Gera ehrt seinen Künstlersohn

Otto-Dix-Ausstellung in der Orangerie und im Otto-Dix-Haus

Von Nadja Demel




Otto Dix retrospektiv: Im Vordergrund rechts „Doppelbildnis Dix-Günther“ (1920), links „John Penn“ (1922) und hinten in der Mitte „Selbstbildnis mit Jan“ (1930).

Foto: Stadtverwaltung Gera

Prüfend schaut der Künstler hinter seiner Staffelei hervor. Sein Gesichtsausdruck ist streng, fast schon grimmig. Sein Blick durchdringt den Beobachter, er wirkt höchst konzentriert – so präsentiert sich Otto Dix auf einem Selbstbildnis aus dem Jahr 1926. Anlässlich seines 120. Geburtstags zeigt seine Heimatstadt Gera Werke aus dem Leben des Künstlers. Die Retrospektive ist auf die Orangerie und das Otto-Dix-Haus, das Geburtshaus des gelernten Dekorationsmalers, verteilt. Der Besucher wird dabei durch alle Schaffensphasen geführt.
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15 Minuten Ruhm

Jenas Umgang mit der plötzlichen Aufmerksamkeit in den Medien

Von Daniel Hofmann und Jan-Henrik Wiebe




Für so einen Medienauflauf sind Jenas Presseräume nicht geschaffen.Foto: Daniel Hofmann

Wie ein großes Batman-Symbol am Abendhimmel erstrahlte am 2. Dezember ein riesiges Ausrufezeichen am Jentower. Dem hell erleuchteten Aufruf folgten 45.000 Menschen und versammelten sich zum „Rock gegen Rechts“ in Jena. Das Ausrufezeichen sollte unterstreichen, dass Jena eben kein braunes Terrornest ist, sondern eine „Bunte Republik Deutschland“ sein will. Zum Konzert in die Oberaue erschienen nicht nur Menschen aus Jena, sondern auch viele aus dem Umland. Sogar ein Sonderzug fuhr von Erfurt aus über Weimar und Apolda nach Jena. Das wollte sich niemand entgehen lassen, schließlich kamen Udo Lindenberg, Peter Maffay, Clueso, Silly und Julia Neigel in die Saalestadt.
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„Äste des Dornbusches“

Wolfgang Frindte im Gespräch über Folgen eines Medienhypes

Das Gespräch führten Maria Hoffmann und Daniel Hofmann




Der Kommunikationspsychologe Wolfgang Frindte beschäftigt sich momentan mit der Wirkungen von Nachrichten über Terrorismus. Mit Akrützel sprach er darüber, wie die jüngsten Medienereignisse in Jena nachwirken können, über die Tricks die es braucht, um dramatische Fernsehbeiträge zu produzieren, und was die Jenenser jetzt unternehmen sollten.Foto: Daniel Hofmann

Nachdem die Terrorzelle aufgedeckt wurde, wurden in Jena recht schnell mehrere Veranstaltungen, zum Beispiel ein großes Rockkonzert, organisiert. Wie ist dieses zügige Vorgehen der Initiatoren zu werten?

Da tut sich dann ein ganzer Dornbusch auf mit heiklen und schmerzhaften Fragen und Antworten. Wie kommt sowas zustande? Was hat mich als Jenaer bewogen, so wütend zu werden? Denn ich gehöre zu den Unterzeichnern des Protestes. Was hat die Veranstalter dazu geführt, so ein riesiges Konzert zu organisieren?
Solche Diskussionen gibt es auch mit Recht, und man sollte die unterschiedlichen Sichtweisen zulassen. Das haben wir lange Zeit nicht getan. Es gibt Auffassungen wie: Das ist ja nur Verantwortungsabwehr, indem wir uns als die Guten darstellen. Das Image unserer Stadt ist das Entscheidende und wir vergessen dabei vielleicht ganz andere Dinge.
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Aspekte vs. Jena

Ein ostdeutsches Städtlein schlägt zurück

Von Maximilian Gertler

Montag Abend, 5. Dezember 2011, 20 Uhr. Es war soweit. Der große Showdown konnte beginnen. Und so versammelten sich Jenas Schwergewichte aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft im Theaterhaus, um Christhard Läpple entgegenzutreten, dem Redaktionsleiter der Fernsehsendung, die es gewagt hatte, unser Jena in den braunen Schlamm zu ziehen. „Angstzone“, „kein Paradies für Menschen mit Migrationshintergrund“, all das war Jena nun für den Rest der Republik, Europa und der ganzen Welt. Ein echter Eklat, der Skandal des neuen Jahrtausends. Zumindest scheint das die Selbstwahrnehmung der Jenenser und Jenaer dieser Tage zu sein, die sich doch erst am Freitag zuvor bei Bier und Bratwurst von Udo Lindenberg und Peter Maffay beim Rock gegen Rechts unterhalten ließen – will heißen: gegen Nazis engagierten.
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Polanskis Bleibe

Wo im Film der Gott des Gemetzels zuhause ist

Von Christian Fleige




Noch stehen die Fassaden der antrainierten Großstadthöflichkeit.Foto: Szenenbild / Constantin Film

Eine Wohnung ist ein „meist aus mehreren Räumen bestehender, nach außen abgeschlossener Bereich in einem Wohnhaus, der einem Einzelnen oder mehreren Personen als ständiger Aufenthalt dient.“ So steht es im Duden. Dort lassen sich jedoch auch Synonyme finden, die der Definition, die so unterkühlt wie eine Betonfassade daherkommt, ein wenig Wärme schenken: Refugium, Domizil oder Zuflucht. Begriffe, die verdeutlichen, dass die Wohnung Heim und Schutz ist.
Der Filmemacher Roman Polanski kann mit diesem romantischen Sicherheitsmotiv, so scheint es, wenig anfangen: Die Wohnungen in seinen Filmen sind oftmals Monster.
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Stimmen im Nebel

„Betaville“ im Kulturbahnhof

Von Janina Rottmann




Eingehüllt von der radioaktiven Wolke sind Androiden erst auf den zweiten Blick zu erkennen.Foto: Theaterhaus Jena

Es begann mit einem Krieg. In dessen Verlauf legte sich eine radioaktive Wolke um die Erde und machte sie so in großen Teilen unbewohnbar. Um zu überleben, muss die Menschheit den Mars besiedeln. Androiden, den Menschen nachgebildete Maschinen, werden ihnen dabei als Hilfe zur Seite gestellt. Diese sind lernfähig und unterscheiden sich bald weder in Intelligenz noch Aussehen von ihnen. Einzig ihre mangelnde Empathiefähigkeit hilft, sie zu erkennen.Obwohl auf der Erde verboten, leben viele von ihnen unerkannt unter den Menschen.
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