Es geschah am helllichten Tag

Jedes vierte Fahrrad ist nicht oder nur schlecht gesichert

Von Norbert Krause

Eine Flex für alle Fälle. Foto: Jonas Janssen

„In jedem Jahr eins.“ So lautet die traurige Bilanz, die Gloria Ballhause zieht. Vier Fahrräder wurden der Philosophiestudentin in Jena bereits geklaut: erst ein altes Rad mit Stempelbremse, dann ein günstiges Baumarktbike, danach nur noch gebrauchte. Dabei hatte sie die Fahrräder meist nur einmal über Nacht am Campus durch ein einfaches Schloss gesichert stehen lassen. „Aber“, relativiert sie, „das waren alles auch nur billige Fahrräder“.
Anders als bei Maximillian Bräu. Über 1000 Euro hatte der Chemiestudent für sein Rad bezahlt. Einmal in sieben Jahren hatte er sich ein ordentliches Fahrrad gekauft. Nach drei Monaten wurde es ihm am helllichten Tag vor der Uni gestohlen: „Nach zwei Vorlesungen war es komplett weg, nicht einmal das Schloss war mehr da.“ Er hatte es mit einem dicken Seilschloss fest an den Fahrradständer angeschlossen.
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Wenn Ackermann & Co das Studium finanzieren

Zwei Prozent aller Studenten nehmen mittlerweile einen Kredit auf – und starten mit hohen Schulden ins Berufsleben

Von Anna-Lena Roth

Ehe man sich versieht, steckt man in der Schuldenfalle.Zeichnung: beetlebum

Was erwarten wohl die 9.729 Erstis, die seit diesem Wintersemester an den Thüringer Universitäten eingeschrieben sind, von ihrem Studium? Überfüllte Hörsäle, klar. Genervte Dozenten, sicher. Aber zum typischen Studentenleben gehören genauso das Kaffeetrinken und der Kinobesuch mit Freunden oder die WG-Party und Kneipentour mit den Kumpels.
Doch so ein Studium will finanziert werden. Im Idealfall sind diese Kosten durch Mama und Papa, Kindergeld und Bafög gedeckt. Dieser Idealfall wird nur leider immer seltener.
Philipp Ebert, 20, zählt nicht zu diesen „Idealfällen“. Er gehört vielmehr zu den zwei Prozent der Studenten, die in Deutschland einen Kredit aufnehmen müssen, um ihr Studium zu finanzieren.
An der FSU studiert Philipp im ersten Semester Geschichte und Politikwissenschaft. Für das Arbeiten nebenher hat er keine Zeit. „Auch eine Ausbildung stand nie zur Debatte. Für mich war immer schon klar, dass ich studieren werde.“ Klar war aber auch, dass Philipps Eltern ihn dabei nicht unterstützen, schließlich haben sie sich erst vor Kurzem ein Haus gekauft. Somit ist Philipp aber auch nicht Bafög-berechtigt – und er musste sich vor Studienbeginn ernsthafte Gedanken um Finanzierungsmöglichkeiten machen.
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Geld sparen, Geld verdienen

Von Isabel Schlegel

„O, ihr unsterblichen Götter! Sie sehen es nicht ein, die Menschen, welch große Einnahme die Sparsamkeit ist“, stellte schon der berühmte römische Redner Cicero enttäuscht fest. Ob sich an dieser Erkenntnis heutzutage, über 2.000 Jahre später, viel verändert hat, ist angesichts der aktuellen Kreditkrise fraglich. Fest steht dagegen, dass viele Studenten dazu gezwungen sind zu sparen – ob sie nun wollen oder nicht. Denn 686 Euro hat ein Student in Thüringen durchschnittlich im Monat zur Verfügung. Rund ein Drittel aller Studenten muss mit weniger als 600 auskommen und liegt somit sogar unter der relativen Armutsgrenze für den Osten Deutschlands. Sparen ist da keine Lifestyleentscheidung, sondern eine Überlebenstechnik. Deshalb hier eine kleine Auswahl an Überlebenstipps für den studentischen Haushalt:

MOBILITÄT

Couchsurfing (www.hospitalityclub.org): Nicht nur auf Urlaubsreisen perfekt, um kostenlos in fremden Gegenden zu übernachten. Auch zur Überbrückung bei der Wohnungssuche in Jena allemal billiger als ein Hotel.
Mitfahrzentrale: Deutlich billiger als Bahn fahren und interessante Gespräche während der Fahrt gibt es meist kostenlos dazu.
Öffentliche Sportanlagen: Einfach unauffällig reinschleichen und eine kostenlose Dusche genießen.

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Wissenswertes über Nebenjobs

Von Franz Purucker

Bis zu 400 Euro

dürfen Studenten monatlich steuerfrei dazuverdienen. Dafür wird ein Nachweis über die geleisteten Stunden verlangt. Besonders praktisch ist, dass keine Sozialversicherungsbeiträge vom Lohn abgezogen werden. Es dürfen auch mehrere Jobs angenommen werden, solange dies in eine Lohnsteuerkarte
eingetragen wird und der Verdienst 400 Euro im Monat nicht übersteigt.
Sonderzahlung
Zum regelmäßigen Arbeitsverdienst müssen auch anteilige Sonderzahlungen, zum Beispiel Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld, hinzugerechnet werden. Bei 400 Euro monatlich plus Weihnachtsgeld gilt ein Student nicht mehr als geringfügig beschäftigt.

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Der unsichtbare Dritte

 Der Stura-Vorstand über seine Aufgaben und eventuelle Neuwahlen

Das Gespräch führten Isabel Schlegel und Matthias Benkenstein

Harmonisch, aber unvollständig: der neue Stura-Vorstand. Foto: Isabel Schlegel

Julia Langhammer, 24, und Marcel Helwig, 22, sind seit ihrer Ernennung zum Stura-Vorstand viel beschäftigte Personen. Mit Akrützel sprachen sie über ihre neue Aufgaben.

Wie waren eure ersten beiden Wochen als Vorstand und wie fühlt ihr euch?
Julia:
Eigentlich wurde ich ja schon zwei Wochen früher als Marcel gewählt, konnte aber nichts machen, sondern immer nur zuschauen. Jetzt gibt es endlich was zu tun.
Marcel: Gleich am ersten Tag nach der Wahl volle Leistung zu bringen hat mich schon etwas überfordert. Man muss sich in jede Aufgabe erst mal einfinden. Als Vorstand haben wir sehr viele Aufgaben zu erfüllen, aber mittlerweile haben wir uns gut eingearbeitet und das Tagesgeschäft läuft weitestgehend reibungslos.

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Ein Rest von Gemütlichkeit

Samstags früh um fünf beginnt für das Ehepaar Daus der Markttag 

FOTO:Astrid Richter

Von Astrid Richter

Dass Jena eine Studentenstadt ist, spielt sich für ihn nur am Rande ab: Hans Heinrich Daus steht vorm Stadtmuseum Göhre und beobachtet, wie sich im Schein der Laterne drei Gäste des Flower Power voneinander verabschieden. Während sie ins Bett gehen, beginnt der Rentner aus Mellingen mit seiner Arbeit. Jeden Samstagvormittag baut Herr Daus seinen kleinen Verkaufstisch auf dem Jenaer Wochenmarkt auf. Wie immer wird der 69-Jährige acht Stunden hier sein. Jetzt ist es erst fünf Uhr morgens. Der Mond steht schmal über dem Fuchsturm am Himmel. „Heute ist es angenehm draußen“, sagt Herr Daus und während er erzählt, wirbelt Atemluft vor seinem Mund auf. Es sind nur vier Grad. Trotzdem trägt er seine Jacke offen. Auch einen Schal hat er nicht um.
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