Leserbriefe

Zum Artikel “Casanova-Komplex” im Akrützel Nr. 341

Liebes Akrützel, ich schreibe euch wegen eurer letzten Ausgabe. Da habt ihr euch ja ein Thema vorgenommen! Hat mir gut gefallen, ich hab nur eine Kritik: Bei dem Artikel zu den Pick-Up-Artists fehlen mir die Frauen! Der Autor konzentriert sich hier nur auf männliche Pick-Up-Artists, es gibt aber auch Pick-Up-Ladies. Es gibt auch für Frauen Seminare, und die finde ich eigentlich sogar cooler als das Angebot für Männer. Ist doch super, wenn sich die Mädels auch mal trauen, den ersten Schritt zu machen. Ich kann das Buch Die perfekte Verführerin empfehlen. Frauen wird ja eher empfohlen, ihr passive game zu üben, aber es gibt auch Tipps, wie man auf einen Mann zugeht.

Liebe Grüße, eine Leserin.

PS.: Euer letztes Cover musste mir erst eine Freundin erklären, hatte nicht gesehen, dass man den Zettel abreißen muss. Aber dann fand ich es richtig super, gute Idee!

Zum Artikel “Vom Tellerwäscher zum Stipendiaten?” im Akrützel Nr. 338

Ich habe Eure Beiträge zu Stipendien mit großem Interesse verfolgt. Während meines Studiums habe ich selbst mehrere Stipendien gewonnen und ich teile die Kritik am Büchergeld. Wie ihr richtig sagt: Es steht jedem frei, seines zu spenden; nichtsdestotrotz wird hiermit von Seiten der Stipendiengeber ein auch aus meiner Sicht ambivalentes Signal gesetzt. Nach meiner Erfahrung, auch als Auswähler künftigten Stipendiaten, bin ich überzeugt: Die meisten Bewerbungen scheitern daran, dass sie nicht abgeschickt werden. Das finde ich jammerschade und auch ungerecht: Nur weil nicht allen die Kontakte und nötigen Informationen zu Verfügung stehen. Ich möchte, im Rahmen meiner Möglichkeiten, dazu beitragen, das in Thüringen zu ändern.

Markus Voss

Zum Artikel “Vom Tellerwäscher zum Stipendiaten?” im Akrützel Nr. 338

Was für ein toller, ausgeglichener Artikel, den ihr da über uns Stipendiaten geschrieben habt – soviele Verallgemeinerungen auf einem Haufen, welch Glanzleistung. Anscheinend sollte ich noch mal über mein Leben nachdenken. Weder bin ich mit reichen Akademikereltern, noch mit einem vollen Sparbuch gesegnet. Ich bin nur Kind einer Arbeiterfamilie, wo über jeden Euro zweimal nachgedacht wird. Ich studiere, man glaubt es kaum, eine Geisteswissenschaft. Ich bekomme ein Stipendium. Und ich bin über die 300 Euro Studienkostenpauschale mehr als glücklich, ich bin darauf angewiesen. Dank des Stipendiums kann ich mich endlich aufs Studium konzentrieren und ehrenamtlich betätigen. Also hört auf mit dem Gejammer und den Verallgemeinerungen!

Eine treue Leserin

Zum Artikel “Zwischen den Fronten” im Akrützel Nr. 311

Über das falsche Aussteigen am richtigen Ort. Ein Kommentar.
Der Weg zweier “Kameraden” von der braunen Provinz in die “bunte Großstadt”.

So ein Ausstieg ist schon etwas Feines. Und wenn er dann noch zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort geschieht, dann kann man sich eines Medienechos bewusst sein. Dass dies kein negatives ist, kann man in diesen Tagen besonders gut erkennen – nicht zuletzt im aktuellen Akrützel Nr. 311 vom 5. Juli 2012 oder in der TV-Talkshow “Beckmann” sowie in naher Zukunft in einem weiteren ZDF-Beitrag, bei dem Steven Hartung am 11. Juli als vermeintlicher Einzelkämpfer auf dem Campus posierte.

Autonome Nationalisten – die besseren Nazis?

Christian Ernst Weißgerber und Steven Hartung wollen ihren vermeintlichen Ausstieg deutschlandweit bekannt machen. Dazu passt, dass beide in Jena, der Brutstätte des NSU, unter anderem Philosophie studieren und sich im Fachschaftsrat organisieren. Die beiden “Aussteiger” können sich daher eines großen Medienechos bewusst sein, da sie sich in Jena als Aussteiger aus einer völkischen, ausländerfeindlichen Szene besonders gut darstellen können. Jena fungiert hier als Sinnbild eines veralteten, in den Medien aber immer noch präsenten Bildes von ausländerfeindlichen, dummen Schlägern. Natürlich gibt es ab und an noch “Boneheads”, die mal “Ausländer klatschen” wollen, aber dieses Bild prägt die Szene schon lange nicht mehr. “Autonome Nationalisten” (ANs) und scheinbar biedere Parteikader sowie freie Kameradschaften sind immer mehr auf dem Vormarsch.

Dass ANs ein anderes Weltbild haben als die fälschlicherweise als Skinheads bezeichneten “alten” Neonazis, zeigt sich an einem Beitrag von “Media Pro Patria” – eben jener Mediengruppe, zu der auch Weißgerber gehörte. So heißt es in diesem Video über “Xenophobie”: “Glaubst du wirklich das Fremdenfeindlichkeit in der heutigen Zeit seine Wurzel im Nationalismus hat? Nein, es wird bewusst von diesem Staat geschürt, der immer mehr Nachteile für unser Volk erlässt. Tag für Tag verarmt unser Volk immer mehr, während andere wie die Maden im Speck leben. […] Begreife, dass plumpe Ausländerfeindlichkeit nichts mit Nationalismus zu tun hat. Wir achten jedes Volk in seinem angestammten Lebensraum.”(1) Der Unterschied zwischen ANs und Boneheads fällt hierbei auch dem Akrützel ins Auge. Jedoch verharmlost der Artikel das “Engagement” der Neonazis als “antifaschistisch”, indem er schreibt, dass die “Aussteiger” Fremdenfeindlichkeit schon damals abgelehnt hätten. Zudem wird Weißgerber wie folgt zitiert: “Wir haben uns früher selbst antifaschistisch gesehen.” Jan-Henrik Wiebe (der Autor) verwechselt hier den Ethnopluralismus der Szene mit dem Engagement gegen Xenophobie. Somit verharmlost der Artikel die antisemitische, rassistische und völkische Ideologie der Autonomen Nationalist_innen auf gefährliche Weise. (2)

Tendenzen eines fragwürdigen Verhaltens

Im Text wird darauf hingewiesen, dass “Steven und Christian von Antifaschisten der Vorwurf gemacht wird, dass sie nicht richtig ausgestiegen wären, sich zwar mit alten Kameraden treffen, aber immer noch der alten Ideologie anhängen würden.” Wir teilen die Auffassung der AGST, dass Hartung und Weißgerber nichts mehr mit Nazis zu tun haben. Zudem sind wir ein Teil eben jener Antifaschisten, die ihnen zwar einen Rückzug aus der Szene abnehmen, jedoch keine ideologische Abkehr, denn Weißgerber und Hartung “haben sich irgendwann als Individuen aufgrund ihrer eigenen, freiwilligen und bewussten Entscheidung dazu entschlossen, eine rassistische, antisemitische und neonazistische Politik zu betreiben.”(3) Eine solche Entscheidung lässt sich auch nicht durch familiäre Unstimmigkeiten relativieren. Und eine ideologische Abkehr ist in dieser Hinsicht nicht zu erkennen, geben die beiden doch zu, dass sie “ausgestiegen” sind, weil ihre Ideen nicht bei allen Rechten gut ankamen. Es kann sich folglich nur um einen Austritt aus den Szenestrukturen handeln, eine Art beleidigt sein, da die beiden ihren Willen nicht durchsetzen konnten.
Ein Ausstieg aus der Neonaziszene stellt immer einen langen Prozess dar, an dessen Ende der nachvollziehbare Bruch mit der eigenen Vergangenheit stehen muss. Ansätze eines sochen Prozesses können wir auch bei Hartung und Weissgerber erkennen. Immerhin zieht sich dieser schon eine geraume Zeit, so dass zumindest die nötige Dauer und zeitliche Distanz gegeben ist. Zu einem Ausstieg gehört jedoch zusätzlich zum einen eine öffentliche Reflexion über die ideologischen Motive, die das damalige neonazistische Handeln beeinflusst haben, sowie eine nachvollziehbare Veränderung der Ideologie. Weißgerber stellt in dem Akrützel-Interview fest, dass das FN Jena “teilweise[sic!] einen Unsinn” gemacht habe und erinnert sich “lachend” an den Vorschlag einer öffentlichen Bücherverbrennung durch einen Aktivisten des FN. Ob so ein reflektierter Umgang mit der Vergangenheit aussieht, ist fraglich.

Zum anderen gehört nach unserer Ansicht zu einem Ausstieg der unumkehrbare Bruch mit den alten Kamerad_innen. Dieser besteht dann, wenn man sich den Weg in die alten Kreise durch Preisgeben von relevanten Informationen über die alten Strukturen und Personen verbaut. Diese Informationen müssten dann von kompetenten antifaschistischen Zusammenhängen auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüft werden. Dieser Vorgang sollte zudem transparent erfolgen.
Von einer ideologischen Veränderung und dem “Auspacken” ist uns bis zum heutigen Tage nichts bekannt. Aus diesem Grund und aufgrund der uns zugänglichen Informationen würden wir im Falle von Hartung und Weißgerber von einem Rückzug aus der Szene sprechen. Ein nachvollziehbarer ideologischer Ausstieg sieht anders aus. Deshalb raten wir weiterhin im Umgang mit den beiden zu Vorsicht, auch wenn wir einen echten Ausstieg begrüßen würden.

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(1) http://www.youtube.com/watch?v=sSJxcX0JTaU
(2) Ausführlichere Informationen zu den Autonomen Nationalisten gibt es unter anderem in dem Buch “Autonome Nationalisten: Neonazismus in Bewegung”.
(3) Aussteiger, Rückzieher, Aufhörer, Austreter…, Antifaschistisches Infoblatt #74.

Mit antifaschistischen Grüßen,
Antifa Task Force Jena

Zum Artikel “Zwischen den Fronten” im Akrützel Nr. 311

Achtung: Dieser Text ist polemisch, um
Grundsätzliches zu durchdenken. Fragen also, die nicht immer wortwörtlich genommen
werden müssen! Fan-Sein vom Fan-Sein & die Droge Politisches Engagement Ein Viel-zu-langer-Leserbrief Es gibt Menschen, die brauchen das einfach: Teil einer Gruppe sein, in der Masse aufgehen, Identität durch Gemeinschaft. Das passiert dann natürlich auch durch die Abgrenzung der eigenen Gruppe gegenüber anderen. Es geht auch letztendlich gar nicht darum, etwas gut zu finden – es geht um das Fan-Sein vom Fan-sein und das eigene Auftreten in der Gruppe – der Gegenstand ist fast egal.

Fan-Sein in/ von der Gemeinschaft
Die EM – mit all ihren Auswüchsen an Gruppenkonstruktion hat das aufs Neuebewiesen. Das Thema wurde bereits oft diskutiert und jeder halbwegs reflektierte Mensch hat erkannt, dass die passend manikürten Deutschland- Girls sich ebenso wenig für Fußball interessieren, wie die bis oben mit Bier vollgesaugten „Sieg“-Rufer. Viele suchen eine Möglichkeit, Glücksmomente zu erhaschen. Das passiert oft im Aufgehen in einer Gemeinschaft. Auf dieser Ebene funktionieren alle Formen von Fan-sein: Nicht Inhalt ist wichtig, sondern die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Fan zu sein.
Fußball ist in Europa dazu die beliebteste Projektionsfläche, aber nicht die einzige.

Engagement und Öffentlichkeit
Und dann gibt es da Menschen, denen geht es ähnlich, aber das bloße In-der Gemeinschaft-aufgehen reicht ihnen nicht. Es geht ihnen um ein Fan-sein an der Politischen Arbeit – egal von welcher Seite aus. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn sie von wortführenden Positionen aus der rechten Szene – schwuppdiwupps – dann eben Vertreter/innen im Gegenüber werden. Wirklich? Ist es so einfach, seinen ideologischen Background über Nacht abzulegen? Und ist es dann notwendig, sofort auf der anderen Seite wieder eine so aktive politische Stellung einzunehmen? Denken diese Menschen, sie müssen sofort das Gegenteil von dem propagieren, was sie früher gemacht haben, als eine Art Ablasshandel? Geht es ihnen vielleicht darum im Mittelpunkt zu stehen? Oder haben die verschiedenen Ideologien eigentlich verdammt viel gemeinsam und unterscheiden sich lediglich in den Nuancen?

Die Suche nach Identität
Ich glaube, Menschen, die in so kurzer Zeit einen politisch so weiten Weg gehen – denen kann es gar nicht um Inhalte gehen. Denn diese benötigen Zeit und viel Reflexion. Alte Gedanken neu bekleiden ist eine oberflächliche Strategie – hat aber mit Entwicklung nicht viel zu tun. Diese Menschen brauchen den Halt einer Gemeinschaft, in der sie etwas bewegen können – in der sie selbst jemand sind. Das Feedback von außen und in einer Gruppe, die Anerkennung für Engagement – das sind die Momente, die das Glücksgefühl hervorbringen, eine Funktion zu haben – im Leben einen Sinn zu entdecken.

Eigene Mega- polemisierende Zusammenfassung
IdentitätsSUCHTende landen meist direkt oder indirekt in der Politik oder einer Religionsgemeinschaft. Bleibt hier das Glücksgefühl aus, sucht sich Mensch eine andere Community – Gegenstand: egal – geht ja ums Prinzip. Zur Not bleiben immer noch Drogen, um Sucht nach Abhängigkeit zu befriedigen. Es ist eben alles recht, wenn es darum geht, der eigenen Möglichkeit nach Freiheit davonzulaufen.

Skepsis ist nicht unangebracht
Ich begegne Aussteigern, die sich sofort nach dem „Ausstieg“ wieder mit Leib und Seele engagieren, mit Vorsicht. Prozesse brauchen Zeit und die kann man nicht vorspulen. Vielleicht ist es bei Mitläufern nicht ganz so auffällig, aber bei Menschen, die aktiv die rechte Szene geformt haben, finde ich es ziemlich naiv zu glauben, dass ein Mensch in Handumdrehen sechs Jahre braune Ideologie auslöschen kann. Natürlich funktioniert das mit bewussten, offensichtlichen Argumenten und an Geistesblitze lässt sich durchaus auch glauben, aber was ist mit den unbewussten, eingebrannten Denkmustern? Hier braucht es Zeit, zu erkennen und zu verbannen. Und das ist kein Vorwurf, sondern etwas ganz menschliches. Das merkt jede/r an den eigenen Schrullen und kleinen, alltäglichen Verhaltensmustern, die uns alle durch unsere Sozialisierung begleiten. Ich glaube nicht daran, dass man hier Prozesse künstlich beschleunigen kann. Und genau deshalb ist es völlig nachvollziehbar, wenn Antifa-Gruppen das Engagement in der Fachschaft und die Bemühungen um andere Gruppen, kurz nach dem „Ausstieg“, kritisieren.

Der Akrützel-Artikel
Dass man Wanted- like das Gesicht des Betreffenden auf Laternen gesprüht hat, finde ich auch ziemlich grenzwertig. Dennoch sind Weißgerber und Co. keine Opfer! Sie haben in der rechten Szene öffentlichkeitswirksam gearbeitet und die Strukturen dort (in Thüringen) maßgeblich mitgeprägt. Und jetzt laufen sie durch die Medien als reflektierte (Ex?)-Nazis, als Vorzeige-Aussteiger. Und weil die Antifa so skeptisch ist, tun sie uns schon fast wieder leid? Weißgerbers Reaktion auf die Kritik an der schnellen politischen Mitwirkung an der Uni hat mich irgendwie verwirrt: Der FSR als Freunde-Vermittler für Aussteiger? Man kann an der Universität auch außerhalb des politischen Engagements Freunde finden – zum Glück, sonst wär ich schrecklich einsam…
Dass die beiden nach zweieinhalb Jahren noch immer auf ihre Vergangenheit angesprochen werden, ist ganz natürlich. Im Artikel mutet der Verweis darauf an, als wäre es eine ewig lange Zeit. Aber wenn diese zweieinhalb Jahre so ewig sind, wie kommt es dann, dass in dieser Ewigkeit noch immer nicht das Geld zusammenkommen konnte, um die Tätowierungen zu entfernen? Und Zuletzt noch eine Frage, die sich mir einfach nicht erschließen lässt: Was bitte ist lustig an der Story mit der Bücherverbrennung?

Saskia Thieme

Zum Titel “Dicke im Hawaiihemd” im Akrützel Nr. 257

Liebe Kristin,

ich habe gerade deinen Artikel gelesen, und kann dich beruhigen: Es gibt durchaus Leute an der FSU die bereit sind “Flagge” zu zeigen, unter anderem durch ihr Engagement im Aktionsnetzwerk. Da der Rektor gerne Vorschläge für Transparente etc. hätte, hier der unsrige: Im Netzwerk läuft die diesjährige Kampagne unter dem Motto “Kein Nazi kommt ins Paradies” – Infostände, Buttons, Transpis etc. sollten in den kommenden Wochen im Stadtbild auftauchen. Aprospos Transparente: Ich würde mich freuen, wenn das Akrützel-Team sich bereit finden würde, ebensolche selbst zu gestalten. Gelegenheit dazu wäre bei den “Aktionsmaltagen”, die die drei Tage vor dem Fest der Völker auf Plätzen und in Jenas Strassen stattfinden sollen (z.B. Faulloch)…

Schön, dass ihr euch so ausführlich mit diesem Thema beschäftigt!

Grüße Norman

Zum Titel im Akrützel Nr. 255

Liebes Akrützel,

erstmal herzlichen Dank für die interessanten Details zu den Bewerbern (auf Seite 12).
Ich finde es allerdings etwas unzureichend in der aktuellen Ausgabe dargestellt, welche Effekte denn eine “rechte Mehrheit” im StuRa auf das Leben und Studieren des einzelnen Studenten hätte, sprich: welche Kompetenzen hat der StuRa, die von RCDS und “Burschis” zum Nachteil der Studierenden genutzt werden könnten. Wenn nicht deutlich wird, wie der einzelne, politisch vllt. völlig uninteressierte Student davon betroffen wäre, helfen glaube ich auch solche Zusatzinformationen wie auf Seite 12 wenig… Aber ihr habt ja noch eine Ausgabe vor der Wahl, um das nachzureichen 😉 Ich hoffe ihr versteht woraufs mir ankommt.

beste Grüße, FRANK KALTOFEN

Zum Titel im Akrützel Nr. 255

Hallo Akrützel,

nachdem ich nach den letzten Ausgaben wieder viel vom Akrützel gehalten habe, fühle ich mich bei der aktuellen Ausgabe wieder an ältere Zeiten erinnert, in denen das Akrützel zur polemischen Möchtegern-Politkarena verkommen war.

Wohlgemerkt finde ich auch unter den politischen Artikeln teilweise sehr gute, aber eben auch teilweise sehr polemische. Bzgl. der StuRa-Wahl sind die sehr guten “Streitgespräch über die Wahl”, “Die nackten Kandidaten”, “Die sieben Sünden des RCDS” und “Linke Burschen”. Zu den arg polemischen gehören die großen Leitartikel “Viele Wölfe, viele Schafspelze” und “In Treue verbunden”.

Zum Artikel “Viele Wölfe, viele Schafspelze”:

Ich bin weder RCDS- noch JU- noch Verbindungs-Fan. Und vieles, was im Artikel “Viele Wölfe, viele Schafspelze” steht, kann ich gut nachvollziehen. Ich habe auch Notiz von der vielfältigen RCDS-Wahlwerbung genommen und halte wenig von den dort propagierten Zielen. Daher finde ich es gut, dass sich das Akrützel bemüht, sich sachlich mit diesen Zielen auseinanderzusetzen. Aber ich finde es einigermaßen lächerlich, dass sich der RCDS dafür verteidigen muss, an unserer Uni aktiv StuRa-Wahlwerbung zu betreiben. Durch die massive Wahlwerbung des RCDS wurden viele anderen Kandidaten das erste Mal überhaupt dazu gezwungen, im Akrützel Informationen über sich, ihre Arbeit und ihre Einstellung zu publizieren bzw. publizieren zu lassen (siehe “Streitgespräch” und StuRa-Stellungnahme). Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das vor den letzten paar StuRa-Wahlen in einem ähnlichen Ausmaß der Fall war. Ich finde das alles sehr gut – so politisiert und mobilisiert man die!
Studentenschaft besser.

Zum Artikel “In Treue verbunden”:

Verbindungen und Burschenschaften stehe ich ebenfalls nicht nahe. Aber zufälligerweise habe ich im Rahmen eines Artikels für die “Unique” selbst ausführlichst über Burschenschaften und besonders über Damenverbindungen recherchiert und Interviews geführt. Und stelle fest, dass euer Artikel “In Treue verbunden” sich nicht durch gute Recherche hervortut, sondern durch das denkbar schlecht kaschierte platte Bedienen von Vorurteilen. Dazu ein paar Worte.

Vorurteil 1: Verbindungen sind rechts.
Das ist das, was nach dem Lesen des Artikels an Erkenntnis übrig bleibt. Daran ändert weder die behauptete Intention des Artikels (“Also trennen wir die Töpfe und schauen, wo welches Süppchen gekocht wird”) noch einzeln eingestreute political correctness – Sätze (“Den Vorwurf, allesamt seien sie rechtsextrem, kann man bei genauer Betrachtung kaum aufrecht erhalten”) etwas. Wie sollten sie auch, wenn gleich danach Sätze folgen wie “Rechte Tendenzen sind aber kaum zu bestreiten”.

Die Verbindungen und auch der RCDS finden es völlig zurecht unfair, alle Verbindungen in einen Topf zu werfen. Denn die Verbindungslandschaft ist viel vielfältiger, als die weit verbreiteten Vorurteile suggerieren. Ja, die (männlichen!!) Verbindungen teilen eine konservative Grundeinstellung. Aber diese unklaren Formulierungen im Artikel, die suggerieren, dass alle Verbindungen latent rechts seien, sind nicht gerechtfertigt. Konservatismus und christliche Werte sind etwas ganz anderes als (latenter oder offener) Rechtsextremismus. Den JU-, Juso- und Linkspartei-StuRa-Kandidaten wirft ja auch niemand vor, sie seien rechts- bzw. linksextrem.

Vorurteil 2: Das Lebensbundprinzip ist etwas Negatives.
Die pauschale Abneigung des Autors gegenüber dem Lebensbundprinzip kann ich nicht nachvollziehen. Grundsätzlich sind Netzwerke eine gute Sache in unserer globalisierten Welt oder auch an unserer riesigen Uni, wo man sich im 400-Mann-Hörsaal leicht verliert. Ich finde, das Lebensbundprinzip “Die Älteren (Berufstätigen) unterstützen die Jüngeren (Studenten)” ist eines der intelligentesten und erfolgreichsten Netzwerk-Typen, die es gibt. Ob es gut ist, dass bestimmte Personengruppen der Zutritt zu bestimmten Netzwerken grundsätzlich verwehrt wird, darüber kann man sich streiten. Aber dann sollte das auch so dargestellt werden, und nicht das Lebensbundprinzip generell als Schwachsinn abgetan werden.

Vorurteil 3: Damenverbindungen sind das gleiche wie Herrenverbindungen.
Dieses Statement zeugt davon, dass sich Martin Markgraf keine Mühe machte, über Damenverbindungen zu recherchieren. Ich bin kein Mitglied einer Damenverbindung und habe auch keine privaten Kontakte zu Mitgliederinnen, aber ich schrieb meinen Verbindungen-Artikel in der “Unique” über die “Amazonia Jena” und recherchierte und interviewte dafür offensichtlich wesentlich gründlicher als Martin.

Die Entstehung von Damenverbindungen ist eng verbunden mit der Frauenrechts-Bewegung Anfang des 20. Jhds und hat damit einen völlig anderen (und sehr demokratischen und gleichberechtigten!!!) Entstehungshintergrund als die Herrenverbindungen, die 100 Jahre früher im Rahmen der Durchsetzung eines Nationalstaats gegründet wurden. Die Damenverbindungen haben die Rituale und Traditionen der Herrenverbindungen konsequent hinterfragt und modernisiert. Sie sind nicht nur nicht schlagend, sondern in ihren Losungen ist auch keine Spur von Vaterland oder Ehre zu finden. Sie begreifen das Lebensbundprinzip nicht als “den dicken Bund”, sondern eben als das intelligente Netzwerk, das es tatsächlich ist. Übrigens: Aus Treffen und Interviews kann ich bestätigen, dass bei der „Amazonia Jena“ außer Männern jeder Zutritt hat, der das Lebensbundprinzip ernst nimmt, dass die Mitgliederinnen nicht auffällig konservativ sind und dass ihre gemeinsamen Veranstaltungen interessante Them!
en abdecken, die angenehm über den Tellerrand des eigenen Fachstudiums blicken lassen.

Ich würde mir wünschen, dass das Akrützel seinen Leitartikel-Autoren in Zukunft eine gründlichere Recherche und differenziertere Darstellungen abverlangt. Die erwähnten guten Artikel zeugen davon, dass das Akrützel diesen „ur“-medialen Auftrag grundsätzlich ernst zu nehmen bereit ist. Es wäre schön, wenn sich das auch in den Leitartikeln wiederspiegeln würde.

Viele Grüße,
Katharina Kühnle

P.S.: Wenn ihr Teile dieses Leserbriefs abdrucken wollt, dürft ihr ihn gerne splitten (z.B. nur die erste, kürzere Kritik an “Viele Wölfe, viele Schafspelze” nehmen)

P.P.S. Um Vorurteilen vorzubeugen hier dieselben persönichen Daten, die jedem StuRa-Kandidaten abverlangt werden:

– Politikwissenschaft/Osteurop. Geschichte (9. Sem)
– Mitglied von amnesty international, JungeOsteuropaExperten, Aktion Sühnezeichen
Friedensdienste
– kein (partei)politisches Engagement
– politische Einstellung: recht grün

Zum Titel im Akrützel Nr. 255

Liebes Akrützel,

ich finde es schockierend, was mit unseren Semesterbeiträgen passiert.
Bislang mochte ich das Akrützel sehr. Es war informativ, gut geschrieben, leider nicht immer neutral, aber dennoch lesenswert. Von
der Neutralität ist trauriger Weise rein gar nichts mehr übrig geblieben. Eine Zeitung, die von den Beiträgen der Studenten finanziert
wird, sollte sich einfach nicht selbst politisch positionieren, sondern als Informationsmedium für die Studenten fungieren. Es ist eben nicht so, dass die Mehrzahl der Jenaer Studenten links ist.
Genauso Bemerkenswert finde ich es, wie sich der Stura im derzeit ausgetragenen Wahlkampf positioniert. Es ist mir völlig unverständlich, dass er als Institution selbst in den Wahlkampf eingreift und gegen den RCDS Flyer verteilt. Man stelle sich nur mal vor, dass in einem Bundestagswahlkampf der Bundestag Flyer produziert und von der Wahl der SPD abrät, nur weil gerade die CDU die Mehrheit hat. Dieses Vorgehen entspricht nicht meinem Verständnis von Demokratie und zeigt auf schockierende Weise, wie das Selbstverständnis des Stura ist. Immer wieder wurde für freie Bildung und Meinungsäußerung geworben, doch dann werden all die angegriffen, die nicht auf Stura-Linie sind.
Genauso verwundert bin ich über den Versuch den RCDS in eine rechte Ecke zurücken. Er ist eine anerkannte hristlich-demokratische Gruppierung und er sollte auch als solche behandelt werden. Das es Mitglieder des RCDS gibt, die in einer Burschenschaft sind, ist kein Kapitalverbrechen. Auch in anderen politischen Organisationen gibt es Burschenschafter. Vor
einiger Zeit musste ich feststellen, dass mein Bild über Burschenschaften, sehr von der Fundamentalkritik des Akrützels der
letzten Jahre beeinflusst ist. Langsam lerne ich zu differenzieren, denn es gibt sehr wohl Unterschiede zwischen und innerhalb der
Burschenschaften. Burschenschaftler sind nicht per se undemokratisch, fremdenfeindlich und Frauenverachtend. Sondern es hängt wie überall, von den Menschen und ihren Einstellungen ab. Manchmal stellt man in Leben fest, dass es Menschen gibt, die in einer Verbindung sind, von denen man es nie gedacht hätte. Aber soll man dann die Freundschaft beenden oder eine anerkannte Persönlichkeit nicht mehr achten, nur weil sie in einer Verbindung ist? Stehen die Kompetenz und Leistungen von Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann oder Arbeiterführer Ferdinand Lassalle in Frage, nur weil sie in einer Burschenschaft waren. Oder ist Albrecht Schröter ein schlechter Bürgermeister, weil er bei der Verbindung Arminia auftritt?
Akrützel deckte auf, welcher der Stura-Kandidaten sich wo engagiert. Aber warum deckt Akrützel nicht in der eigenen Redaktion auf? Hier werden scheinbar neutrale Artikel von scheinbar unpolitischen Personen veröffentlicht. Ich denke auch die Leser des Akrützels haben das Recht zu erfahren, wo die Redakteure stehen. Warum wird denn nicht unter den Akrützel-Artikeln neben den Namen die Partei oder die Organisation veröffentlicht, welcher der Schreiber angehört? Ich glaube der ein oder andere Leser würde dann etwas anders über die Artikel denken und etwas mehr reflektieren.
Abschließend habe ich noch eine Frage: Warum wurde denn die letzte Ausgabe des Akrützels nicht ausgelegt sondern verteilt? Hat das vielleicht was mit dem Titel und dem Thema zu tun?
Als Student würde ich mir wünschen, dass in diesem Wahlkampf über Inhalte geredet wird, dass die links-rechts-Polemik aufhört und dass sich Stura und Akrützel neutral verhalten. In diesem Sinne wünsche ich allen einen fairen Wahlkampf und möge der Bessere gewinnen.

Daniel Schmücking – kein Burschenschafter, kein RCDS-Mitglied, kein
Stura-Kandidat, aber Mitglied in der Jungen Union

Zu “Peinlich – ein Kommentar zum Unijubiläum” im Akrützel Nr. 254

Sehr geehrtes Akrützel-Team,
liebe Frau Haug,

Sie sprechen mir mit Ihrem Artikel aus meiner universitätsgeplagten Seele.
Als ich erstmalig vor einigen Monaten ein Programmheft zur 450-Jahr-Feier in der Hand hatte, konnte ich nichts darin finden, womit ich mich hätte identifizieren können. Wissenschaftliche Vorträge, Fakultätswochen, Festakte für Elite usw. usf.. Ich bin Sekretärin im Institut für Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache; ich kann mit Vorträgen aus der Biologie, Mathematik etc. nicht viel anfangen, will ich auch nicht.

Wie meine Art so ist, rief ich im extra eingerichteten “Jubiläumsbüro” an und brachte meinen Unmut zum Ausdruck, schlug dabei vor, in Anlehnung der Jahrfeier vor 100 Jahren doch ein öffentliches Fest für alle Angehörigen mit Kind und “Kegel” sowie Gäste zu veranstalten, weil ich dabei natürlich auch an das Motto “Thüringen sagt Ja zu Kindern”, wofür sich ja auch die Stadt Jena engagiert, dachte. Natürlich würde dann jeder auch einen kleinen Eintrittspreis und auch seine Speisen und Getränke selber zahlen müssen. Bei chronisch leeren Kassen in Staat, Land und Uni wird keiner erwarten, dass er etwas geschenkt bekommt. Darum geht es ja auch nicht; es geht vielmehr um ein Gefühl, das “Wir-Gefühl”. Ich vermisse es – schon lange – an dieser Universität. Und nun erst recht nach diesem fürchterlichen elitären Gehabe.
Die Kollegin im Jubiläumsbüro kam ziemlich ins Rudern und stammelte etwas von „…es ist noch einiges in Planung und bis zum Jahresende ist es ja noch ein Stück…“

Außerdem erwähnte sie, dass es ja noch das Universitätsgartenfest gäbe, zu dem auch jeder gehen könnte. Ich meinte dann nur darauf, dass mir diese Veranstaltung auch zu spießig und elitär ist und ich mich dort wahrscheinlich sehr fehl am Platze vorkäme.

Als ich letzten Donnerstag den Umzug der Elite sah, konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen. Ich empfand diesen Zug ebenfalls als totalen Trauerzug, so wie Sie es in Ihrem Artikel beschrieben haben.

Also nun zum guten Schluss: meinen aller herzlichsten Glückwunsch für Ihre sehr objektive Einschätzung der „Jubiläumslage“ an der Universität.

Zu: “Mein Freund, der Joint” im Akrützel Nr. 253

Liebes Akrützelteam,

zuerst einmal die dankenden Worte an Euch, die, die Ihr uns alle zwei Wochen eine frische und kritische Ausgabe mit dem Zeitgeschehen von Universität und der Stadt Jena aufbereitet.
Ich lese das Akruetzel, bis auf wenige Ausnahmen, gerne.

Eine solche Ausnahme ist der Artikel „Mein Freund, der Joint“ im Kulturteil der letzten Ausgabe (Nr. 253).
Bei all seinem Inhalt, was meinte der Schreiberling mit dem Schlusssatz, es „scheint den Premierenzuschauern die Aufführung übrigens ganz gut gefallen zu haben“, nachdem er Kulturschaffende und Besucher in polemischer Manier der Kifferei bezichtigte.
War er nüchtern oder toxisch determiniert, als er diese Zeilen schrieb? Theaterkritik will gelernt sein und nicht der Kritik wegen geschrieben. Es muss klar sein, was Theater ist und was Theater nicht ist. Man sollte ebenfalls den Raum zumindest doch versuchen zu verstehen.

So verwundert es nicht, das Unklarheit darüber herrscht, was der Artikel überhaupt darstellt. Ist es eine Theaterkritik oder schlicht ein Erfahrungsbericht in verdeckt bürgerlichem Ton? Festzuhalten bleibt, das mit dem Artikel weder ein Verständnis des Theaterstücks, noch ein Verständnis der Lokalität C 4 zum Ausdruck gekommen ist. Eine gründlichere Recherche, zum Beispiel in Form eines persönlichen Gesprächs mit dem Regisseur, hätte da sicher Abhilfe geschaffen.
Der Raum des Caleidospheres als kulturellem Raum ist wichtig und muss erhalten bleiben. Dem Applaus nach haben dies ein Großteil der Gäste verstanden, auch im nicht berauchten Zustand.

quasi.mono

Zu: “Mein Freund, der Joint” im Akrützel Nr. 253

Bezugnehmend auf Ihren Artikel in der aktuellen Akrützel und den von Ihnen verfassten Artikel “Mein Freund, der Joint – Die ?Gleisarbeiten? im Caleidospheres”,stellen wir uns die Frage, ob das Format der Bildzeitung ein guter Garant für Leser ist, und ob sich im Dorf Jena mit einer solchen Darstellung Pokale erringen lassen.
Der Begriff Rufmord sollte Ihnen ja geläufig sein, und diesen begeht man, wenn man Veranstalter und Gäste unseres Hauses auf das Genussmittelverhalten einzelner Personen reduziert. Es steht außer Frage, daß Sie in Ihrem Artikel eine persönliche Meinung zum Stück abgeben und dieses Ihr gutes Recht ist. Jedoch bezieht sich die Überschrift nicht im geringsten darauf was Sie kundtun möchten. Vielmehr verkünden Sie, die Mitwirkenden des Festivals; den Caleidospheres e.V., das Theaterhaus Jena , den Stura, die Jazzmeile, das Theater fahrendes Volk, den Jugendtheaterclub, die Zukunftswerkstatt, die Uni-Jena und unsere Gäste, Kunst und Kultur auf der Basis von Canabiskonsum zu betreiben. Wenn es nicht unsere Jugend- und Kulturarbeit gefährden würde, dass in einer solchen Form über uns berichtet wird, würden wir es als ärmlich und lächerlich bezeichnen und nicht weiter beachten.
Dies ist jedoch der Fall. Es sollte ganz in Ihrem Interesse sein, eine Richtigstellung zu verfassen. Über weiter Schritte besprechen wir uns noch mit den beteiligten Veranstaltern und setzen Sie gegebenen Falls darüber in Kenntnis.

Mit freundlichen Grüßen,

Robert Gärtner
(Vorstandsmitglied)

Zu: “Weniger ist mehr” im Akrützel Nr. 253

Seit Jahren lese ich das Akrützel mit überwiegend wohlwollender Grundhaltung. Diesmal konnte es mir nicht gelingen. In Zeiten der kulturellen Verödung organisiert ein engagiertes Team einen Abend mit Dichtern, Denkern und Musikern in einem Provinztheater. Allein dieser Umstand verdient eine Menge Lob. Der Blick auf die Künstler fordert noch mehr Respekt. Eine lange Liste an Literaturpreisträgern wird durch hohes musikalisches Niveau unterstützt. Als Ian Simmonds, der Kopf von ‘Wise in Time’, die Musikwelt mit ‘The Sandals’ begeisterte, strebte unser 89er Kritiker eifrig der Einschulung entgegen. Die Pubertät hätte Mr. Simmonds weltmusikalisch als Juryman umrahmen können. Heute nimmt er sich zwischen seinen Produktionen sowie Tourneen in Japan und der Türkei Zeit für seine Freunde aus Jena. Dies wird natürlich auch erfreut zur Kenntnis genommen. Leider nicht vom Jungrezensententeam des Akrützel.
Mangelndes Wissen der Kritiker über Trip Hop oder NuJazz mag man verzeihen können, dieses vollkommene Versagen auf literarischem Gebiet hingegen kaum. Einerseits stimmt dies milde, andererseits schadet es einem guten Projekt mit über 300 begeisterten Zuschauern. Wie Wezels Belphegor „in eine geistlose, dumpfe Wehrdienstschilderung“ verwandelt werden kann, kann ich keinesfalls nachvollziehen. Offenbar ist es schon ein Unterschied ob man die literarische Ausbildung in Meisterkursen oder im Deutschunterricht eines gemeinen deutschen Gymnasiums erhält. Das Geburtsjahr des Dirk Hertrampf war auch das Jahr des Becher-Diploms (Literaturpreis der Akademie der Künste) für den verrissenen Herrn Höfer. Auf dem Weg zu einem eigenen Diplom sollte unser Herr Hertrampf aufmerksam Klaus Mangers „Einführung in die Textanalyse“ lauschen. Wenn es ihm irgendwann gelingt, den Mangerschen Höhenflügen lückenlos zu folgen, ist die Zeit für Kritiken reif.

Kurz und bündig: Alle Künstler haben sich Mühe gegeben. Die Organisatoren haben viel geleistet und trotz der Walpurgisnacht ein volles Haus als verdienten Lohn erhalten. Es gab Problem und Schwachpunkte. Diese, neben all dem Positiven, zu benennen wäre eine konstruktive Kritik. Um diese bittet Ihr schließlich auch.

Für Euer Verständnis dankend verbleibe ich mit besten Grüßen,

Robert Diethe

Zu: “Weniger ist mehr” im Akrützel Nr. 253

Liebe Kristin, lieber Dirk,
zunächst ein Satz zuvor, damit meine Äusserung nicht falsch verstanden wird: Ich bin durchaus ein Freund kritischer Berichterstattung und hasse Lobhudeleien – davon gibt es in thüringischen Zeitungen wahrlich genug.
Ihr habt am 30.04. die von Thomas Linke (in der Hauptsache) und dem Theaterhaus organisierte Veranstaltung “Walpurgisnacht – Jazz illuminiert Lyrik” besucht und nach eurem Erfahrungs- und Kenntnisstand beurteilt. Auch eure Kritik an der Veranstaltung kann ich teilen. Nun muss jedoch ein großes “Aber” folgen, denn bei aller angebrachten Kritik geht euer Beitrag leider am Kern vorbei.

Ich schreibe es eurer jugendlichen Frische und zwangsläufig mangelnden Erfahrung zu, dass das Besondere an dieser Veranstaltung und das im wahren Wortsinn Bemerkenswerte von euch nicht erkannt wurde. Zunächst hat es Thomas Linke geschafft, eine einzigartige Veranstaltung nicht nur vorzubereiten sondern sie zu einem Erfolg zu machen. Ich überspitze es einmal: Besucht eine x-beliebige Lyriklesung in einer Stadtbibliothek; ihr werdet i.d.R. auf ca. 30 Gäste und ein Flötenquartett der örtlichen Musikschule treffen. Was hier im Theaterhaus am 30.04. stattfand, war eher sensationell – und das im Wettbewerb mit unzähligen Kulturveranstaltungen, die nebenher noch stattgefunden haben. Euer Beitrag vermochte es leider nicht, über die Aufzählung von Kinderkrankheiten einer mit großen Hoffnungen verbundenen möglichen Premiere einer Veranstaltungsreihe hinauszukommen.

Wenn ihr denn Lyrik mögt, denn wozu wart ihr sonst gekommen, dann habt ihr ihrer Akzeptanz als literarischer Gattung in der heutigen Zeit keinen Gefallen getan. Leider. Wer im Angesicht der angebotenen Breite von Kunstgenres an diesem Abend von Sinneschaos spricht, weiß, es tut mir leid, es so scharf formulieren zu müssen, nicht wovon er redet. Und noch ein Satz zum guten Ende: Niedermacher sind nicht cool – nicht mal im Boulevardjournalismus.

Auch eure, ich nenne es einmal “Textkritik” zeugt nicht gerade von Lyrik-Lese-Erfahrung. Denn Lyrik ist deshalb eine literarische Gattung, weil es nicht nur eine Facette gibt. Euer Beitrag vermittelt den Eindruck tieferen Nichtwissens und ich hoffe ihr studiert BWL oder Jura, ohne Betriebswirtschaftlern und Juristen zu nahe zu treten, und keine literaturwissenschaftliche Richtung.

Denn natürlich – weil es eben in der Natur der Sache liegt – ist Romina Voigt nicht Michael Ebeling – genauso wenig, wie Friedrich Hölderlin Georg Heym ist.

Ich wünschte mir in zukünftigen Beiträgen aus eurer Feder mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung und mehr Einfühlungsvermögen in den Sinn einer Veranstaltung, damit es euch zukünftig gelingt, auch als Redakteure mit eurer Sicht auf die Dinge ernstgenommen zu werden.

Die besten Grüße
Gerald Höfer

PS: Ich weiß, ihr denkt, jetzt ist Gerald Höfer beleidigt, weil wir ihn und seine gelesenen Texte kritisiert haben und deshalb kritisiert er zurück. Dem ist nicht so. Eure Kritik hätte mich wahrscheinlich getroffen, wenn sie substantiell richtig gewesen wäre. Leider offenbarte die meinen Texten zugeordnete Wortgruppe “eine geistlose, dumpfe Wehrdienstschilderung” nur, dass ihr mir nicht zugehört habt, ist deshalb locker weg zu stecken gewesen und kein Grund beleidigt zu sein. Euer Verriss der Veranstaltung ärgert mich allerdings wirklich.