Jodel-Mob gegen Stura

Stura-Wahl: Was bei der Stimmabgabe wichtig ist, das größte Problem aus dem letzten Jahr und wieso der jodel-Mob nervt. Drei kurze Anmerkungen zu 2017 als Kommentar.

Von Marleen Borgert

 

1. Prinzip der Sitzvergabe
Ihr wollt eure Vertreterinnen und Vertreter für den Stura wählen, aber Vorsicht: Die Namen auf den Listen sind schmückendes Beiwerk, denn es geht eher darum, möglichst viele Stimmen für eine Liste zu bekommen. Viele und wenige bekannte Namen sorgen für viele Sitze und ziehen somit unbekannte Personen mit. Letztes Jahr kam in der philosophischen Fakultät so eine Person mit 77 Stimmen in den Stura, obwohl eine andere 95 Stimmen hatte. Erstere war in einer Liste mit zwei anderen, Zweitere allein auf einer eigenen Liste.
Wer also seine Stimme an eine bekannte Person abgibt, sollte die jeweils anderen Personen der Liste dabei mitdenken, die von den Stimmen ebenfalls profitieren könnten. Der Stura der EAH hat dieses System nicht. Hier gibt es keine Listenwahl: Die Sitze werden an die Personen mit den meisten Stimmen je Studiengang vergeben.

2. Anwesenheit
Eine der größten Aufgaben des Stura ist jedes Jahr der Haushalt. Der aktuelle Stura hat diesen für 2017 im April beschlossen. Ob das zu spät ist, sei dahingestellt. Viel offenkundiger wurde durch den Prozess ein generelles Problem des Stura: Die Nicht-Anwesenheit seiner Mitglieder. Sitzungen kommen wegen fehlender Beschlussfähigkeit gar nicht erst zustande oder werden frühzeitig abgebrochen. Über den Haushalt wurde einmal bei nötigen 24 Ja-Stimmen mit 24 Personen abgestimmt.
Studierende behindern hier das Engagement anderer durch ihr Desinteresse in Form von Nicht-Anwesenheit. Im großen Maßstab ist dies Respektlosigkeit vor der Arbeit anderer.

3. Schuldzuweisung
Der Stura ist – trotz zäher Debatten –
nicht bodenlos schrecklich. In den Sitzungen sind teilweise engagierte Studierende, die neben ihrem Studium Zeit investieren, um Ansprechpartner zu sein, Studienbedingungen zu verbessern und – hier der Seitenhieb –
kein Danke dafür zu hören.
Bei allem Verständnis für Kritik über Abläufe oder Schwerpunktsetzungen. Die Schwerpunkte werden von gewählten Personen gesetzt. Letztes Jahr lag die Wahlbeteiligung bei 9,2 Prozent. Von 16.691 Wahlberechtigten haben nur 1.533 abgestimmt. Den jodel-Mob zu bilden, der anonym über Verhältnisse herzieht, ist kindisch. Wer mit der Arbeit unzufrieden ist, sollte es dem Stura (tagt alle zwei Wochen Dienstagsabends) entweder direkt sagen oder es ganz lassen. Vielleicht sollte sich aber ohnehin mehr über diejenigen aufgeregt werden, die nicht wählen als über die, die sich aufstellen lassen.

Foto: Daniel Hofmann

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