Essen für Millionen

Ein Blick in den Kochtopf: Die Abbe-Mensa wird zehn Jahre alt

Von Kristin Haug

72 Kühe pro Semester. Foto: Kristin Haug

8 Uhr: „Wir verarbeiten auch Leichen“, sagt Wolfgang Schubart. Der stellvertretende Küchenleiter der Ernst-Abbe-Mensa erzählt seinen Paradewitz. Er meint natürlich Tierleichen und wenn man über seinen Witz nicht lacht, dann wechselt er schnell das Thema. Schubart sitzt in seinem Büro, weit hinten in der Mensa-Küche, hinter Glaswänden und roten automatischen Schiebetüren, hinter Kellen und Küchengeklirr und einer schwitzenden Heidrun Nowicki. Die teilt gerade das Frühstück aus, klatscht Apfelmus auf Eierkuchen und setzt gekochte Eier in ihre Becher. Die Mensa hat gerade geöffnet und Wolfgang Schubart bestellt am Telefon gefüllte Oliven, Salate und Bananen für die nächsten Tage. Obwohl der Küchenleiter seine weiße Kochmütze trägt, wird er heute nicht kochen, sondern den Arbeitsablauf des Mensa-Teams koordinieren. Eines prophezeit er schon jetzt: „Das Wurstgulasch wird heute der absolute Renner.“
Vor zehn Jahren wurde die Mensa am Abbe-Platz eröffnet. Dreitausend Portionen werden hier von 45 Mitarbeitern täglich ab sieben Uhr zubereitet und verkauft. Zuerst sind Desserts, Salate und Saucen dran, dann Beilagen, zuletzt die Fleisch- und Pfannengerichte. Die Rezepte denkt sich Hans-Jürgen Kirmse aus, der Küchenleiter der Abbe-Mensa. Vier bis fünf verschiedene Gerichte gibt es am Tag. Ein halbes Jahr vorher werden sie geplant und Angebote dafür eingeholt. weiterlesen…

Niemand sagt: “Hallo, ich bin Nazi”

Interview mit dem neuen Referenten gegen rechts Berengar Lehr

Das Gespräch führte Jonas Janssen

Im Dezember 2008 beschloss der Stura die Einrichtung eines Referats gegen Rechtsextremismus. Vergangene Woche wurde Berengar Lehr zum Leiter des Referats gewählt; AKRÜTZEL sprach mit ihm über Rechtsextremismus an der Uni, Initiativen und das Verhalten der Studenten.

Berengar Lehr. Foto: Jonas Janssen

Gab es einen konkreten Anlass das Referat ins Leben zu rufen?

Nein, es war einfach an der Zeit. Das Menschenrechtsreferat, bei dem die Arbeit gegen Rechtsextremismus vorher angesiedelt war, hat nicht beides erledigen können und da kam der Wunsch auf, das Referat zu gründen. Sicher ist seit dem ersten „Fest der Völker“ auch zusätzlich Bewegung in die Stadt gekommen, aber eigentlich wäre es schon viel früher Zeit für ein Referat gegen Rechtsextremismus gewesen.

Und von wem ging die Initiative aus?

Die Idee hatten Sturaktiv und die Jusos, es waren auch schnell viele „Ungebundene“ von der Idee überzeugt.

Über den Namen des Referats wurde im Stura lange diskutiert, wieso?

Die eigentliche Idee war, es „Antifaschistisches Referat“ zu nennen. Da aber eine Gruppe (aus den Reihen des RCDS, Anm. d. Red.) im Stura ein Problem mit dem Wort Antifaschismus hatte, kam es zur Diskussion. Faschismus sei nicht auf Nazis begrenzt und eigentlich nur die Beschreibung einer italienischen Regierungsform, wurde da theoretisiert, außerdem würde es an die DDR mit ihrem staatlich verordneten Antifaschismus erinnern. Es wäre zudem genauso wichtig, sich auch gegen Linksextremisten zu engagieren. Ich halte diese Gleichsetzung von rechts und links, die auch von der Landesregierung gerne verwendet wird, für höllisch gefährlich. weiterlesen…

Bloßstellen oder Propaganda

Wie Journalisten mit Nazis umgehen sollten – ein Kommentar

Von Jonas Janssen

Deutschlands bekanntester Holocaust-Leugner Horst Mahler begrüßte Michel Friedman vor zwei Jahren mit den Worten: „Heil Hitler, Herr Friedman.“
So verrückt es zunächst klingt: Journalistisch gesehen war dies ein Glücksfall. Nicht weil es dem Magazin „Vanity Fair“, in der das Interview erschien, Aufmerksamkeit einbrachte. Sondern vielmehr weil es eine wichtige Debatte lostrat: Wie sollen Medien mit Rechtsextremisten, Rassisten und Antisemiten umgehen? Viele schrien damals auf, es sei unverantwortlich einem Radikalen wie Mahler auf diese Weise eine Plattform zu liefern. Der Historiker Arno Lustiger zeigte „Vanity Fair“ sogar an. Trotzdem leistete Friedmans Interview etwas, das den Medien nur selten gelingt. Er führte den Wahnsinn des Mahlerschen Antisemitismus und Rassismus eindrucksvoll vor. weiterlesen…

Anschnallen nicht vergessen

Die Wickelräume an der Uni gleichen einer Autobahntoilette

Von Anna Zimmermann

Ohne Kommentar. Foto: Philipp Böhm

„Allein in diesem Jahr haben wir 19 neue Wickelmöglichkeiten geschaffen“, erklärt die Verantwortliche für die Wickelräume, Eva Schmitt-Rodermund. „Während es vorher nur ein paar in den Hauptgebäuden gab, haben Mütter nun auch in den externen Instituten die Möglichkeit ihr Kind zu wickeln.“ Jedoch sind alle im Stil der oben beschriebenen Anlage gestaltet. Mit Hilfe der Initiative „Studentenparadies Jena“ versuchte man so die Familienfreundlichkeit der Uni zu fördern – ob es aber wirklich einladend ist, sein Kind auf einer harten Plastikrinne zu wickeln, bleibt fraglich. Schmitt-Rodermund betont, dass kaum eine andere Möglichkeit bleibe. „Besonders im Hauptgebäude herrscht ein Platzproblem, da das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz steht.“ Also wich man auf bereits vorhandene Räume aus: die Behinderten-WCs. Weil aber dort der Bewegungsfreiraum der Toilettenbenutzer weiterhin gegeben sein muss, entschied man sich eben für die Raum sparende Variante.
Auch ein anderes Problem eröffnet sich den jungen Müttern: An der Uni gibt es keinen geeigneten Ort zum Stillen der Kinder, es sei denn, man gibt sich mit einer dunklen Kammer im UHG oder einem Kellerraum am Campus zufrieden. Anders sieht es da in der FH aus: Ein geräumiger, freundlicher Wickelraum mit Couch, Mikrowelle und Waschbecken bietet den Müttern eine angenehme Atmosphäre zum Versorgen ihrer Kinder. So etwas sei aber an der Uni nicht realisierbar, hebt Eva Schmitt-Rodermund hervor, obwohl sie es für sehr wichtig halte, jungen Eltern entgegenzukommen. Einen echten Verbesserungsvorschlag für die Qualität der Wickelräume hat sie trotzdem nicht parat. Sandra Schau, eine andere junge Mutter, rät Wickeltischsuchenden deshalb, lieber auf die Wickelmöglichkeiten in der Innenstadt auszuweichen, wenn sie ihr Kind auf eine gemütliche Unterlage betten wollen. „In der Drogerie DM gibt es sogar Feuchttücher und Windeln gratis“, sagt sie schmunzelnd, „es ist nur schade, dass man an der Uni diese Möglichkeit nicht hat.“

Die doppelte Ungerechtigkeit

Ein Gespräch mit dem Stura-Ankläger Philipp Scholz

Das Gespräch führte Johannes Wander

Am 10.11. verkündete die Schiedskommission offiziell ihr Urteil zur Anfechtung der Stura-Wahl vom letzten Juli. Akrützel sprach mit Philipp Scholz, einem von zwei Klägern, über das Ergebnis und seine Konsequenzen für den Stura.

Könntest du bitte kurz nochmal zusammenfassen, worum es in eurer Anfechtung und dem Schiedsspruch geht?

Ursprünglich ging es darum, dass wir glaubten, es bestünde ein Fehler in der Satzung, der der Gleichheit der Wahl widerspricht. Es stellte sich jedoch heraus, der Fehler liegt nicht in der Satzung, sondern in deren Anwendung. Ein klassischer Wahlfehler, mit dem sich der Schiedsspruch hauptsächlich befasst.

Worin bestand dieser Fehler?

In der Satzung steht, die Wahl sei gleich, also dass die Wähler in ihrer Stimmkraft gleich sein müssen. In Bezug auf die Wahl bedeutet das, dass jeder Wähler über so viele Stimmen verfügt wie Mandate an der Fakultät zu vergeben sind. In der Wahlbekanntmachung heißt es: „Der Wahlberechtige kann seine Stimmen auf verschiedene Wahlvorschläge verteilen.“ Wahlvorschläge sind laut Satzung Einzelwahlvorschläge oder Listenwahlvorschläge, wobei mehrere Stimmen für einen Kandidaten nur als eine Stimme für den Kandidaten und seine Liste zählen. Es wurden aber vom Wahlvorstand die Begriffe Kandidaten und Wahlvorschläge vermischt. weiterlesen…