Explain it like I’m Five: Football-Leaks

Zeitpunkt verpasst, zu dem ihr noch Basiswissen zu einem Thema nebenbei hättet aufschnappen können und jetzt zu feige, um nachzufragen?

Gefragt hat: Christoph Renner
Ihm geantwortet hat: Prof. Frank Daumann vom Lehrstuhl für Sportökonomie und Gesundheitsökonomie

Was sind die Footballeaks?
Footballeaks ist eine fußballbezogene Enthüllungsplattform, auf der sensible Informationen aus dem Bereich des Profifußballs wie Arbeitsverträge von Spielern oder unterschiedliche Vergehen wie Korruption oder Steuerhinterziehung veröffentlicht werden.

Acht Medienhäuser in Europa haben Einsicht in die Daten bekommen. Aber wer steckt hinter den Footballeaks?
Gute Frage: Man vermutet, dass die Betreiber in Portugal sitzen. Auch über die Echtheit der Dokumente kann angesichts des großen Datenvolumens von 1,9 Terabyte nur gemutmaßt werden. Zudem veröffentlicht Footballeaks vertrauliche Informationen, die strafrechtlich belanglos sind. Das ist nicht unproblematisch. Sie würden ja auch nicht gerne haben, dass die Höhe Ihres Einkommens in der Zeitung publiziert wird. Die Persönlichkeitsrechte sollten gewahrt werden.

Was würden Sie als Sportökonom geben, um an den Datensatz der Footballeaks zu kommen?
(Lacht) Natürlich würde der mich interessieren. Was die bisher veröffentlichten Informationen angeht, etwa bezüglich Christiano Ronaldo…

…der die Einnahmen für seine Bildrechte von über 60 Millionen Euro bei einer Briefkastenfirma auf den Virgin Islands gebunkert hatte, um damit die fällige Einkommenssteuer zu umgehen.
Es überrascht nicht, dass es im Profifußball Steuervermeidungsstrategien gibt. In einem Millionenbusiness ist das nun einmal wahrscheinlicher als beim Eisstockschießen.

Bekannte Fußballer sind globale Marken, die nicht zuletzt vom Image des sauberen Sportsmanns leben.
Das stimmt. Aber Fußballer sind auch keine Übermenschen, die allen Versuchungen widerstehen können. Die Clubs haben natürlich ein Interesse daran, dass die Spieler in einem guten Licht erscheinen. So ist Mezut Özil laut Footballeaks nur knapp an einem Gerichtsverfahren wegen 2 Millionen Euro unbezahlter Steuern vorbeigeschrammt. Sollte sein Verein oder sein Management jetzt an die Öffentlichkeit gehen und sagen: Mezut Özil ist ein toller Sportler mit Dreck am Stecken? Die müssten doch Tinte getrunken haben.

Gesellschaftlichen Eliten wird im Moment stark misstraut. Fußballer bilden eine Ausnahme.
Fußball wird von vielen geliebt. Und wer liebt, verzeiht mehr. Am System Fußball jedenfalls würde sich nur dann etwas verändern, wenn die Zuschauer ausblieben. Zudem macht der Korruptionsrummel den Fußball vielleicht noch interessanter, da er ihn immer wieder ins Gespräch bringt.

Können die Enthüllungen für die Zukunft etwas verändern?
Ja, zum einen werden sie dazu führen, dass die Akteure des Profifußballs aus Angst vor öffentlicher Demontage vorsichtiger werden. Andererseits könnten die Veröffentlichungen eine breitere gesellschaftliche Debatte über das System Fußball in Gang setzen.

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