Viel Aufruhr um wenig Stoff

In dieser Serie widmen wir vermeintlichen und echten Meisterwerken Liebeserklärungen und Hasstiraden. Diesmal: der Bikini, der heute sein 70. Jubiläum erlebt. 

Von Sandra Trienekens

 

In James Bond 007 jagt Dr. No steigt 1962 Ursula Andress als erstes Bondgirl der Reihe anmutig aus den Wellen des Ozeans. In der Rolle der verführerischen Muschelsucherin Honey Ryder trifft sie in dieser legendären Szene zum ersten Mal auf James Bond. Der weiße Bikini mit Gürtel und Messer bildet einen auffälligen Kontrast zu ihrer sonnengebräunten Haut, die perfekte Strandfigur ist fabelhaft in Szene gesetzt. Dieser Auftritt war ein Durchbruch – nicht etwa von Ursula Andress, sondern des Bikinis. Man könnte meinen, dass gerade dieser Zweiteiler den Film zum Kassenschlager machte. weiterlesen…

„ARSCHLÖCHER WIE DU UND ICH“

Lothar König im Kurzporträt

Von Christoph Renner

„Hab heute nen schwarzen Fleck gesehen, ist mir noch nie passiert.“ Lothar König, Jahrgang 54, war gerade beim Augenarzt. Der Jugendpfarrer der Jungen Gemeinde Jena kommt eine Viertelstunde zu spät, gibt kurz die Hand und geht dann den langen Gang Richtung Eisentor voran. Die Wände des Ganges sind aufwändig gestaltet, mit zahlreichen politischen Botschaften. Aber König ist schon am Tor und interessanter als Graffiti. Und das nicht wegen seines Vollbarts und der Sandalen, die er auch im Oktober ohne Strümpfe trägt. weiterlesen…

Höllisches Nymphen-Paradies

Wiedersehen mit Lolita

von Anna-Lena Prutscher

So ein Kanon ist eine tolle Sache. Der macht das Leben leicht und gezieltes Namedropping schindet mächtig Eindruck: Flaubert, Tolstoi und Kubrick – schon kriegen Studis feuchte Unterhosen. Ganz schnell outet sich als Prolet, wer die große Kunst nicht als solche erkennt.
Wir starten eine neue Serie und widmen vermeintlichen und echten Meisterwerken Liebeserklärungen und Hasstiraden. Den Anfang macht Vladimir Nabokovs Lolita.

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Bloß keine Sklaventexte

Die Jenaer Literaturszene in den 70er und 80er Jahren

Von Uli Sauer

Lutz Rathenow (links) Anfang der 80er Jahre zu Besuch bei der Schriftstellerin Katja Havemann in Grünheide. Hier im Gespräch mit dem Bürgerrechtler Roland Jahn.
Privatarchiv: Lutz Rathenow

Jena zu Beginn der 70er Jahre: Die Unterschiede zwischen den Literaturzentren konnten größer nicht sein. In dieser Zeit bildeten sich zwei Institutionen heraus, in denen literarisch ambitionierte Jugendliche ihr Talent entfalten konnten oder sollten. Auf der einen Seite stand der oppositionelle Arbeitskreis für Literatur, der 1973 aus den privaten „Freitee-Treffen“ Lutz Rathenows hervorging und ganz offiziell in das neugebaute Kulturzentrum Neulobeda verlegt werden konnte. Die andere Seite bildete das Literaturzentrum unter der Schirmherrschaft des Kulturministeriums für den Bezirk Gera. Hier wurden junge Schriftsteller sozialistisch erzogen und auf Linie eingeschworen. Jede Form von Kritik wurde unterbunden. weiterlesen…