.com/erwist

Papierlampions in zarten Pastelltönen flattern im Wind über dem Botanischen Garten, Wiesenblumen neigen ihre Köpfe auf die weißen Tischdecken und kleine Büsche umrahmen den mit weißen Kieseln bestreuten Platz. Auch wenn erst wenige der Pflanzen in den Rabatten blühen, wirkt alles sommerlich leicht. Eine Klischeehochzeit, denkt man sich, die Gäste lassen die Gläser klirren und schwatzen. Als das Brautpaar die Treppen empor schreitet, Arm in Arm, fliegen Blütenblätter durch das Bild – Wiesenblumen natürlich, alles muss zusammenpassen und leicht und jugendlich wirken – Reis verfängt sich in den Haaren des Bräutigams, die Braut strahlt. Sie lacht, wiegt sich in den Armen ihres Mannes, lacht und lacht, Reiskörner fliegen. Obwohl sich das Bild bewegt, ist es wie eingefroren, Bewegungen und Gesten wiederholen sich. Ich stehe unter den Gästen und meine Mundwinkel schmerzen schon. Immer wieder stoßen wir auf das Wohl des Paares an und ich muss aufpassen, dass ich nicht vergesse, meine Luftschlange aufzublasen. Ich friere, denn Sommer vermitteln nur die Bilder. In Wahrheit ist es kalt. „Danke! Das war sehr schön! Aber noch ein bisschen ausgelassener, bitte!“, ruft in diesem Augenblick die Regisseurin. Noch einmal von vorn also, noch einmal und noch einmal, aber erst, wenn die Sonne wieder hinter den Wolken hervorkommt.
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Zu provinziell

Jena scheitert beim Versuch Elite-Uni zu werden

Von Korenia Eschert und Anna Zimmermann

Zur Zeit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika herrschte in den Kolonien eine immens hohe Lese- und Schreibfähigkeit. Konnten in Übersee etwa 75 Prozent der Menschen lesen und schreiben, waren es im Europa das 18. Jahrhunderts nur etwa 30 Prozent. Allein aufgrund dieser hohen Alphabetisierungsrate konnte die amerikanische Revolution von der breiten Masse der Bevölkerung getragen werden. Bildung wurde zur Voraussetzung der Unabhängigkeit. Universitäten, die sich in dem neuen Staatenbund herausbildeten, zählen heute zu den renommiertesten und angesehensten der Welt. Im Hochschulranking der Times von 2010 sind die ersten fünf Plätze von US-amerikanischen Universitäten belegt, die beste deutsche Hochschule, die Uni Göttingen, erreichte nur Platz 43.
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„Ein rein ideologischer Begriff“

Ein Kritiker der Exzellenzinitiative im Gespräch

Philipp Böhm




Nicht alle deutschen Universitäten verfügen über die gleichen Ausgangsbedingungen für die Exzellenzinitiative.

Foto: FLICKR.com/zantHIA

Torsten Bultmann ist Mitglied des „Bunds demokratischer Wissenschaftler“ (BdWi) und langjähriger Kritiker der Exzellenzinitiative. Mit Akrützel sprach er über die Ungleichheit in der deutschen Hochschullandschaft und warum es in Deutschland kein Harvard geben wird.


Auf den ersten Blick wirkt doch das Konzept der Exzellenzinitiavie vielversprechend: Die besten Universitäten werden zusätzlich gefördert, was zu einer Verbesserung der Forschung führt. Was stört Sie daran?

Auffällig ist ja zunächst einmal, dass es die reichsten Universitäten sind, die hier gefördert werden – also nur ein sehr kleiner Teil des universitären Spektrums überhaupt. Ob es darüber hinaus die Besten sind, ist zumindest umstritten. Was man sagen kann: Dass diese Universitäten über die besten materiellen Leistungsbedingungen verfügen und deswegen auch im Sinne eines betriebswirtschaftlich messbaren wissenschaftlichen Outputs mehr „leisten“ können. Das ist aber eher eine sich selbst erfüllende Prophezeiung und kein Wettbewerb mit gleichen Ausgangsbedingungen.
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Der Sommer soll kommen

20 Jahre Kulturarena

Von Anna-Sophie Heinze




Ein neuer Sommer und wieder sind die Erwartungen hoch: Wer kommt wohl diesmal, um auf dem Theaterplatz zu spielen?

Foto: Kulturarena

Runde Geburtstage verursachen häufig eine Vielzahl von Gefühlen – darunter feierliche und andächtige. Während die meisten Geburtstagskinder ihre Nostalgie erfolgreich verbergen können, zieht sich bei den Organisatoren der Kulturarena ein zurückblickendes, aber stolzes Lächeln durch die Reihen. Diese Zufriedenheit ist dabei durchaus berechtigt, denn das Programm des Open-Air-Festivals kann sich auch dieses Jahr sehen lassen. Immerhin 58 Veranstaltungen werden das kulturelle Nachtleben Jenas vom 7. Juli bis zum 21. August bereichern. Das bunte Programm setzt sich aus einem mutigen, aber interessanten Mix aus Musik, Film, Theater und Comedy zusammen.
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