Ein Rest von Gemütlichkeit

Samstags früh um fünf beginnt für das Ehepaar Daus der Markttag 

FOTO:Astrid Richter

Von Astrid Richter

Dass Jena eine Studentenstadt ist, spielt sich für ihn nur am Rande ab: Hans Heinrich Daus steht vorm Stadtmuseum Göhre und beobachtet, wie sich im Schein der Laterne drei Gäste des Flower Power voneinander verabschieden. Während sie ins Bett gehen, beginnt der Rentner aus Mellingen mit seiner Arbeit. Jeden Samstagvormittag baut Herr Daus seinen kleinen Verkaufstisch auf dem Jenaer Wochenmarkt auf. Wie immer wird der 69-Jährige acht Stunden hier sein. Jetzt ist es erst fünf Uhr morgens. Der Mond steht schmal über dem Fuchsturm am Himmel. „Heute ist es angenehm draußen“, sagt Herr Daus und während er erzählt, wirbelt Atemluft vor seinem Mund auf. Es sind nur vier Grad. Trotzdem trägt er seine Jacke offen. Auch einen Schal hat er nicht um.
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Was nicht passt, wird passend gemacht

Das neue Jenaer Modell der Lehrerbildung kämpft immer noch mit seinen Kinderkrankheiten

Von Felix Reinhardt

Vor Kurzem meldete sich am Telefon von Christine Tirsch, Mitarbeiterin des Prorektorats für Lehre und Struktur, eine Schülerin. Sie wollte wissen, ob man an der Universität Jena das Lehramtstudium noch sicher absolvieren könne. Aufgeschreckt wurde die Schülerin durch einen Artikel in der TLZ, dessen Grundtenor war: In der Lehrerausbildung an der FSU herrscht das blanke Chaos. Man konnte dort von massenhaften drohenden Exmatrikulationen und Schlampereien lesen. Fehlende Rechtsnormen und schlechte Beratung stünden auf der Tagesordnung. Wie man sieht, eine Aussage mit erheblichen Folgen für das öffentliche Bild der Uni. Doch was ist dran an den Vorwürfen?
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Wahn und Wirklichkeit

„Waltz with Bashir“ fasziniert durch seinen Blick für Details

Von Kristin Haug

Ari Folman als junger Soldat in Beirut. Foto:pandora-film

Und er tanzt und tanzt und tanzt. Und er schießt. Auf der Beiruter Front-Straße findet sich der israelische Soldat Shmuel Frenkel zwischen zwei Welten wieder. Israelis kämpfen gegen Palästinenser, Frenkel rennt los und schießt wild um sich. Tänzelnd, traumvergessen, betäubt. Was aussieht wie eine perfekt inszenierte Choreographie des Soldaten ist sein Kampf ums Überleben.
Die visuelle Schlagkraft der Szene aus Ari Folmans Film „Waltz with Bashir“ ist immens, zugleich ist sie so einprägsam, dass sie den Zuschauer direkt in das Geschehen hineinzieht, plötzlich wird er selbst Teil der Handlung. Die Musik scheint Frenkels Schutzschild zu sein – gegen die Kugeln der Feinde und die Realität des Geschehens. Folman bedient sich vieler dieser Kunstgriffe. Die Figuren flüchten in eigene Welten, sehen das Kriegsgeschehen gefiltert – Traum und Wirklichkeit spielen nebeneinander.
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Von Revolten und Krediten

Anonyme Studenten versuchten zu rebellieren – bloß gegen was?

Von Louisa Reichstetter

Foto: Marcel Hellwig

Sie zeigte mit dem Finger auf die beige Wand und verschluckte sich fast an ihrem Wiener Würstchen. Sie war pickelfrei, aber noch keine 19. Die beige Wand war, das muss man zugeben,  nicht mehr ganz so beige wie sonst: Jemand hatte in der Nacht zum 3. November gegenüber der Thulb „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ ans Frommansche Haus gesprayt.
„Was soll‘n das heißen?“  „Sous les pavés, la plage“ heißt das, und bedeutete einmal: Träume bündeln, Steine ausreißen und damit auf Polizisten schmeißen. Paris. Mai, 1968: Französische Studenten legen aus Ärger über die konservative Politik an ihrer Hochschule ein ganzes Land lahm.
Jena, November 2008: „Klingt hübsch“, sagt sie und kaut weiter.
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Die Rose voller Teelichter

Die „Queerbeat“-Semesterparty im Rosenkeller

Von Dirk Hertrampf

„Homo oder Hetero?“ FOTO: Queerbeat

Mit dem Begrüßungssekt in der Hand stiegen die Besucher die zumeist wohlvertrauten Stufen in den Rosenkeller hinab, Teelichter säumten die Treppe und standen auf Tischen, Theken und Absätzen.Einige kamen sich bestimmt vor wie zur ,Ladysnight‘ im teuersten Kino der Stadt.

Es wurden aber keine romantischen Hollywoodfilme gezeigt, sondern getanzt, getrunken und gelacht. Denn am 6. November war –nun bereits zum zweiten Mal- „Queerbeat“-Semesterfeier, organisiert vom Stura-Arbeitskreis „Queerparadies“ und dem Verein „Queerweg“.

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Einer nach dem Anderen

von Matthias Benkenstein

Von wem soll er nur abschreiben?. FOTO:Matthias Benkenstein

Noch sieht es im Büro von Susan Lynn Dortants nicht so aus, als ob sich hier die zukünftige Studentenelite beraten lässt: Neben zwei schlichten Schreibtischen mit Blick auf das Volkshaus steht ein geräumiges Regal, in dem nichts liegt außer einem Stapel apfelgrüner Informationsbroschüren und einem Stadtplan von Jena. Überall stehen Umzugskartons. Auch die große Amerikakarte muss erst noch an der schmucklosen Raufasertapete aufgehängt werden.
Dortants, die aus den USA stammt, arbeitet im neu gegründeten „Master-Service-Zentrum“, das sich im ersten Stock des Akademischen Studien- und Prüfungsamts befindet. Erst im September bezog sie ihr Büro und berät seitdem Studenten, die sich für ein Master-Studium an der FSU interessieren oder gerade eines beginnen. Zuvor hatte sie schon vier Jahre an der „Erfurt School of Public Policy“ Master-Studenten betreut.  Die 28-Jährige ist außerdem an den Werbekonzepten für die neuen Master-Studiengänge beteiligt.

Erst ein Koreaner

Diese werden auch dringend benötigt, denn obwohl zum derzeitigen Wintersemester über 30 Master-Studiengänge eingeführt, 155 Bewerbungen aus dem Ausland und 136 Bewerbungen aus Deutschland eingereicht wurden, haben noch nicht viele Studenten den Weg in Dortants‘ Büro gefunden. „Bis jetzt ist nur ein Koreaner da gewesen“, sagt die Beraterin. Dieser habe sich für den Studiengang „Christentum in Kultur, Geschichte und Bildung“ interessiert und gefragt, ob seine Studienleistungen aus Korea angerechnet werden können. Ansonsten seien bisher nur einige E-Mail-Anfragen aus Pakistan, Rumänien und Deutschland gekommen.
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