Explain it like I’m five: Emmanuel Macrons Pläne

Zeitpunkt verpasst, zu dem ihr noch Basiswissen zu einem
Thema nebenbei hättet aufschnappen können und jetzt zu feige, um nachzufragen?

Gefragt hat: Marleen Borgert
Ihr geantwortet hat: Anne Jeannin, im Sprachenzentrum Fachbereichsleiterin für Französisch

Macron ist frisch gewählt. Was sind seine ersten Pläne?
Sein großes Projekt ist eine Agenda 2010 für Frankreich: Eine Arbeitsmarktreform und eine universelle Arbeitslosen- und Krankenversicherung – auch für Existenzgründer. Zu befürchten ist dann eine abgespeckte Version für Selbstständige, die auf alle anderen übertragen wird.

Dagegen gibt es Protest. Was würde die Reform noch umfassen?
Die Infragestellung der 35-Stunden-Woche, die den Franzosen heilig ist. Und Umschulungen für Menschen, die arbeitslos werden. Er sagte, dass er keine Arbeitsplätze retten könne, die Leute aber so auf dem Markt durchaus etwas finden.

In Frankreich sind circa 25 Prozent der Jugendlichen arbeitslos.
Aus Macrons Sicht soll die Jugend Dinge selber in die Hand nehmen, sich mehr anstrengen und flexibler sein. Es brauche „junge Leute, die Lust haben, Milliardäre zu werden“.

Könnte eine Bildungsreform eine Chance für die Jugendlichen bieten?
Die Collège-Reform des vorherigen Bildungsministeriums will er rückgängig machen, was gut ist, denn sie wurde als Reform für Chancengleichheit verkauft, hat aber dazu geführt, dass bestehende gute Systeme abgeschafft wurden. Macron will es den Kommunen freistellen, ob sie die Grundschulreform umsetzen.

Grenzsicherung ist in Frankreich ein großes Thema – Le Pen hat hier viele Stimmen gewonnen.
Grenzschutz hieß bei Le Pen hauptsächlich weniger Flüchtlinge. Macron will diese innerhalb der EU verteilen und 5000 Frontex-Beamte einstellen. Diese Thematik wird oft mit Terrorismus in Verbindung gebracht: Der Ausnahmezustand, der seit den Charlie-Hebdo-Attentaten besteht, soll nicht aufgehoben werden.

Le Pen wollte per Volksabstimmung aus der EU. Wie steht Macron zur EU?
Macron ist ein Europäist und hat bereits mit Angela Merkel über seine Vorstellung eines Finanzministers der Eurozone gesprochen. Er will mehr Souveränität für die EU, was weniger Souveränität für die einzelnen Staaten zur Folge hätte. Geforderte Sparmaßnahmen wird er umsetzen.

Wie sollen diese aussehen?
Macron will die Staatsschulden durch Abbau von Arbeitsrecht und Beamtenkontingent reduzieren, das heißt vom öffentlichen Dienst. Gerade auf dem Land ist dieser bei uns aber sehr wichtig. Wenn der Briefträger nicht mehr kommt, sieht meine Oma tagtäglich niemanden. Der Service public ist auch dafür da, soziale Bindung zu schaffen.

Wie realistisch ist die Umsetzung seiner Pläne?
Wenn Macron bei den Parlamentswahlen im Juni keine Mehrheit bekommt, wird der Premierminister nicht seiner politischen Richtung entsprechen. Macron müsste dann kürzer treten, weil der Premier die Politik des Landes leitet. Wenn er durch Koalitionsgespräche eine Mehrheit bekommt, wird er sein Programm durchsetzen können.

Foto:  Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

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