Von Revolten und Krediten

Anonyme Studenten versuchten zu rebellieren – bloß gegen was?

Von Louisa Reichstetter

Foto: Marcel Hellwig

Sie zeigte mit dem Finger auf die beige Wand und verschluckte sich fast an ihrem Wiener Würstchen. Sie war pickelfrei, aber noch keine 19. Die beige Wand war, das muss man zugeben,  nicht mehr ganz so beige wie sonst: Jemand hatte in der Nacht zum 3. November gegenüber der Thulb „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ ans Frommansche Haus gesprayt.
„Was soll‘n das heißen?“  „Sous les pavés, la plage“ heißt das, und bedeutete einmal: Träume bündeln, Steine ausreißen und damit auf Polizisten schmeißen. Paris. Mai, 1968: Französische Studenten legen aus Ärger über die konservative Politik an ihrer Hochschule ein ganzes Land lahm.
Jena, November 2008: „Klingt hübsch“, sagt sie und kaut weiter.
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Einer nach dem Anderen

von Matthias Benkenstein

Von wem soll er nur abschreiben?. FOTO:Matthias Benkenstein

Noch sieht es im Büro von Susan Lynn Dortants nicht so aus, als ob sich hier die zukünftige Studentenelite beraten lässt: Neben zwei schlichten Schreibtischen mit Blick auf das Volkshaus steht ein geräumiges Regal, in dem nichts liegt außer einem Stapel apfelgrüner Informationsbroschüren und einem Stadtplan von Jena. Überall stehen Umzugskartons. Auch die große Amerikakarte muss erst noch an der schmucklosen Raufasertapete aufgehängt werden.
Dortants, die aus den USA stammt, arbeitet im neu gegründeten „Master-Service-Zentrum“, das sich im ersten Stock des Akademischen Studien- und Prüfungsamts befindet. Erst im September bezog sie ihr Büro und berät seitdem Studenten, die sich für ein Master-Studium an der FSU interessieren oder gerade eines beginnen. Zuvor hatte sie schon vier Jahre an der „Erfurt School of Public Policy“ Master-Studenten betreut.  Die 28-Jährige ist außerdem an den Werbekonzepten für die neuen Master-Studiengänge beteiligt.

Erst ein Koreaner

Diese werden auch dringend benötigt, denn obwohl zum derzeitigen Wintersemester über 30 Master-Studiengänge eingeführt, 155 Bewerbungen aus dem Ausland und 136 Bewerbungen aus Deutschland eingereicht wurden, haben noch nicht viele Studenten den Weg in Dortants‘ Büro gefunden. „Bis jetzt ist nur ein Koreaner da gewesen“, sagt die Beraterin. Dieser habe sich für den Studiengang „Christentum in Kultur, Geschichte und Bildung“ interessiert und gefragt, ob seine Studienleistungen aus Korea angerechnet werden können. Ansonsten seien bisher nur einige E-Mail-Anfragen aus Pakistan, Rumänien und Deutschland gekommen.
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Der Bachelor ist für alle da

Wie die Hochschulstudenten entscheiden über das Semesterticket Thüringen – eine Glosse

von Alexander Strauß

Der Universitätsstudent und der Fachhochschüler haben nichts gemeinsam. Letzterer, auch als Proletarier-Student bezeichnet, hat einen durchgeregelten 7-bis-15-Uhr-Lernwerktag. Während der Unistudent gerade aufgestanden ist und zum Frühstück in die Mensa geht, nachdem er seinen Dozenten per E-Mail um eine nochmalige Verlängerung des Hausarbeitenabgabetermins gebeten hat, überlegt der Fachhochschüler, wie er seinen Feierabendnachmittag gestaltet. Und versucht auf dem Heimweg im Bus seine Mitschüler an Stoffumfang und Anzahl der bevorstehenden Klausuren zu überbieten.

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Nichts geht mehr

Schiedskommission empfiehlt Auflösung des Studentenrats
von Johannes Wander

Frances Karlen und Enrico Schurmann leiteten die konstituierende Sitzung.FOTO:Matthias Benkenstein

„Sowas Lächerliches muss ich mir nicht geben!“ Berengar Lehr verlässt kopfschüttelnd den Sitzungsraum des Stura. Andere Mandatsträger schließen sich ihm an und kehren der Schiedskommission den Rücken zu. Diese hat dem Gremium soeben verkündet, dass es sich vermutlich auflösen und Neuwahlen durchführen muss. Die Sturawahlen vom Juli dieses Jahres waren von zwei Jurastudenten angefochten worden (Akrützel berichtete). Zur Begründung hieß es, es fehle eine eigene Wahlordnung des Studentenrats. Bisher orientierte dieser sich an der Wahlordnung der FSU, was aber Einzelkandidaten der Fakultäten laut Kläger massiv benachteilige. Anfang vergangener Woche veröffentlichte die Schiedskommission nun das Ergebnis ihrer Untersuchungen. Dort wird den Antragstellern recht gegeben und dem Stura eine Neuwahl empfohlen.
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Das Desaster mit dem Dachs

Die Online-Studienverwaltung “Friedolin” bricht erneut zusammen

Nicht so unschuldig, wie er aussieht: Friedolin, der Dachs.FOTO:pixelio

von Jonas Janssen

Friedolin (Friedrich-Schiller-Universität-Online) sorgt zu Beginn des laufenden Semesters wieder für eine Menge Ärger und Verwirrung: Zum Beispiel unterscheiden sich auf der Internetseite Rubriken, die eigentlich synchronisiert sein müssten. Eine zeigt „zugelassen“, eine andere nur „angemeldet“ für Veranstaltungen an, in die man sich eingeschrieben hat. Das sollte eigentlich unmöglich sein. Mehrere Studenten, vor allem aus der Soziologie, berichten von E-Mails, in denen sie für Seminare zugelassen wurden, zu denen sie sich nie angemeldet hatten. Auf Nachfrage beim Dozenten erhalten sie zur Antwort: „Mails, die Friedolin versendet, einfach nicht beachten, das Chaos tobt.“ Teilweise sind Abmeldungen von Veranstaltungen nach wie vor ganz unmöglich. In schöner Regelmäßigkeit tauchen auch Veranstaltungen, die man sich abgespeichert hat, nicht mehr auf.
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Volle Pleite

Warum das 4-dip-Festival gescheitert ist.

Das Gespräch führte Conrad Ziesch

Anlässlich der 450-Jahr-Feier der FSU hatte das Kulturreferat des Stura im August das internationale Fest Four Days in Paradise (4dip) organisiert. Es sollte die größte studentische Initiative im Jubiläumsjahr werden. Der Titel der Veranstaltung versprach viel. Vielleicht zu viel, wie Mitorganisator Christian Triebel rückblickend meint.

“Es hätte besser laufen können”, sagt Christian Triebel.
FOTO:Conrad Ziesch

In den vier Veranstaltungstagen sind 3.000 Besucher zu eurem Festival gekommen. Wären außerhalb der Semesterferien nicht mehr zu erwarten gewesen?
Der Termin war sicher nicht der günstigste, das war uns von Anfang an bewusst. Wir befanden uns jedoch in einer Zwickmühle: Vorher fand die Kulturarena statt. Hätten wir den Termin später angesetzt, wäre der Sommer schon vorbei gewesen. Außerdem wollten wir den Studenten aus Europa die Möglichkeit geben, in ihren Semesterferien nach Jena zu kommen.

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