Angriff der Funktionsjacken

Käptn Peng und die Tentakel von Delphi spielen bei der Kulturarena und geben eine kleine Philosophienachhilfestunde.

Von Anika Hinze

An diesem Abend könnte die Bühne vor dem Theaterhaus auch in der Ecke eines kleinen Indie-Club in Brooklyn New York zu finden sein, wie Glühdrähte auf Kopfhöhe, Kontrabass und Perkussion zeigen. Es sind Käptn Peng & die Tentakel von Delphi, die für die nächsten zwei Stunden eine Mischung aus Theaterstück und Philosphie-Nachsitzstunde vorführen werden.

Robert Gwisdek aka Käptn Peng macht direkt zu Beginn ein verlockendes Angebot: Freunde sein, für die Dauer des Konzertes. Klar, sowas kann niemand ablehnen und der herzige Anfang-Dreißiger im verpeilten Roadie-Look ist ab sofort bester Freund. Wegen „Hals“ verzichtet er auf das obligatorische Bühnenbier, was aber auf die Muttis im Publikum großen Eindruck macht. Genau so viel Eindruck machen auch die Beats von den Tentakeln von Delphi, die die langhaarigen Jungs verträumt von einem Bein aufs andere treten lassen. Ein angedeuteter Two-Step, immer leicht neben dem Takt. Kleidungstechnisch bestimmen Funktionsjacken das Bild, denn immerhin ist die einsame Sonnenblume am Schlagzeug das einzige was daran erinnert, dass Anfang August ist. Die Ansagen zwischen den Songs werfen einen irgendwie in den Philosophieunterricht der Oberstufe zurück, was bei einigen im Publikum offenbar eine posttraumatische Belastungsstörung hervorruft und nur durch Gequatsche mit dem Nachbarn gelöst werden kann.

Musikalisch sind die Momente, in denen Käptn Peng mit seinem Bruder Shaban auf Beats vom Band rappt deutlich stärker, der Bass drückt dann einfach mehr in die Magengegend. Die Songs vom neuen Album sind trotz selbstgewählter mehrjähriger Pause so mitteleinfallsreich. Gerade das Dialogstück Meister und Idiot ist eine neue Version von Sokosophie. Zweiteres kommt auch deutlich besser beim Publikum an, dessen Textsicherheit mit abnehmender Spotify-Beliebtheit des Songs ebenso abnimmt. Songs wie „Sie mögen sich“ werden dafür umso inbrünstiger mitgegröhlt.

Ehrenhaft: Käptn Peng und die Tentakel verzichten auf den Zugabenquatsch, spielen lieber die kompletten zwei Stunden durch und geben auch noch Probs an die Licht- und Tontechniker. Da das Publikum das aber nicht so ganz akzeptieren will, gibt es von der Bühne ein Versprechen: Beim nächsten Konzert einfach „Jena“ brüllen, dann gäbe es mindestens drei Zugaben. „Denn das habt ihr verdient!“

Fotos: Alexander Eckert

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