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Klimawandelleugner haben in Jena nicht nur eine Hochburg,
sondern auch Kontakt zu studentischen Organisationen.

von Finn Werner

Den menschengemachten Klimawandel ernst zu nehmen und im besten Falle auch noch aufzuhalten, wirkt wie eine Selbstverständlichkeit. Anders sieht das das Europäische Institut für Klima & Energie, kurz Eike. Mit dem Slogan „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit!“ lädt das Institut, das eigentlich gar kein Institut, sondern ein Verein ist, auf seiner Internetseite zum Stöbern ein. Mit dem Ziel, Klima- und Energiefakten „ideologiefrei“ darzustellen, haben sich ehemalige Universitätsprofessoren und andere kritische Freigeister zum gemeinsamen Klimawandelleugnen in Jena zusammengefunden. Klimawandelleugner? In Jena? Unser Interesse war geweckt. Und auch wenn Debatten mit Verschwörungstheoretikern meist wenig ergiebig sind, wollten wir es trotzdem versuchen.

Es gab an der Sache allerdings einen Haken: Der Vizepräsident des Eike, Michael Limburg, wollte einem Interview nur unter der Bedingung zustimmen, dass dieses seitens Eike gefilmt werden dürfte. Keiner unserer Redakteure wollte allerdings auf dem hauseigenen YouTube-Kanal auftauchen, weshalb wir uns woanders umhören mussten.
Zum Beispiel bei einer studentischen Organisation, die sich vom Eike unterstützen ließ wie den Students for Liberty. Die liberale Studierendenorganisation hat im Rahmen einer Regionalkonferenz in Jena im November 2018 Spendengelder des Eike angenommen. Doch wie ist es zu diesem Sponsoring gekommen? „Ich glaube, ich darf dazu gar nichts sagen“, wehrt Nikodem Skrobisz, Vorstand der Students for Liberty in Jena, ab. „Jeder kann an SFL spenden, wenn er will. Und wenn man spendet, dann wird man auch gelistet.“ Doch reicht das als Ausrede für eine Zusammenarbeit zwischen einer studentischen Organisation mit einem unwissenschaftlichen und konsensablehnenden Verein? Pauline Häßler vom Umweltreferat des Stura sieht das Sponsoring überaus kritisch: „Die Students for Liberty hätten die Spende ablehnen sollen. Sie sollten in Zukunft keine universitäre Unterstützung mehr bekommen, wenn sie sich weiter vom Eike sponsern lassen.“

Doch wie ist es um diese alternativen Fakten an der Uni selbst bestellt? Pauline gibt an, keine Klimawandelleugner an der Uni zu kennen, und auch Nikodem distanziert sich von den Positionen des Eike. Eine Umfrage auf dem Campus sollte zeigen, ob klimawandelleugnerische Tendenzen innerhalb der Studierendenschaft zu erkennen sind. Das erleichternde Ergebnis: Ein Großteil der Studierenden ist bisher nicht in persönlichen Kontakt mit Klimawandelleugnern an der Uni gekommen. Von knapp fünfzig Befragten gaben nur zwei an, persönlichen Kontakt zu der Szene zu haben: „Ein Kumpel leugnet den Klimawandel. Aber der ist eh bei der Jungen Union“, witzelt der Politikwissenschaftsstudent Tassilo Kampas.
Es scheint sie also zu geben, auch wenn es nicht viele sind. Und zu allem Überfluss unterstützen sie studentische Organisationen. Wie bedenklich das ist, erklärt Psychologiestudentin Anne in Bezug auf den Slogan des Eike: „Wenn wir den Klimawandel heute ignorieren, dann ist unsere Freiheit in fünfzig Jahren noch viel mehr bedroht“. Unter den Befragten kann niemand etwas mit den Ideen des Vereins anfangen. So stellt ein weiterer Politikwissenschaftsstudent der Uni Jena die Frage: „Wie kann man nur so dumm sein?“

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