Jena, ick liebe dir

Teil 4: Die Tegut-Anlieferzone

Von Norbert Krause

Der Ort aller Orte. Foto: Matthias Benkenstein

Es ist wohl der am tiefsten zu Herzen gehende Ort in ganz Jena: Ewig kann man hier sitzen und über die Vergänglichkeit des Lebens philosophieren. Es ist der Durchgang hinter der Straßenbahnendhaltestelle auf dem Ernst-Abbe-Platz und zugleich der Anlieferbereich für Tegut.
Dieser Ort symbolisiert den Übergang vom studentischen zum menschlichen Universum. Er ist der viel benutzte Weg von der Arbeitshölle zur Privathölle. Das spürt man, wenn man aus dem studentischen Kosmos langsam in das architektonisch gewollte und so bedeutsame Dunkel eintaucht und dann, nach gemessener Stille, in der Stadt Jena wieder auftaucht – vor dem eindeutigen und keinen Kompromiss duldenden Schild „Zentrum für ambulante Medizin“.
Nahezu alle Verkehrsmittel treffen hier aufeinander: Motorräder auf Fahrräder, Autos auf Taxis und alle auf Straßenbahnen. Alles wird verbunden durch das hektische Umherlaufen des modernen Menschen. Nur eines wird schmerzlich vermisst: das Schiff. Aber wenn man einmal die Augen schließt und die Menschenströme einen umfließen lässt, dann hat man leicht das Gefühl, wenn schon in keinem Öltanker, so doch in einem kleinen Kanu der Individualität zu treiben. weiterlesen…

Auf der anderen Seite

Ausländische Studenten in Jena und ihre Probleme

Von Conrad Ziesch

Drei von Ihnen werden statistisch gesehen ihr Studium in Deutschland nicht abschließen.         Foto: Matthias Benkenstein

Sie wohnt in Weimar, hat vor wenigen Tagen ihre Masterarbeit an der FSU eingereicht und spricht fließend Deutsch: Ling mit ihrer schwarzen Lockenmähne, ihrem einnehmenden Lachen und den gelben Turnschuhen will so gar nicht in das Bild passen, das sich viele Jenaer Studenten von ihren ausländischen Kommilitonen machen. Wohnheimplatz in Lobeda, schlechte Deutschkenntnisse und unscheinbares Äußeres – die Liste der Vorurteile ist lang. Die Situation ausländischer Studenten lässt sich aber nicht auf Klischees reduzieren, findet Ling, die vor mehr als einem Jahr aus dem Norden Chinas zum Jurastudium nach Jena kam. „Das Leben kann man nicht schwarz oder weiß malen. Es liegt irgendwo dazwischen.“ weiterlesen…

Der Krawatten-Philosoph

Günther Kaletsch: ein Modeberater der alten Schule

Von Peter Neumann

There’s no Business like Krawatten-Business. Foto: Matthias Benkenstein

C’est la cravate qui fait l’homme“, steht auf einem kleinen unscheinbaren Schild in dem Krawatten-Laden von Günther Kaletsch. Tatsächlich steckt hinter diesem Satz eine ganze Philosophie, die sich der 64-jährige Ladeninhaber zu eigen gemacht hat: „Dass man eine Krawatte nicht einfach nur trägt, sondern sie leben muss“. Sein Geschäftserfolg gibt ihm Recht: Seit nun schon sechs Jahren betreibt der gebürtige Rudolstädter seinen schnuckelig kleinen Krawatten-Laden zwischen „Göhre“ und Marktmühle, immer bereit, ein Pläuschchen zu halten oder einfach nur vorbeiziehende Passanten aufs Freundlichste zu grüßen. Die große Fensterfront ist nahezu prädestiniert dafür. Ohne sie würden wahrscheinlich nur halb so viele Kunden den Weg durch Kaletschs Tür finden. Dabei verrät ein flüchtiger Fensterblick längst noch nicht das ganze Ausmaß Kaletscher Krawatten-Manie. Im Laden findet sich ein ganzes Universum gestreifter und gepunkteter, schlichter und mit den Köpfen der Beatles bedruckter Krawatten. „Was immer das Herz begehrt“, schwört Kaletsch. An der Wand hängt sogar eine Krawatte, von der ein Yorkshireterrier mit hechelnder Zunge herabblickt. Auch dieser werde früher oder später sein Herrchen finden, meint der 64-Jährige.

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Die doppelte Ungerechtigkeit

Ein Gespräch mit dem Stura-Ankläger Philipp Scholz

Das Gespräch führte Johannes Wander

Am 10.11. verkündete die Schiedskommission offiziell ihr Urteil zur Anfechtung der Stura-Wahl vom letzten Juli. Akrützel sprach mit Philipp Scholz, einem von zwei Klägern, über das Ergebnis und seine Konsequenzen für den Stura.

Könntest du bitte kurz nochmal zusammenfassen, worum es in eurer Anfechtung und dem Schiedsspruch geht?

Ursprünglich ging es darum, dass wir glaubten, es bestünde ein Fehler in der Satzung, der der Gleichheit der Wahl widerspricht. Es stellte sich jedoch heraus, der Fehler liegt nicht in der Satzung, sondern in deren Anwendung. Ein klassischer Wahlfehler, mit dem sich der Schiedsspruch hauptsächlich befasst.

Worin bestand dieser Fehler?

In der Satzung steht, die Wahl sei gleich, also dass die Wähler in ihrer Stimmkraft gleich sein müssen. In Bezug auf die Wahl bedeutet das, dass jeder Wähler über so viele Stimmen verfügt wie Mandate an der Fakultät zu vergeben sind. In der Wahlbekanntmachung heißt es: „Der Wahlberechtige kann seine Stimmen auf verschiedene Wahlvorschläge verteilen.“ Wahlvorschläge sind laut Satzung Einzelwahlvorschläge oder Listenwahlvorschläge, wobei mehrere Stimmen für einen Kandidaten nur als eine Stimme für den Kandidaten und seine Liste zählen. Es wurden aber vom Wahlvorstand die Begriffe Kandidaten und Wahlvorschläge vermischt. weiterlesen…

Der Uni auf‘s Dach steigen

Jenaer Verein will sauberen Strom durch Solaranlage fördern

Von Sören C. Reimer

„Bist du an Umweltthemen interessiert?“. Foto: SUNFRIED

Jena soll grüner werden – das findet zumindest der Verein „Sunfried“. Er möchte auf dem Dach des Laborgebäudes der Umweltchemie in der Lessingstraße eine Solaranlage errichten. Das soll aber nur der erste Schritt sein, erklärt Mareike Keppler, Pressesprecherin des Vereins. „Wir wollen auch einen Beitrag zur Energiewende leisten und Bürger Jenas, Studierende und die Uni zum Umdenken bewegen.“ Zusammen mit mehr als einem Dutzend anderer Studenten und Mitarbeitern der Uni engagiert sich die 25-Jährige seit Anfang des Jahres für das Projekt. Als Vorbild gelten zahlreiche Solar-Projekte anderer Hochschulen, die sich im Uni-Solar-Netzwerk zusammengefunden haben. Unterstützt wird das Projekt vom Umweltreferat des Stura, der Arbeitsgruppe Regionalklima, dem Arbeitskreis Nachhaltigkeit, der Grünen Hochschulgruppe Jena, der Grünen Jugend Jena sowie der Klimaschutzstiftung Thüringen. weiterlesen…

Und er lohnt sich doch

Der FH-Stura kämpft gegen fragwürdigen Gebäudeabriss

Von Matthias Benkenstein und Robert Wegner

Vom Aussterben bedroht: das Kastanienhaus auf dem FH-Gelände. Foto: FH-STURA

Es ist eine dieser Situationen, in denen man merkt, dass es doch ganz praktisch ist eine Studentenvertretung zu haben, die sich für die Interessen ihrer Kommilitonen einsetzt. Noch im Sommer dieses Jahres war es der feste Entschluss der FH-Hochschulleitung das sogenannte „Kastanienhaus“ abzureißen, einen Flachbau in der Nähe der Mensa an der Carl-Zeiss-Promenade. Das zweistöckige Gebäude sollte – trotz akuten Raummangels – durch eine „Grünfläche“ ersetzt werden. Das ist jetzt aber gar nicht mehr so sicher. Denn sowohl der FH-Stura als auch die Fachschaftsräte und andere engagierte Studenten investierten in den letzten Monaten viel Zeit und Energie, um für den Erhalt des Hauses zu kämpfen.
Bereits im Frühjahr wurde der Abriss des Hauses, in dem bisher die Räume und Büros mehrerer Fachbereiche und ein Computerlabor untergebracht waren, zum ersten Mal im Senat der Fachhochschule besprochen. Kurze Zeit später folgte der entsprechende Beschluss. Grund: Geldknappheit. Die laufenden Betriebskosten seien zu hoch und der Haushalt gebe es nicht her, das Gebäude weiter zu unterhalten. weiterlesen…