Tennessee Time mit Jentower-Blick

Valerie June spielt bei der Kulturarena und lässt einen Sommertag ausklingen.

Von Marleen Borgert

 

Relativ unscheinbar plätschern die Künstler auf die Bühne, die an ihrem Äußeren dann doch erkannt werden: eine Frau mit einem medusenhaften Turm aus Dreadlocks auf dem Kopf und vier Männer, auf Keyboard, Schlagzeug, Bass und Gitarre verteilt. Das sind Valerie June und ihre Band, von der sie „adoptiert“ wurde, wie sie sagt. Sie selbst kommt als Einzige aus dem Süden der USA, aus Tennesse, ihre Bandkollegen aus dem Norden. Jetzt machen sie gemeinsam Musik.

Ihre Herkunft hört man in ihrem Aussprache, wenn sie zwischen den Songs mit dem Publikum spricht. Den Song Tennessee Time widme sie ihrer Heimat. Die Mischung ihres Akzents und ihrer Stimmfarbe macht sie so einzigartig: Sie reicht von mädchenhaftem Gospel bis hin zu durchdringendem Soul, der die Reihen der Zuschauer in ihren Bann zieht. Ihre Gemeinde in Tennessee, in der Gesang zum Alltag gehörte, hat sie stark durch Gospel geprägt. Noch heute trägt ihre Musik spirituelle Züge. Pärchen halten sich in den Armen und die Sitzreihen lehnen sich entspannt aneinander.

In ihrer Musik schwingt ihre eigene Philosophie mit, mit dem Publikum spricht sie stets in einer anschmiegsamen Gute-Nacht-Lied-Stimme. „This one ist for the lonely“, “for the loneliest, too”, „for the rainy days” oder “for your spirit”, kündigt sie ihre Songs an. Diese Ansagen hätte es nicht gebraucht, versetzten ihre Songs das Publikum doch haargenau in die vorgesehene Stimmung. Damit sie sich selbst auch in Jena wohlfühlt, ist ihr eigenes Mikrophon mit Mitgebrachtem behangen: einem großen blauen Leuchtstern und einer Schmetterlings-Girlande, die sie bedeutungsschwer in ihrer Hand wiegt.

Ebenfalls am Mikrophon befestigt ist ihr blaues Tamburin, mit dem sie zu den Soli ihrer Bandkollegen mehr über die Bühne hüpft als tanzt. Die meisten Songs erfordern jedoch ihre Stimme am Mikrophon oder ihre Hände an einem ihrer vielen Instrumente. Nach jedem Song wechselt sie wieder; zwischen E-Gitarre, akustischer Gitarre, Banjo und weiteren Zupfinstrumenten. Die Heterogenität ihrer Musik zeigt sich in den Instrumenten, sie wird von Valerie June aber auch durch die Variation ihrer Stimme unterstützt.

In einem Interview mit dem Radio Bremen im April diesen Jahres erklärte sie die große Spannbreite ihrer Musik damit, die Songs seien über die letzten zehn bis zwölf Jahre entstanden, stammen alle aus einer anderen künstlerischen Periode ihres Lebens; mal aus Memphis in Tennessee, mal aus New York. Sie selbst bezeichnet ihre Musik, die mal als Blues, mal als Soul, Bluegrass, Country oder Gospel eingeordnet wird, als „organische Mondschein Roots Musik“. Diese muss man mögen. Tut man das aber, ist Valerie Junes Konzert eines zum Gedanken schweifen lassen.

Fotos: Charlotte Wolff

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