Mit starkem Willen

Studienalltag mit Handicap

Von Laura Wesseler und Anna Zimmermann




Nach Angaben des statistischen Bundesamtes gilt unter den 25- bis 35-Jährigen jeder 48. als schwerbehindert.

Foto: Katharina schmidt

Marcus Kietzer lacht viel. Er ist Sportstudent, durchtrainiert und sitzt im Rollstuhl. Mittlerweile seit über einem Jahr. Auf einer Skitour mit der Universität verschätzte er sich im Tempo, fuhr direkt auf einen Pfahl zu und konnte nicht mehr ausweichen. Die Folgen waren schwerwiegend: Operation in Salzburg, ein halbes Jahr Klinik in Tübingen. Mittlerweile studiert er wieder, aber unter völlig anderen Bedingungen. Marcus ist querschnittgelähmt, sein ganzes Leben hat sich verändert.
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„Ich zeichne, also denke ich“

Cartoonisten bringen Philosophie aufs Papier

Von Janina Rottmann




Cartoonist Volker Dornemann karikiert Kants Kritik der reinen und der praktischen Vernunft sowie der Urteilskraft am Beispiel von Steinen.

Platon trägt Plateauschuhe. Mit zerzaustem weißem Haar und dickem Wälzer unter dem Arm richtet er seinen verplanten Blick auf den Betrachter. So präsentiert ein Zeichner in der Ausstellung „Das Philosophieprojekt – ,Ich zeichne also denke ich‘“ in der Galerie des Stadtspeichers den antiken Gelehrten. Auch Denker wie Kant oder Nietzsche bleiben nicht verschont. „Gott ist tot“, schnaubt Letzterer auf dem riesigen Zeigefinger des Herrn stehend. „Nein, du bist tot“, hält dieser ihm nüchtern entgegen.
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„Nicht bereit abzudrücken“

Interview mit einem ehemaligen Bausoldaten der DDR

Das Gespräch führte Jan-Henrik Wiebe



Foto: Jan-Henrik Wiebe

Vor 21 Jahren verließ der letzte Bausoldat die Kaserne in Prora. Die DDR-Regierung hatte am 1. März 1990 beschlossen die Bausoldaten-Verordnung von 1964 zu ersetzen. Bausoldaten waren die Wehrdienstverweigerer in der DDR, welche zwar keine Waffen bedienen mussten, aber eine ähnliche Ausbildung wie normale Soldaten bekamen und teilweise auch militärische Gebäude bauen mussten. Zu erkennen waren sie an einem Spaten auf den Schulterklappen ihrer Uniform. Im Jenaer Rathaus zeigt eine Ausstellung mit dem Titel „Briefe von der waffenlosen Front“ seit dem 21.5. Briefe der Spatensoldaten. Noch bis zum 30.6. kann die Ausstellung besucht werden. Akrützel traf den Initiator Andreas Ilse, der früher selbst Bausoldat war. Heute ist er Regionalbetreuer beim Bundesamt für Zivildienst in Thüringen.

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Jährlich grüßt die Tarnliste

Vorwurf der Täuschung geht wieder um: Stura-Wahl rückt näher

Von Johanne Bischoff und Kay Abendroth




Stabheuschrecken sind besonders gut darin, sich im Dickicht zu verstecken. Diese Mimikry scheint sich auch mancher Stura-Anwärter zum Vorbild zu nehmen.

Foto: flickr.com/dracophylla

Was bisher vor allem dem konservativen Lager angelastet wurde, trifft nun auch linke Gruppen. Listennamen, heißt es, machen den politischen Hintergrund nicht kenntlich und führen die wählenden Studenten in die Irre.
An der rechtswissenschaftlichen Fakultät hat der rechtskonservative RCDS zum Angriff gegen die so genannten Tarnlisten geblasen. Konkret geht es um die mit drei Personen besetzte Liste „Jura in den Stura“, die gegen die Liste „RCDS and friends“ antritt. Belma Avcu und Kai Bekos von der erstgenannten Liste gehören der linken Hochschulgruppe SDS an. Bekos ist auch Vorsitzender des Stadtverbandes der Partei Die Linke.
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Ein Bekenntnis zur pazifistischen Universität

Die FSU soll eine Zivilklausel erhalten um damit ein Zeichen gegen militärische Forschung zu setzen

Von Marco Fieber und Jan-Henrik Wiebe



Foto: Daniel Hofmann

Nach der Tötung bin Ladens waren die Ereignisse vom 11. September 2001 plötzlich wieder präsent: das einstürzende World Trade Center und die darauf folgenden weltweiten Terrorwarnungen – auch vor biologischen Angriffen. Abseits des medialen Fokus’ stockte Deutschland damals den Bestand an Pockenimpfungen auf. Das Auftreten der Krankheit wurde zum letzten Mal 1977 dokumentiert, die Impfungen hierzulande bereits 1975 ausgesetzt, doch plötzlich schien die Sicherheit bedroht. „Man dachte, dass es wieder gefährlich werden könnte“, sagt Professor Andreas Sauerbrei vom Institut für Virologie und Antivirale Therapie an der FSU. Der Facharzt für Medizinische Mikrobiologie berichtet weiter, dass daraufhin die Bundeswehr auf das angesehene Forschungsinstitut zukam, um dort hunderte neue Substanzen testen zu lassen.
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„Ein zartes Pflänzchen“

Dietrich Schulze im Gespräch über die Zivilklausel

Das Gespräch führte Kay Abendroth




Schulze ist Beiratsmitglied der Naturwissenschaftler-Initiative „Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit“. Ab 1966 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und von 1984 bis 2006 Betriebsratsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe, heute Teil des Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Er hat die „Initiative gegen Militärforschung an Universitäten“ mitgegründet. Mit Akrützel sprach er über die Verantwortung des Einzelnen, das Prinzip „dual-use“ und die internationale Entwicklung.

Foto: Privat

Was bringt eine Zivilklausel überhaupt?

Ohne eine solche Klausel können immer alle sagen: „Freiheit der Forschung und Lehre! Klar, dass wir auch Militärforschung betreiben können.“ Wenn durch Selbstverpflichtung eine Zivilklausel existiert, werden Forschung und Lehre für militärische Zwecke unterbunden. Darauf können sich dann alle berufen. Sie ist ein Mittel gegen die zunehmende Militarisierung der Hochschulen und ein würdiger Beitrag gerade dieses Landes – 66 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg.

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