Polanskis Bleibe

Wo im Film der Gott des Gemetzels zuhause ist

Von Christian Fleige




Noch stehen die Fassaden der antrainierten Großstadthöflichkeit.Foto: Szenenbild / Constantin Film

Eine Wohnung ist ein „meist aus mehreren Räumen bestehender, nach außen abgeschlossener Bereich in einem Wohnhaus, der einem Einzelnen oder mehreren Personen als ständiger Aufenthalt dient.“ So steht es im Duden. Dort lassen sich jedoch auch Synonyme finden, die der Definition, die so unterkühlt wie eine Betonfassade daherkommt, ein wenig Wärme schenken: Refugium, Domizil oder Zuflucht. Begriffe, die verdeutlichen, dass die Wohnung Heim und Schutz ist.
Der Filmemacher Roman Polanski kann mit diesem romantischen Sicherheitsmotiv, so scheint es, wenig anfangen: Die Wohnungen in seinen Filmen sind oftmals Monster.
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Stimmen im Nebel

„Betaville“ im Kulturbahnhof

Von Janina Rottmann




Eingehüllt von der radioaktiven Wolke sind Androiden erst auf den zweiten Blick zu erkennen.Foto: Theaterhaus Jena

Es begann mit einem Krieg. In dessen Verlauf legte sich eine radioaktive Wolke um die Erde und machte sie so in großen Teilen unbewohnbar. Um zu überleben, muss die Menschheit den Mars besiedeln. Androiden, den Menschen nachgebildete Maschinen, werden ihnen dabei als Hilfe zur Seite gestellt. Diese sind lernfähig und unterscheiden sich bald weder in Intelligenz noch Aussehen von ihnen. Einzig ihre mangelnde Empathiefähigkeit hilft, sie zu erkennen.Obwohl auf der Erde verboten, leben viele von ihnen unerkannt unter den Menschen.
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Zurückgedrängt, aber besser organisiert

Auffällig unauffällig – Jenas rechte Szene aktuell

Von Jan-Henrik Wiebe, Kay Abendroth, Johanne Bischoff




Blick durch den Zaun in den Hof des Braunen Hauses.Foto: Jan-Henrik Wiebe

Jena auf den Titelseiten. Jena in den Nachrichten. Jena ist, wie wir inzwischen wissen, die Geburtsstätte einer Terrorzelle, die jahrelang aus dem Untergrund morden konnte. Jetzt fragen sich einige, wie das kommen konnte. Der JG-Stadtmitte wird die Tür eingerannt, diesmal nicht von der sächsischen Polizei, sondern von zahlreichen Journalisten. Auch ein Teil der ZDF-Aspekte-Redaktion ist nach Jena gekommen, um sich mit dem deutsch-bengalischen Autor Steven Uhly aus München, der nicht so oft in den Osten der Bundesrepublik kommt, umzusehen. Der Beitrag stellt Jena als einen Ort der Angst dar, an dem sich Menschen mit Migrationshintergrund nicht frei bewegen können. Auch das Akrützel hat sich in Jena umgeschaut.
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„Nicht der Endpunkt“

Ein Interview mit dem Gründer des Nazi-Ausstiegsprogramms Exit

Das Gespräch führte Johanne Bischoff




Bernd Wagner gründete vor mehr als 20 Jahren Exit, eine Inititative, die Nazis beim Ausstieg aus der Szene begleitet. Inzwischen sind mehr als 430 Austeiger betreut worden. Dabei sind die Schattierungen der Ideologie vielseitig: Vom klassischen Neonazi über Rechte aus der Rockerszene bis hin zu Nazisatanisten hat Wagner schon vielen geholfen. Mit Akrützel sprach Bernd Wagner über den Weg aus der Szene, die Konsistenz des „rechten Weltbildes“ und die gut gelungene T-Shirt-Aktion beim „Rock für Deutschland“.Foto: privat

Wie ist Exit entstanden und was ist die Idee dahinter?

Ich habe 1990 eine Abteilung als Kriminalpolizeioffizier beim Staatsschutz übernommen. In meiner Arbeit habe ich einige Personen aus der Naziszene kennengelernt. Die hatten Straftaten begangen und wurden dafür verurteilt. Trotzdem habe ich bei denen gesehen, dass das nicht der Endpunkt ihres Lebens war. Einige haben signalisiert, dass sie die Szene verlassen wollen, aber alleine nicht können. Die brauchten Unterstützung, angefangen bei jemandem, der ihnen zuhört. Das Wichtigste aber ist, dass sie sich mit ihrer verbrecherischen Ideologie auseinandergesetzt haben. So haben sie begriffen, dass ihr Weg ein falscher ist. Es ist dann sinnvoll, ihnen bei ihrem Neuanfang zu helfen.
Ich bin später bei der Polizei ausgeschieden, habe dann im Bereich der Beratung in Sachen Rechtsextremismus gearbeitet und nebenbei Leute auf dem Weg aus der Szene begleitet.
Im Jahr 2000 habe ich dann mit Ingo Hasselbach, einem ehemaligen Naziführer aus Berlin, die Initiative gegründet, um eine Systematik in die Arbeit zu bringen. Zweifelnde Neonazis sollten die Möglichkeit haben, den Schritt heraus zu gehen.
Wie läuft ein Ausstiegsprozess in der Regel ab?
Es beginnt damit, dass die Nazis Zweifel an der Ideologie haben oder sich für begangene Straftaten schämen. Dann rufen sie uns an. Wir bekommen aber auch E-Mails oder Briefe. Die kommen vorwiegend von Häftlingen aus dem Justizvollzug. Der persönliche Kontakt kommt recht schnell zu Stande und wir beginnen die Situation zu diagnostizieren, in der sie sich befinden. Dann geht es Schritt für Schritt weiter.
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Krieg’ ich auf die Fresse?

Das Rätsel der richtigen Konfrontation

Von Christian Fleige

Dieser Tage scheint angesichts der Verbrechen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds, kurz NSU, alles ganz einfach. Ob der unwirklichen Narrenfreiheit, die Täter und Unterstützer genossen, lässt sich nun kinderleicht gegen Dienste und Behörden wettern. Der obligatorische Ruf nach einem NPD-Verbotsverfahren kommt ganz entspannt über die Lippen, ist durch die nun wohl aufgeklärten „Döner-Morde“ wieder en vogue. Das Unwort des Jahres? „Döner-Morde“, logisch. Aber? Nein, zunächst einmal kein Aber.
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„Das war die erste Liebe“

Albrecht Schröter über die palästinensische Partnerstadt Beit Jala

Das Gespräch führten Kay Abendroth und Maria Hoffmann




Träumt von Völkerverständigung: Jenas OberbürgermeisterFoto: Daniel Hofmann

Seit dem 20. September 2011 hat Jena offiziell eine weitere Partnerstadt, um internationale Beziehungen zu pflegen: das palästinensische Beit Jala. Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter hat den Kontakt zusammen mit anderen stadtbekannten Gruppen durch mehrere Reisen bereits während seiner Zeit als Pfarrer aufgebaut. Das Akrützel sprach mit ihm über den langen Weg zur Partnerschaft, Friedensbemühungen und die Begegnungen zweier unsicherer Völker.

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