„Viele kleine Schritte“

Im Gespräch über Wege zur Nachhaltigkeit: Professor Schaltegger

Das Gespräch führte Jan-Henrik Wiebe




Was tun Universitäten und Unternehmen für die Nachhaltigkeit und was steckt eigentlich hinter diesem Begriff? Das Akrützel sprach mit Prof. Dr. Stefan Schaltegger von der Leuphana-Universität Lüneburg, dem Leiter des Forschungszentrums für Nachhaltigkeitsmanagement an der einzigen nachhaltigkeitswissenschaftlichen Fakultät in Deutschland und Gründer des ersten MBAs für Sustainability Management.Foto: Utopia, R. Stalla

Was ist die Philosophie hinter dem Nachhaltigkeitsmanagement?

Darunter verstehe ich die integrative Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte in der Unternehmensführung. Dabei geht es erstens darum, eine Organisation nachhaltig zu entwickeln und sie zweitens zu befähigen, einen konstruktiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten.
weiterlesen…

Studentenferne Orte Teil 25

Das Literatencafé

Von Nadja Demel




Treffen bei Schillerlocken und GoethegedichtenFoto: Katharina Schmidt

„Liebst du das Leben? Dann verschwende keine Zeit“, rät eine der vielen Spruchtafeln an der gelben Hauswand eines Cafés unterm Markt. Zwischen Drogerie und Frisör macht man sich für gewöhnlich eher andere Gedanken. Nicht so im Literatencafé, das die Jenaer Bürger über Lebensweisheiten wie „Am Werke erkennt man den Meister“ oder „Dein Leben ist das, was deine Gedanken daraus machen“ schmunzeln lässt.
Viele Studenten vermuten zunächst, dass sich hier besonders intellektuelle Kaffeefreunde zum stundenlangen Philosophieren und Nachsinnen treffen. Geht man dann doch einmal hinein, wird man schnell feststellen, dass sich hier eine sehr gemischte Kundschaft zum Kaffeekränzchen versammelt.
weiterlesen…

„Noch Verliebtheitsphase“

Die neue Theaterleitung im Gespräch über ihre Pläne




Anne Dünger mit Jonas Zipf und Matthias Znidarec (v.l.)

Foto: Maria Hoffmann

Im Jenaer Theaterhaus tut sich wieder einiges. Das Leben kehrt nach der Spielpause zurück. Neue Köpfe machen sich Gedanken über Konzepte, Stücke und Resteverwertung und neue Schauspieler kommen passenderweise mit Bohrmaschine und Wasserwaage bepackt zum Interview. Jonas Zipf und Matthias Znidarec nahmen sich zwischen Proben und Bauarbeiten Zeit, um dem Akrützel im Theatercafé Rede und Antwort zu stehen. Alte Freundschaften und neuer schauspielerischer Tatendrang zogen Matthias nach Jena. Jonas ist jetzt künstlerischer Leiter und will zusammen mit der ganzen Truppe zwischen Faust und Frankenstein die Bestie Mensch das Weinen lehren.
Kaum haben wir uns im Café niedergelassen, beginnt Jonas, noch bevor Matthias auftaucht, das Gespräch über Selbstausbeutung, freies Theater und Sanduhren.

weiterlesen…

Nachts im Museum

Von Dirk Hertrampf



Foto: Katharina Schmidt

Stille. Ein Gut, dessen Angebot um zwei Uhr morgens fast überall seine Nachfrage übersteigt. Doch wenn die Akrützelredaktion von Sonntagnacht (oder – für die Spitzfindigen – Montagmorgen) einem Bienenkorb während eines Hornissenangriffs gleicht, dann ist eine ruhige Ecke selbst mit Gold nicht aufzuwiegen. Zum Glück gibt es eine Treppe tiefer den großen UHG-Innenhof. Tagsüber oft nur knapp hinter dem Times Square, was den Grad der Geschäftigkeit angeht, herrscht hier nach Sonnenuntergang beinahe der absolute akustische Nullpunkt.
weiterlesen…

Der Geist besiegt den Körper: Sartres gel(i)ebte Freiheit

Wie der Philosoph auch ohne körperliche Reize die Frauen anzog

Das Gespräch führte Maria Hoffmann




Peter Knopp ist Mitgründer und Vizepräsident der Sartre-Gesellschaft. Eigentlich ist er Mathematiker, aber seit 40 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Philosophen und Literaten. Die polyamoren Neigungen Sartres werden immer wieder in Berichten thematisiert. Mit Akrützel sprach Knopp über Sartres Liebesleben, dessen „Gefummel“ und das fehlende Verantwortungsbewusstsein gegenüber Simone de Beauvoir und seinen Geliebten.
Foto: Privat

Wenn Sie Sartres Persönlichkeit betrachten, können Sie bestätigen, dass er polyamore Neigungen hatte?

Ja, aber man muss natürlich erklären, woher das kommt. Sartre war äußerlich gesehen nicht sehr attraktiv. Er war klein, er schielte, er war hässlich. Wie ein kleines Wurzelmännchen sah er aus. Als seine Mutter sich wieder verheiratete, hat der Stiefvater ihm mal gesagt: „So wie du aussiehst, wirst du nie eine Frau bekommen.“ Da war er zwölf. Das war für ihn ein Trauma. Er hat nun alles versucht – energisch, klug und intelligent wie er war. Er wollte dieses Urteil abwerfen und Frauen erobern. Wenn er sie dann erobert hatte, hat er sie nicht beiseite geschoben, sondern auch das getan, was man eben so tut. Aber das war für ihn nicht der Hauptpunkt. Das war kein Trieb, sondern der Wunsch eine Frau, trotz seiner Hässlichkeit, für sich zu gewinnen. Sartre hat versucht, seine Hässlichkeit zum Verschwinden zu bringen: durch Intelligenz, Charme und Warmherzigkeit. weiterlesen…

„Nicht legal, aber legitim“

Ein Gespräch über zivilen Ungehorsam

Das Gespräch führte Johanne Bischoff




Christoph Ellinghaus arbeitet als Gewerkschaftssekretär für die IG Metall und hat in den letzten zwei Jahren für das Aktionsnetzwerk gegen Rechts die Proteste in Dresden mitorganisiert. Mit Akrützel sprach er über Dresden, Repressionen durch die sächsische Politik und zivilen Ungehorsam.
Foto: Privat

Warum wird in Dresden demonstriert und was ist das Besondere an diesem Ort?

Weil Nazis in Dresden weitestgehend ungestört seit mehr als zehn Jahren um den 13./14. Februar demonstrieren, ist die Stadt zum Kulminationspunkt von Naziprotesten und zivilen Ungehorsam geworden. Anlass ist die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten. Anders als in allen anderen Städten der BRD ist das Thema nie aufgearbeitet worden und es wurde nie klargestellt, dass das ganze eine Ursache hat, dass der Krieg von Deutschland ausging und mit der Bombardierung eben zurückkam. Diese Bombardierung wurde in der lokalen Geschichtsschreibung exkludiert. Keine Stadt im Nationalsozialismus war unschuldig. weiterlesen…