Die Diktatur der Angepassten

Unkritische, unpolitische, weichgespülte Studenten – eine Polemik

Von Jonas Janssen

Bisweilen wirkt die heutige Studentengeneration lethargisch bis treudoof. Foto: Akrützel-Archiv

Neulich in der Mensa: Ein Langhaariger in knallgelbem „Verwaltungsgebühren-Boykott“-Shirt schlurft an meiner Reihe vorbei. Als er außer Hörweite ist, schnauft mein Gegenüber verächtlich und reckt den Hals zu mir rüber: „Fünfzehntes Semester Philosophie; Attac und Greenpeace plus Weltrettung nebenher – Zeit sollte man haben.“ Da der erhoffte Lacher meinerseits ausfällt, legt er nach: „Also mir gehen diese Gutmenschen ja manchmal richtig auf den Sack.“ Da muss ich doch irgendwie mithalten: „Alter, das kommt aber gut im Lebenslauf, mit Softskills und so.“ Der Schlag sitzt und wir brechen beide in schallendes Gelächter aus.
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Die Welt im Schwebezustand

Ein Gespräch mit Soziologieprofessor Hartmut Rosa

Das Gespräch führte Felix Reinhardt

Prof. Hartmut Rosa ist Lehrstuhlinhaber für allgemeine und theoretische Soziologie. Mit Akrützel sprach er über die Veränderung des Zeitgeistes, Ohnmachtsgefühle und die Faszination der RAF.

Foto: Felix Reinhardt

Herr Rosa, Aktionen gegen Studiengebühren stoßen unter Studenten auf eine nur sehr geringe Resonanz, obwohl sie unmittelbar davon betroffen sind. Wie ist das zu erklären?

Das ist Teil eines allgemeinen Phänomens: Es wird immer schwerer Proteste zu organisieren. Diese Tendenz ist im Übrigen nicht nur studienspezifisch, sondern zieht sich durch die gesamte Gesellschaft. Ein zentraler Grund sind die aufkommenden Ohnmachtsgefühle. Man könnte zwar protestieren, aber es würde nichts bringen. Spieltheoretisch könnte man sagen, es spielt hier eine Art Kosten-Nutzen-Abwägung hinein. Auf der anderen Seite ist jeder gewillt seinen eigenen Weg zu finden. Lieber ein schneller Studienabschluss und ein paar Praktika als versuchen kollektiv etwas zu tun. Hier findet eine Verschiebung im Lebensgefühl statt. Die Studenten wollen sich in dem Wirrwarr am besten durchschlängeln.

Welche Rolle spielt die 68er-Bewegung für die heutige Studenten-Generation?

Sie wirkt eher negativ. Seit 20 bis 30 Jahren sagen die Dozenten: „Naja, es ist alles nicht mehr so, wie es mal zu unserer Zeit war.“ Aber hier findet auch eine Verklärung statt. Wir haben die Bilder im Kopf, dass diese Generation nichts anderes gemacht hätte als zu demonstrieren. weiterlesen…

Auf der anderen Seite

Ausländische Studenten in Jena und ihre Probleme

Von Conrad Ziesch

Drei von Ihnen werden statistisch gesehen ihr Studium in Deutschland nicht abschließen.         Foto: Matthias Benkenstein

Sie wohnt in Weimar, hat vor wenigen Tagen ihre Masterarbeit an der FSU eingereicht und spricht fließend Deutsch: Ling mit ihrer schwarzen Lockenmähne, ihrem einnehmenden Lachen und den gelben Turnschuhen will so gar nicht in das Bild passen, das sich viele Jenaer Studenten von ihren ausländischen Kommilitonen machen. Wohnheimplatz in Lobeda, schlechte Deutschkenntnisse und unscheinbares Äußeres – die Liste der Vorurteile ist lang. Die Situation ausländischer Studenten lässt sich aber nicht auf Klischees reduzieren, findet Ling, die vor mehr als einem Jahr aus dem Norden Chinas zum Jurastudium nach Jena kam. „Das Leben kann man nicht schwarz oder weiß malen. Es liegt irgendwo dazwischen.“ weiterlesen…

Wenn Ackermann & Co das Studium finanzieren

Zwei Prozent aller Studenten nehmen mittlerweile einen Kredit auf – und starten mit hohen Schulden ins Berufsleben

Von Anna-Lena Roth

Ehe man sich versieht, steckt man in der Schuldenfalle.Zeichnung: beetlebum

Was erwarten wohl die 9.729 Erstis, die seit diesem Wintersemester an den Thüringer Universitäten eingeschrieben sind, von ihrem Studium? Überfüllte Hörsäle, klar. Genervte Dozenten, sicher. Aber zum typischen Studentenleben gehören genauso das Kaffeetrinken und der Kinobesuch mit Freunden oder die WG-Party und Kneipentour mit den Kumpels.
Doch so ein Studium will finanziert werden. Im Idealfall sind diese Kosten durch Mama und Papa, Kindergeld und Bafög gedeckt. Dieser Idealfall wird nur leider immer seltener.
Philipp Ebert, 20, zählt nicht zu diesen „Idealfällen“. Er gehört vielmehr zu den zwei Prozent der Studenten, die in Deutschland einen Kredit aufnehmen müssen, um ihr Studium zu finanzieren.
An der FSU studiert Philipp im ersten Semester Geschichte und Politikwissenschaft. Für das Arbeiten nebenher hat er keine Zeit. „Auch eine Ausbildung stand nie zur Debatte. Für mich war immer schon klar, dass ich studieren werde.“ Klar war aber auch, dass Philipps Eltern ihn dabei nicht unterstützen, schließlich haben sie sich erst vor Kurzem ein Haus gekauft. Somit ist Philipp aber auch nicht Bafög-berechtigt – und er musste sich vor Studienbeginn ernsthafte Gedanken um Finanzierungsmöglichkeiten machen.
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Geld sparen, Geld verdienen

Von Isabel Schlegel

„O, ihr unsterblichen Götter! Sie sehen es nicht ein, die Menschen, welch große Einnahme die Sparsamkeit ist“, stellte schon der berühmte römische Redner Cicero enttäuscht fest. Ob sich an dieser Erkenntnis heutzutage, über 2.000 Jahre später, viel verändert hat, ist angesichts der aktuellen Kreditkrise fraglich. Fest steht dagegen, dass viele Studenten dazu gezwungen sind zu sparen – ob sie nun wollen oder nicht. Denn 686 Euro hat ein Student in Thüringen durchschnittlich im Monat zur Verfügung. Rund ein Drittel aller Studenten muss mit weniger als 600 auskommen und liegt somit sogar unter der relativen Armutsgrenze für den Osten Deutschlands. Sparen ist da keine Lifestyleentscheidung, sondern eine Überlebenstechnik. Deshalb hier eine kleine Auswahl an Überlebenstipps für den studentischen Haushalt:

MOBILITÄT

Couchsurfing (www.hospitalityclub.org): Nicht nur auf Urlaubsreisen perfekt, um kostenlos in fremden Gegenden zu übernachten. Auch zur Überbrückung bei der Wohnungssuche in Jena allemal billiger als ein Hotel.
Mitfahrzentrale: Deutlich billiger als Bahn fahren und interessante Gespräche während der Fahrt gibt es meist kostenlos dazu.
Öffentliche Sportanlagen: Einfach unauffällig reinschleichen und eine kostenlose Dusche genießen.

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Wissenswertes über Nebenjobs

Von Franz Purucker

Bis zu 400 Euro

dürfen Studenten monatlich steuerfrei dazuverdienen. Dafür wird ein Nachweis über die geleisteten Stunden verlangt. Besonders praktisch ist, dass keine Sozialversicherungsbeiträge vom Lohn abgezogen werden. Es dürfen auch mehrere Jobs angenommen werden, solange dies in eine Lohnsteuerkarte
eingetragen wird und der Verdienst 400 Euro im Monat nicht übersteigt.
Sonderzahlung
Zum regelmäßigen Arbeitsverdienst müssen auch anteilige Sonderzahlungen, zum Beispiel Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld, hinzugerechnet werden. Bei 400 Euro monatlich plus Weihnachtsgeld gilt ein Student nicht mehr als geringfügig beschäftigt.

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